Internet of Things: Ein Trend in den Startlöchern

Kaum ein Thema wird innerhalb der Telekommunikationsbranche derzeit intensiver diskutiert als das Internet der Dinge. Unter diesem Begriff werden vernetzte Objekte aus unterschiedlichen Marktsegmenten zusammengefasst, wobei primäre Kommunikationsgeräte wie Smartphones und Tablets bei der Betrachtung außen vor bleiben.

Abbildung 8 illustriert die Verbreitung von Consumer-IoT-relevanter Hardware in deutschen Haushalten und gibt einen Ausblick auf die künftige Kaufabsicht. Dabei zeigt sich zunächst der unterschiedliche Reifegrad einzelner Angebote: Vernetzte TV-Geräte und Spielekonsolen sind bereits seit Jahren etabliert und liegen bei der Geräteverbreitung entsprechend deutlich vorn. Darüber hinaus ist das Internet der Dinge in der Mehrzahl der Haushalte bislang nicht angekommen. Wearables und Smart-Home-Hardware fristen noch ein Nischendasein, und auch Connected Cars stehen kaum in deutschen Garagen.

Die geäußerte Kaufabsicht verspricht jedoch eine Trendwende in den nächsten Monaten. Zuwächse sind in allen Segmenten des Marktes zu erwarten. Der Hype um das Internet der Dinge scheint sich zu materialisieren. Insbesondere Konsumenten aus den mittleren Altersgruppen planen die Anschaffung vernetzter Consumer Devices. Gerätehersteller und Netzbetreiber müssen das vorhandene Interesse hochhalten und die Entwicklung sinnvoller Use Cases für das Internet der Dinge weiterhin fördern. Darüber hinaus kann die Vernetzung unterschiedlicher IoT-Devices untereinander den Trend weiter ankurbeln.

Datenschutz und -sicherheit wichtig

Das Internet der Dinge generiert Nutzungsdaten in einem bislang nicht gekannten Ausmaß. Deren Verwendung bildet die Grundlage neuer IoT-Anwendungen und -Geschäftsmodelle. Allerdings besteht bei den Konsumenten große Skepsis: Altersübergreifend lehnen 42 Prozent der Deutschen die Weitergabe ihrer Daten grundsätzlich ab, 34 Prozent würden sie nur mit bestimmten Anbietern teilen. Abbildung 9 zeigt die Vorbehalte in den Altersgruppen. Selbst junge Konsumenten würden ihre Daten mehrheitlich nicht generell zur Verfügung stellen, bei älteren Verbrauchern ist die Zurückhaltung noch einmal größer.

Um innovative Dienste und Geschäftsmodelle für das Internet der Dinge zu etablieren, müssen die Verbraucher vom vertrauenswürdigen Umgang mit ihren Daten zunächst noch überzeugt werden. Transparenz und ein maximal mögliches Niveau bei Datenschutz und -sicherheit sind insbesondere in Deutschland notwendige Voraussetzungen. Sind diese erfüllt, dürfte dem weiteren Erfolg des Internets der Dinge auch auf einem Massenmarkt nichts im Wege stehen.

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Der Global Mobile Consumer Survey 2015 [1] zeigt: Smartphones als neue Nummer eins, Wearables stehen in Deutschland vor dem Durchbruch, das Interesse an smarten Uhren und Fitness-Trackern steigt deutlich. LTE hat hingegen schon den Markt erobert, immer mehr Konsumenten nutzen die schnellen Netze. Dennoch bleibt Wi-Fi die am häufigsten verwendete Datenverbindung. Etabliert haben sich Streaming-Angebote auf mobilen Geräten, Apps dagegen werden seltener installiert. Dem Trendthema Internet of Things ist hierzulande eine eher langsame Entwicklung beschieden – insbesondere Datenschutzbedenken sind ein Hindernis.

