Größe von DDoS-Angriffen in zehn Jahren verfünfzigfacht

Der jährliche Weltsicherheitsbericht »WISR 2014« (World Security Infrastructure Report) feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen und bietet einen differenzierten Einblick in die aktuellen Sicherheitsbedrohungen für Netzwerke von Service Providern und Einzelunternehmen [1]. Die Zahlen basieren auf Auswertungen des Datenverkehrs von 287 Service Providern, Unternehmen, Cloud-, Hosting- und anderen Netzwerkanbietern weltweit.

grafik arbornetworks sicherheitsbericht

Der Sicherheitsbericht zeigt die Haupttrends für Bedrohungen, Ängste sowie Gegenstrategien von Unternehmen auf und bezieht sich auf einen einjährigen Untersuchungszeitraum bis einschließlich Oktober 2014. Der WISR wird in internationaler Zusammenarbeit mit Netzwerkbetreibern und Unternehmen erstellt und steht nach Registrierung kostenfrei zum Download bereit [2].

Zehn Jahre Sicherheitsreport: Die Bedrohungslage früher und heute

  • Noch vor zehn Jahren traten DDoS-Angriffe nur vereinzelt auf. Heute sind sie eine ernste Bedrohung für den Geschäftsbetrieb und den damit verbundenen Geschäftserfolg. Dabei haben sich ehemals einfache DDoS-Angriffe zu komplexen, gezielten und dauerhaften Angriffsarten entwickelt.
  • Der größte 2014 verzeichnete Angriff betrug 400 Gbps (Gigabit pro Sekunde), vor zehn Jahren lag das maximale Volumen noch bei acht Gbps.
  • Während 2014 etwa 90 Prozent der Befragten Angriffe auf der Anwenderebene verzeichneten, bestanden vor zehn Jahren noch 90 Prozent der Angriffe aus sogenannten »Flooding-Attacken«, einer einfachen Datenüberflutung der Leitungen.
  • Über zehn Jahre gleich geblieben ist der Risikofaktor Mensch. 54 Prozent der Unternehmen sehen es als ein Problem an, qualifizierte Sicherheitsmitarbeiter zu finden und sie langfristig zu binden.

»Arbor Networks führt seine Weltsicherheitsstudie WISR seit nunmehr zehn Jahren durch. Damit hatten wir das Privileg, die Entwicklung des Internets von seinen Anfängen als reines Medium zur Bereitstellung von Inhalten bis hin zur heutigen hypervernetzen Onlinewelt zu verfolgen«, erläutert Darren Anstee, Direktor Solutions Architects bei Arbor Networks. »2004 sorgten sich selbst verbreitende Würmer wie Slammer und Blaster aus dem Vorjahr für Aufregung in den Unternehmen. Für Sicherheitsverletzungen waren in dieser Zeit vor allem Mitarbeiter mit direktem Zugriff auf Daten verantwortlich.

Heute müssen sich Unternehmen mit weitaus komplexeren und vielschichtigern Bedrohungen auseinandersetzen und haben eine weitaus umfangreichere Angriffsfläche zu schützen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen erfolgreicher Angriffe oder Sicherheitsverletzungen können inzwischen verheerend sein – heutzutage steht weitaus mehr auf dem Spiel als damals.«

Angriffe nehmen an Größe, Komplexität und Häufigkeit zu

  • Hochvolumigere Angriffe durch Reflection- und Amplifikations-Mechanismen:

2014 erreichte der größte gemeldete Angriff 400 Gbps, andere große Sicherheitsvorfälle lagen bei 300, 200 und 170 Gbps. Weitere sechs Befragte meldeten Angriffe mit einer Größe von über 100 Gbps. Vor zehn Jahren lag das größte Angriffsvolumen bei 8 Gbps.

  • Multivektoren- und DDoS-Angriffe auf Anwenderebene werden zum Standard:

90 Prozent aller Befragten berichteten von Angriffen auf der Anwenderebene. 42 Prozent verzeichneten sogenannte Multivektoren-Angriffe, die als andauernde Einzelangriffe verschiedene Angriffstechniken wie volumetrische Angriffe, Angriffe auf der Anwenderebene und mittels Überlastung (State-Exhaustion) miteinander kombinieren.

  • Zunahme von DDoS-Angriffen:

Während 2013 nur etwas mehr als ein Viertel der Befragten mehr als 21 Angriffe pro Monat meldete, liegt diese Zahl 2014 mit 38 Prozent fast doppelt so hoch.

