In Köthen wächst Konkurrenz für Alibaba und Amazon Business

Illustration: Absmeier Quelle: mercateo

Der Online-Händler Mercateo entwickelt ein bislang einzigartiges Geschäftsmodell und durchbricht 2017 erstmals die Schallmauer von mehr als einer Viertel Milliarde Euro Umsatz.

 

Mercateo – rot leuchtet der Schriftzug von einer Hausfassade in der Köthener Innenstadt. Europas größter digitaler B2B-Marktplatz entwickelt seit 2004 den Großteil seines operativen Geschäfts für seine Online-Beschaffungsplattform von Sachsen-Anhalt aus – und nutzt erfolgreich entsprechendes Know-how, das in der Region vorhanden ist.

 

»Mit unserer Hilfe können Unternehmen ihre Einkaufspotenziale besser ausschöpfen« – diese Botschaft von Mercateo trifft den Nerv aller Geschäftsleute. In der Tat gestalte sich der Einkauf in vielen Firmen noch als unwirtschaftlicher Prozess, meint Lars Schade, einer der Geschäftsführer von Mercateo. Er spricht über viel positive Resonanz auf die erste Online-Konferenz seines Unternehmens im Herbst vergangenen Jahres. »Wir haben Wege in den Einkauf 4.0 aufgezeigt«, sagt Schade. Mercateo, abgeleitet vom lateinischen Mercator, dem Kaufmann, ist da Vorreiter. »Wir haben eine bislang unvergleichliche Infrastruktur für einen B2B-Marktplatz für Geschäftskunden geschaffen. Hersteller und Lieferanten präsentieren hier ihre Produktkataloge oder Marken. Die Einkäufer brauchen sich nur einmal registrieren und können bequem ihre Warenkörbe packen und von der großen Vielfalt profitieren. Wir sind der Händler im Hintergrund, der den gesamten digitalen Ver- und Einkaufsprozess regelt«, sagt Lars Schade.

Das Unternehmen, erklärt er, nutze den fortschreitenden Digitalisierungsprozess mit all seinen neuen technischen und kommunikativen Möglichkeiten, um das Geschäft im E-Commerce weiter auszubauen. Zum Aufschwung trage bei, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen inzwischen online vernetzt sind und zu den hunderten Lieferanten, tausenden Herstellern und zu den über eine Million Kunden der Mercateo-Plattform gehören. Hauptsächlich würden Büro- und Labormaterial, IT-Bedarf sowie Lager- und Betriebsausstattungen gesucht und bestellt, sagt Lars Schade. Der Anspruch seines Unternehmens sei es, jeden Kundenbedarf befriedigen zu können. Die webbasierten Lösungen zur Optimierung der vollelektronischen Bestellabwicklung sind unternehmenseigene Entwicklungen.

 

Und wenn doch einmal ein Artikel nicht im Sortiment ist?

»Dann ist von Vorteil, dass wir keine anonyme Internetplattform sind. Die Mercateo-Nutzer können mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern persönlich ins Gespräch kommen«, sagt der Geschäftsführer. Sein liebstes Paradebeispiel ist der Fledermausnistkasten, der von den Stadtwerken einer Kommune gesucht wurde. Seitdem habe Mercateo auch Anbieter solcher Kästen auf der Plattform. Wer wolle schon einen Kunden an einen anderen Händler verlieren?

 

Auch Mercateo will seine Kunden an sich binden – und gestattet beispielsweise den Unternehmen, aktiv ihre Geschäftspartner auf die Plattform mitzubringen, sowohl Einkäufer als auch Anbieter. »So kommt eine neue Dynamik in den B2B-Bereich«, benennt Lars Schade einen wettbewerbsentscheidenden Vorstoß.