»Mobilgeräte und Apps gehören zum Alltag. Bei neuen digitalen Trends und Geräten fragen Konsumenten aber verstärkt nach dem gebotenen Mehrwert und der Datensicherheit«, erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und TMT EMEA Lead bei Deloitte. »Diese und andere Herausforderungen verzögern den Schritt vom innovativen Nischenprodukt zum Massenphänomen und erfordern neue Strategien auf Anbieterseite.«

Smartphones als neue Nummer eins

Erstmals ist das Smartphone die verbreitetste mobile Gerätekategorie in Deutschland und löst den Laptop ab. Drei Viertel der Konsumenten haben Zugriff auf ein smartes Telefon, bei unter 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 90 Prozent. Tablets sind bereits in fast jedem zweiten Haushalt zu finden. Das im letzten Jahr rückläufige Interesse an Wearables, insbesondere an Smart Watches, hat seine Talfahrt beendet – 8 Prozent der Befragten planen eine Anschaffung innerhalb der nächsten zwölf Monate, im Vorjahr waren es noch 3 Prozent.

Ihre mobilen Endgeräte nutzen deutsche Konsumenten meist zum Lesen von Online-News, gefolgt vom Streaming von Short-Form-Videos – diese Streaming-basierten Inhalteangebote haben sich etabliert. Die datenintensiven Dienste werden vorrangig über heimische WiFi-Verbindungen konsumiert. Ein klarer Abwärtstrend zeigt sich bei Apps. Neue Apps werden nur dann installiert, wenn sie einen Mehrwert versprechen. Der Großteil der Konsumenten verzichtet auf Experimente mit neuen Downloads – der Hype ist verflogen.

Hardware-Vertrieb: Service ist Trumpf

In Deutschland kommt es bei mobilen Endgeräten früh zu Replacements, 58 Prozent der genutzten Smartphones sind maximal 18 Monate alt. Online-Shops sind beim Smartphone-Kauf die erste Wahl: 42 Prozent der Mobiltelefone werden im Internet gekauft, rund jedes Dritte im Geschäft. Im Internet müssen sich die Netzbetreiber reinen Online-Händlern geschlagen geben, im stationären Handel den großen Elektronikmärkten. Chancen für Mobilfunkanbieter liegen jedoch in Beratungsqualität und im technischen Support vor Ort.

LTE erfährt Boom

Nach bisher nur mäßigem Erfolg kommt LTE mit neuen Tarifangeboten bei den Konsumenten in Fahrt: 22 Prozent der deutschen Mobilfunkkunden nutzen die Breitbandverbindungen – 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dennoch bleibt WiFi die häufigste Datenverbindung unter Smartphone- und Tablet-Nutzern und baut seinen Vorsprung sogar aus. Dazu tragen datenintensive Audio- und Videostreams erheblich bei. An Multiplay-Diensten zeigen Verbraucher dagegen nur ein begrenztes Interesse.

Internet of Things kommt aus der Nische

Das Trendthema Internet of Things ist in der Mehrzahl der deutschen Haushalte bislang nicht angekommen, einzelne Technologien finden dennoch Anklang. Gerade Produktkategorien wie Smart-Home-Geräte oder Connected Cars fristen nach wie vor ein Nischendasein. Die geäußerte Kaufabsicht zeigt jedoch ein steigendes Interesse. Das Hindernis für IoT-Anbieter sind die Datenschutzbedenken der Konsumenten: 42 Prozent der Deutschen lehnen eine Datenweitergabe grundsätzlich ab, 34 Prozent würden sie nur mit bestimmten Anbietern teilen. Transparenz und ein hohes Datenschutzniveau könnten der Schlüssel zum Massenmarkt werden.

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»Konsumenten akzeptieren lange nicht mehr alle Angebote bedenkenlos und informieren sich verstärkt über Mehrwerte und Alternativen. Marktteilnehmer müssen die Kundenanforderungen kontinuierlich beobachten und ihr Angebot anpassen. Nur so können sie Konsumentenwünschen nachkommen und neues Interesse an vielversprechenden Trends stimulieren. Ihre Chance liegt in der Vermittlung klarer Mehrwerte für die Konsumenten«, kommentiert Dr. Andreas Gentner.

[1] Für den Global Mobile Consumer Survey befragte Deloitte weltweit 49.500 Konsumenten, darunter 2.000 in Deutschland. Den kompletten Report finden Sie hier zum Download:

https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/de/Documents/technology-media-telecommunications/DELO_Mobile%20Consumer%20Studie%202015_ks6.pdf

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