Dauerangriffe auf Unternehmen

DDoS und APTs (Advanced Persistent Threats) werden gängigste Angriffsformen: Fast die Hälfte aller Befragten verzeichnete während des Untersuchungszeitraumes DDoS-Angriffe, davon fast 40 Prozent mit einer totalen Überlastung ihrer Internetverbindungen.

  • Firewalls und IPS-Systeme bleiben bevorzugte Angriffsziele:

Über ein Drittel aller Befragten berichteten vom Versagen ihrer Firewalls und IPS-Systeme oder deren Beitrag zu Ausfällen bei DDoS-Angriffen.

  • Cloud Dienste sind das perfekte Ziel für Angreifer:

Mehr als ein Viertel der Teilnehmer verzeichneten Angriffe auf ihre Cloud-Dienste.

  • Sicherheitsvorfälle an der Tagesordnung – Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet:

Nur rund ein Drittel der Befragten berichteten von einer Zunahme von Sicherheitsvorfällen in 2014, während etwa die Hälfte von ihnen die Anzahl der Angriffe entsprechend dem Vorjahresniveau verzeichnete. Vierzig Prozent der Befragten fühlten sich ausreichend oder gut für Sicherheitsvorfälle vorbereitet, während nur 10 Prozent angaben, weder über Notfallmaßnahmen noch über ein Notfallteam zu verfügen.

Rechenzentren sind Ziele mit hohen Datenvolumina und massiven Auswirkungen

  • Mehr als ein Drittel der Betreiber von Rechenzentren verzeichneten DDoS-Angriffe, die ihre Internetbandbreite überlasteten:

Überlastung durch DDoS-Angriffe bleibt ein kritischer Punkt für die Betreiber von Rechenzentren. Ausfallzeiten bedeuten nicht nur einen Geschäftsausfall für das eigene Unternehmen, sondern wirken sich auch negativ auf das operative Geschäft von Kunden mit strategischen Infrastrukturen in der Cloud aus.

  • Zusätzliche Betriebskosten aufgrund von DDoS-Angriffen werden für Betreiber von Rechenzentren zum Hauptkostenfaktor :

Betreiber von Rechenzentren sehen sich immer höheren Kosten für den Schutz gegen die wachsenden Angriffe gegenüber: DDoS-Schutz wird zu eine Priorität.

  • Umsatzverluste durch DDoS-Angriffe steigen dramatisch an:

44 Prozent der befragten Betreiber von Rechenzentren erlitten Umsatzverluste aufgrund von DDoS-Angriffen.

  • Etwa die Hälfte aller Firewalls angegriffen oder durch DDoS-Angriffe ausgefallen:

Im vergangenen Bericht lag der Prozentsatz für Ausfälle und Angriffe auf Firewalls noch bei 42 Prozent. Auch Loadbalancer waren betroffen: mehr als ein Drittel der Befragten berichteten von Ausfällen aufgrund von DDoS im letzten Jahr.

[1] Hintergrundinformationen zum WISR 2014:
Die aktuellen Ergebnisse beziehen sich auf den Untersuchungszeitraum November 2013 bis Oktober 2014 mit weltweit 287 befragten Unternehmen (220 im Vorjahr). Vor zehn Jahren nahmen lediglich 36 Unternehmen an der Studie teil. Heute sind rund 60 Prozent der teilnehmenden Unternehmen Internet Service Provider – davon 34 Prozent Tier 1, 2 und 3-Provider. Etwa 30 Prozent sind Unternehmen, Bildungs- oder Regierungsorganisationen. Der Anteil der Managed Services Provider liegt bei sechs Prozent, Hosting-, Co-Location- oder Datacenter-Anbieter stellen fünf Prozent der Befragten. 36 Prozent der befragten Unternehmen sind in den USA und Canada ansässig, 34 Prozent haben ihren Hauptsitz in Europa. Weitere 16 Prozent sind im asiatisch-pazifischen Raum und rund neun Prozent im Mittleren Osten und Afrika sowie sechs Prozent in Lateinamerika ansässig. 
[2] Der englische Originalbericht wurde kürzlich in den USA vorgestellt und kann nach erfolgter Registrierung unter www.arbornetworks.com/report heruntergeladen werden. Ausführliche Erläuterungen zu den Ergebnissen der WISR Studie erhalten Sie in einem Webinar unter
Forschungsergebnisse, Analysen, Daten und Detailinformationen aus der ATLAS Arbor Threat Monitoring Infrastruktur finden Sie im ATLAS Threat Portal unter https://arbornetworks.com/threats.