Gute Gründe für Web-Konferenzen. Wie stellen sich die Anbieter auf?

Verteilte Teams, sowohl unternehmensintern als auch unternehmensübergreifend, nehmen immer mehr an Bedeutung zu. Gleichzeitig wachsen Zeit- und Kostendruck. Dienstreisen kosten Zeit und Geld, das immer seltener vorhanden ist. Um unter diesen Bedingungen schnell und effizient interagieren und kommunizieren zu können, kommt immer häufiger Web Conferencing zum Einsatz.

Web Conferencing bezeichnet Lösungen, die es erlauben, virtuelle Konferenzen zwischen räumlich verteilten Teilnehmern abzuhalten. Dies können interaktive Konferenzen, aber auch die Kommunikation von einem Präsentator zu mehreren (Webinar, bis auf den Präsentator äußern sich die Teilnehmer nur schriftlich über Text-Chat) oder vielen (Webcast) Teilnehmern sein. Die Übertragung (beispielsweise die Präsentation von Dokumenten) erfolgt im Allgemeinen über das Internet. Angeboten wird das Teilen von Dokumenten beziehungsweise Informationen (über Desktop Sharing beziehungsweise virtuelle Datenräume, bei denen nur die speziell bereitgestellten Dokumente präsentiert und diskutiert werden), das beispielsweise ergänzt wird durch (integrierte oder parallele) Audiokonferenzen beziehungsweise Videokonferenzen.

Entsprechend bewertet die Experton Group die Anbieter im Markt für Web Conferencing nach den folgenden Kriterien:

  • Funktionsumfang
  • Möglichkeiten der Nutzung (neben Desktop Sharing auch Virtual Rooms)
  • Möglichkeiten der Interaktion (beispielsweise White Board, Chat, File Transfer)
  • Sicherheit
  • Integration in Collaboration-Lösungen
  • Flexibilität der Nutzung

Im jüngsten veröffentlichten Social Business Vendor Benchmark, den Experton Group Anfang dieses Jahres vorstellte, wurde auch der Markt für Social Collaboration Web Conferencing untersucht.

Bewertung einzelner Anbieter

Elf Anbieter wurden hinsichtlich des deutschen Marktes betrachtet:

  • Adobe
  • BeamYourScreen (Mikogo)
  • Brother
  • Cisco
  • Citrix
  • FastViewer
  • IBM
  • Microsoft
  • PGi
  • Saba
  • TeamViewer

Von diesen gelang fünf der Sprung in den Leader-Quadranten.

Zu diesen führenden Unternehmen zählt IBM. Mit SmartCloud Meetings offeriert Big Blue eine Lösung, die kaum Wünsche offen lässt. Die gebotenen Funktionen sind sehr umfangreich, und alle wesentlichen Formen der Interaktion mit den Konferenzteilnehmern (Anmerkungen / Zeichnen, Chat, Instant Messaging, Filetransfer) sind möglich. Darüber hinaus beschränkt sich SmartCloud Meetings nicht nur auf die Möglichkeit des Desktop Sharings, sondern bietet auch virtuelle Meeting-Räume. Ein zunehmend wichtiger Aspekt ist die Absicherung einer Konferenz gegenüber Unbefugten. Auch hierbei erfüllt IBM hohe Standards, beispielsweise indem nur eingeladene Personen an Konferenzen teilnehmen können. Die Lösung erlaubt die Integration nicht nur in Lotus Notes, sondern auch in die marktführende Groupware-Lösung Outlook von Wettbewerber Microsoft. Wünschenswert wäre darüber hinaus die Möglichkeit der Integration über API-Schnittstellen. Als Wettbewerbsvorteil kommt IBM zu Gute, dass das Unternehmen mit Collaboration Solutions (früher Lotus) ein breites Portfolio an Social Collaboration, Unified Communications (UC) und Digital Experience bietet und somit Lösungen für Kommunikation und Zusammenarbeit aus einer Hand liefern kann.

grafik experton social collaboration web conferencing

Abbildung: Positionierung der Anbieter von Social Collaboration Web Conferencing in Deutschland. Quelle: Experton Group AG, 2015.

Die Integration über API-Schnittstellen kann WebEx Meetings von Cisco bieten, allerdings ist daneben nur die Integration mit Outlook vorgesehen, nicht mit Notes. Dies tut der insgesamt führenden Position des Netzwerkspezialisten aber keinen Abbruch, da auch Cisco in der Lage ist, eine im Wesentlichen komplette Lösung bereitzustellen, die neben Desktop Sharing auch virtuelle Meeting-Räume bietet und in Sachen Interaktionsmöglichkeiten den Nutzern keinerlei Beschränkungen auferlegt. Seine Social-Collaboration-Lösung »WebEx Social« hat Cisco zwar zu Gunsten der Zusammenarbeit mit Jive aufgegeben, aber als einer der führenden UC-Anbieter offeriert Cisco Kommunikation und Zusammenarbeit aus einer Hand. Die Sicherheit von WebEx Meetings ist auf einem mittleren Level angesiedelt; zur Konferenzteilnahme genügt die Kenntnis des Passwortes, eine Einladung ist nicht erforderlich.

Letzterer Punkt trifft auch auf Lync Online von Microsoft zu. Die Unified-Communication- und Collaboration- (UCC-) Lösung deckt wesentliche Funktionen ab. Desktop Sharing und virtuelle Räume werden ebenso geboten wie alle Formen der gemeinsamen Interaktion. Wie WebEx Meetings bietet auch Lync Online Integration für Outlook und über API-Schnittstellen. Lync (Anmerkung: wurde inzwischen nach Veröffentlichung der Studie in Skype for Business umbenannt) ist eine marktführende UCC-Lösung und bietet zusammen mit Yammer das gesamte Spektrum für (Social) Kommunikation und Zusammenarbeit aus einer Hand.

GoToMeeting von Citrix kann zwar mit einem großen Funktionsumfang punkten, allerdings bietet der Experte für virtuelle Desktops keine virtuellen Meeting Rooms, sondern nur Desktop Sharing an. Auch die Interaktionsmöglichkeiten sind nicht ganz so umfangreich wie bei den oben genannten Wettbewerbern. Andererseits eröffnet Citrix ein breites Integrationsspektrum: für Outlook, Notes und über API-Schnittstellen. Das Security Level ist mittels Passwort-Absicherung auf einem mittleren Niveau. GoToMeeting kann mit einer hohen Marktdurchdringung punkten.

Ebenfalls im Leader-Quadranten konnte sich Adobe mit seinem Conferencing-Angebot Connect positionieren. Verschiedene Faktoren machen Connect zu einem attraktiven Angebot. Das Spektrum der gebotenen Funktionen lässt kaum Wünsche offen, ebenso wie die Interaktionsmöglichkeiten. Der Nutzer hat zudem die Wahl zwischen Desktop Sharing und virtuellen Meeting-Räumen. Das Sicherheitsniveau befindet sich ebenfalls auf einer hohen Stufe, indem nur eingeladene Teilnehmer zu Konferenzen zugelassen werden. Hinsichtlich der Groupware-Integration werden sowohl Outlook- als auch Notes-Nutzer bedient, und auch die Anbindung über API-Schnittstellen ist möglich. Ein Manko für die Wettbewerbsposition ist der Umstand, dass Adobe – anders als etwas IBM, Cisco oder Microsoft – kein umfassendes Kommunikations- und Kollaborations-Portfolio aus einer Hand anbieten kann.

Frank Heuer, Experton Group, www.experton-group.com

 

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