Fortschritte und Probleme für die Sozialverantwortung der IT-Branche

Unternehmen mit IT-Anwendungen suchen zunehmend nach umweltverträglichen Computerprodukten, die unter sozial verträglichen Bedingungen hergestellt wurden. Dennoch: Kürzere Produktzyklen und die steigende Nachfrage nach neuen Technologien üben zunehmend Druck auf die Branche und deren komplexe Supply Chain aus, neue Geräte schneller und zu geringeren Kosten zu liefern. Dies führt oftmals zu unangemessenen Arbeitsbedingungen in der Elektronikfertigung, wie lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne und fehlende Arbeitsschutzmaßnahmen. Das Problem ist weit verbreitet und durch die Medien und NGO-Überwachung auch hinlänglich bekannt.

Um einerseits den Käufern, die nachhaltig hergestellte Produkte nachfragen, eine Lösung zu bieten und andererseits der Branche, die verantwortlichere Produktionsprozesse anstrebt, eine Struktur an die Hand zu geben, hat TCO Development 2009 mit der TCO Certified Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte Anfangskriterien für sozial verantwortliche Produktion eingeführt. 2012 wurde dies durch erweiterte Kriterien und Prüfroutinen ergänzt. Das Ziel war es, eine Struktur bereitzustellen und einen transparenteren Dialog mit der Branche zu schaffen – was nach Auffassung von TCO Development für echte Verbesserungen und größere Markenverantwortung notwendig ist.

TCO Development hat Erkenntnisse zusammengestellt auf der Basis der ersten 17 Marken, die innerhalb des ersten Jahres der Gültigkeit (September 2012 bis September 2013) Produkte nach neuen Kriterien zertifiziert haben. Dieser Bericht enthält Erkenntnisse und Daten aus dieser ersten Compliance-Periode.

Kriterien und wertorientierte Ziele

Die 2012 eingeführten, erweiterten Ziele sind an der Einhaltung der acht ILO Kernübereinkommen, der UN Konvention über die Rechte des Kindes sowie der Arbeits- und Sozialschutzgesetze im Land der Herstellung ausgerichtet.

TCO Development hat mit den neuen Kriterien drei wertorientierte Ziele festgelegt:

  1. Verantwortung – erhöhte Verantwortung von Hersteller/Marke für sichere und ethische Arbeitsbedingungen in Produktionsstätten
  2. Struktur – Errichtung einer objektiven, offenen Plattform für schrittweise Verbesserungen, einschließlich definierter Kontrollen und Benchmarks
  3. Transparenz – verbesserter und offener Dialog zwischen Marken, Herstellern und anderen Akteuren über soziale Fragen

Die Messung der Umsetzung dieser Ziele ermöglicht es uns, die Fortschritte auf dem Weg hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung in der Herstellungsphase des IT-Produktlebenszyklus zu überwachen.

Instrumente für die Verifizierung

Die Verifizierung der Compliance ist der Schlüssel für die Ermittlung der Fortschritte in den drei Bereichen Verantwortung, Struktur und Transparenz. TCO Development hat hierfür drei Verifizierungsinstrumente eingeführt:

  1. Verhaltenskodex – entweder durch den EICC-Prozess, durch SA8000 oder die Option »Eigene Arbeit«
  2. Unabhängige Werksprüfungen – durch die Tier-1-Einrichtung (die Endfertigung)
  3. Korrekturmaßnahmenplan – zur Behebung von Konformitätsabweichungen

Die Überprüfung wird durch akkreditierte, unabhängige Prüfinstanzen durchgeführt. Fabriken und Produkte unterliegen zudem nachgelagerten Stichprobenkontrollen und Audits.

Erkenntnisse – Fortschritte wurden erzielt, aber Problemfelder nach wie vor akut

Die Erkenntnisse aus dem ersten Jahr zeigen, dass mehrere Marken in den Bereichen Verantwortung, Struktur und Transparenz Fortschritte erzielt haben.

TCO Development konnte feststellen, dass einige Marken eine größere Verantwortung für die Arbeitsbedingungen in Produktionsstätten übernehmen, indem sie sich für das TCO Certified-Verfahren engagieren und den Themenbereich auf die Agenda der Geschäftsleitungsebene setzen. Mehrere Marken schulen zudem verstärkt ihre Lieferanten über sozial verantwortliche Herstellung.

TCO Certified hat Marken eine offene Plattform und Struktur zur Verfügung gestellt, die es ihnen ermöglicht, die Leistung und die erzielten Fortschritte zu messen. Einige Marken haben dadurch zum ersten Mal auf strukturierte Weise mit dem Thema soziale Verantwortung gearbeitet.

Wir sind der Ansicht, dass der offene und kontinuierliche Dialog im Rahmen des TCO Certified-Verfahrens die Transparenz zwischen Marken, Herstellern und Dritten in mehreren Fällen verbessern konnte.

Und obwohl Fortschritte festgestellt wurden, zeigt die Analyse, dass Prioritäts- und andere schwere Verletzungen weiterhin andauern – dazu zählen schlechte Arbeitsbedingungen, Überstunden und niedrige Bezahlung, unzureichende Arbeitsschutzmaßnahmen, Gesetzesverstöße und Einschränkung des Rechts auf Vereinigungsfreiheit.

Nächste Schritte

Wir glauben, dass es zukünftig für eine weiter greifende und kontinuierliche Verbesserung notwendig sein wird, Umsetzung zu strukturieren und Korrekturmaßnahmen nachzuverfolgen. Die Daten in diesem Bericht weisen auf einen allgemeinen Mangel an Struktur und Routinen hin, wo Marken es versäumt haben, nachzufassen und ihren Verhaltenskodex umzusetzen.

Das TCO Certified-Programm beinhaltet nachgelagerte Stichproben von Produkten und Produktionsstätten, um so die kontinuierliche Umsetzung der Compliance zu überwachen. Bei der Überwachung des Fortschritts wird TCO Development diesen Prozess als Follow-up-Verfahren anwenden. Unsere kontinuierliche Zusammenarbeit mit Akteuren aus Wirtschaft, Forschung und der Anwender-Community wird uns bei einer nachhaltigeren Ausrichtung der IT in allen Phasen des Produktlebenszyklus unterstützen.

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The State of Social Responsibility in Manufacturing in the IT-industry

https://tcodevelopment.com/files/2014/08/Report_The_state_of_socially_responsible_manufacturing_in_the_IT_industry_2014_TCO-Development.pdf 

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