Mercateo war bei seiner Gründung vor fast 20 Jahren in München noch als Pionier auf dem weitgehend unbestellten Feld des Internethandels unterwegs – und ist seit geraumer Zeit schon Europas größter digitaler B2B-Marktplatz. Zu seinem internationalen Wirkungskreis in den Niederlanden, Polen, Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Irland, Spanien, Italien, in der Tschechischen Republik, Slowakei, Belgien, Schweiz sowie in Österreich gehören drei Standorte in Deutschland – neben München auch in Leipzig und seit 14 Jahren in Köthen. Dort sind 250 der mehr als 500 Mitarbeiter von Mercateo beschäftigt. »Wir finden hier bestausgebildete Fachkräfte und profitieren von der Nähe zur Hochschule Anhalt mit dem Fachbereich Informatik in Köthen und zur Fachhochschule für Betriebswirtschaft in Bernburg«, sagt Lars Schade und betont die Innovationsfreude und Offenheit der Stadt in Bezug auf das Digitalisierungskonzept, das sein Unternehmen immer weiter entwickelt.

 

285 Millionen Euro betrug Mercateos Umsatz 2018, Tendenz steigend. »Wir haben 2017 erstmals mehr als eine Viertel Milliarde Euro Umsatz erzielt und konnten das Ergebnis im letzten Jahr erneut steigern«, freut sich der Geschäftsführer über die offensichtliche Kundenzufriedenheit. »Immer mehr Geschäftsleute entscheiden sich bewusst dafür, die Mercateo Systemfunktionalitäten zu nutzen.« Die Rede ist von der hochprofessionellen digitalen Umsetzung eines optimalen Bestellablaufs und der dahinter liegenden Logistik.

 

»Inzwischen sind wir weitaus mehr als eine Beschaffungsplattform«, kommt Lars Schade auf die neue Vernetzungsplattform »Mercateo Unite« zu sprechen. Sie bietet den digitalen Raum für Kooperationen in Einkauf und Handel. Schade betont deren Netzwerkgedanken. »Hersteller haben die Möglichkeit, völlig neue Online-Vertriebskanäle aufzubauen und diese gemeinsam mit dem Fachhandel zu gestalten.« Mercateo Unite ist die Basis dafür – mit einer technologischen Infrastruktur, auf der Geschäftspartner unterschiedlichen Digitalisierungsstandes miteinander persönlich in Kontakt treten können, ohne dass sich Dritte einmischen. »Wir haben mit Mercateo Unite ein europäisches Handelsgeschäft nach deutschen Werten entwickelt. Das ist es auch, was uns von den großen Online-Händlern wie Alibaba in Asien und Amazon Business in Amerika unterscheidet«, sagt Lars Schade.

 

Einmal mehr ist Mercateo ein Pionier, was die Entwicklung des digitalen B2B-Handels betrifft. Wohl auch, weil das Unternehmen beste Rahmenbedingungen schafft, in denen seine Mitarbeiter hochmotiviert sind, gemeinsam digitale Innovationen zu kreieren und voranzubringen. Vor Jahren schon wurde Mercateo von der sachsen-anhaltischen Landesregierung zum »Unternehmen des Monats« gekürt – und hat seinen guten Ruf stetig weiter ausgebaut. Das Manager Magazin benannte Mercateo 2016 als einen von 50 deutschen Hidden Champions mit digitalem Geschäftsmodell. »Wir sind ausschließlich im Geschäftskundenbereich unterwegs, bewegen uns somit in einer Nische, in der wir aber sehr wohl bekannt sind«, sagt Lars Schade und lenkt den Mercateo-Blick in die Zukunft des Unternehmens: »Da wollen wir nicht nur der heimliche‘ Marktführer sondern der wahre Champion unserer Branche sein.« Dabei setzt Mercateo weiter auf den Standort Sachsen-Anhat und will von hier aus die digitale Zukunft deutscher Unternehmen mitgestalten.

Kathrain Graubaum

 

Lars Schade, einer der fünf Geschäftsführer des Internethandels Mercateo, mit Unternehmenssprecherin Melanie Globig.

©Kathrain Graubaum

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