Menschliche Gier behindert positive Entwicklung der Zivilisation

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Die Gier im Gehirn ist entscheidend mitschuldig an den Kriegen und Krisen der letzten Jahre, die zunehmend die Welt ins Chaos stürzen. Der Zukunftskreis »Gesundheit und Alter« kam auf der Sitzung am 12.10.2015 zu dem Ergebnis, dass Mechanismen in der Gesellschaft entwickelt werden müssen, die den Menschen in die Lage versetzen, zu Gunsten der Gesellschaft seine Gier zu kontrollieren. Nur so kann ein neuer Grad an Zivilisation erreicht werden und das ist die erste Voraussetzung, wenn wir an eine friedliche Welt denken wollen.

Gier hat deswegen so umfassende Auswirkungen, da sie alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt, von der Kunst, über den klassischen Unternehmer bis hin zum gierigen Spieler-Berater.

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Der Leiter des Zukunftskreises, Prof. Dr. Christian E. Elger, Direktor der Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn, hebt hervor, dass es gewisse Veranlagungen im Menschen gibt, die die Gier steigern können. Dies führt dazu, dass Menschen mit ausgeprägtem »Gier-Gen« häufig in Führungsebenen unserer Gesellschaft sitzen, da sie hier die Gier nach Geld, Macht und Anerkennung bestmöglich befriedigen können – und dabei auch mal zu illegalen Mitteln greifen. Das Belohnungssystem des Menschen vermittelt dafür entsprechende Anreize.

Auf der Sitzung, die in der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main stattfand, diskutierte Elger zusammen mit Dr. Manfred Osten, ehemaliger Leiter der Humboldtstiftung in Bonn und hervorragender Goethe-Kenner und Axel Hellmann, Vorstandsmitglied der Eintracht Frankfurt, sowie anderen Vertretern aus der Wirtschaft und Wissenschaft, welche Rolle das »Gier-Gen« in unserer Gesellschaft spielt. Dabei zeigte sich: Auch wenn Gier historisch gesehen nicht unbedingt eine negative Bedeutung in sich birgt, ist sie in der heutigen Zeit jedoch negativ konnotiert. Das liegt vor allem auch daran, dass das Rechtssystem nicht ausreicht, die Gier des Menschen in einem sinnvollen Maß zu kanalisieren und zu sanktionieren. Nur so lassen sich soziale Phänomene wie die Finanzkrise oder der FIFA-Skandal erklären.

Zum »Gier-Gen«, dem der Begriff der Ethik entgegengesetzt wird, hat der Frankfurter Zukunftsrat folgende Thesen formuliert:

  1. Gier hat die Entwicklung und das Überleben der Menschheit maßgeblich mitgestaltet. Dennoch wird Gier negativ wahrgenommen.
  2. Maßlose Gier schadet dem Einzelnen und der Gesellschaft.
  3. Das Belohnungssystem fördert die Gier und setzt die Fähigkeit zur Selbstkritik ab.
  4. Geld, Macht und Aufmerksamkeit aktivieren das Belohnungssystem besonders gut.
  5. Die von der Gesellschaft entwickelten Rechtssysteme reichen nicht aus, negatives gieriges Verhalten zu kanalisieren und zu sanktionieren.
  6. Die Eigenkontrolle muss in Form einer Ethik erfolgen, die dem Menschen immanent ist.
  7. Ethik und Gier stehen damit in einem Spannungsverhältnis zueinander.
  8. Die Entwicklung ethischer Mechanismen als globaler Teil einer Gesellschaft scheitert oft an externen Anforderungen aus der Gesellschaft (beispielsweise Finanzkrise).
  9. Die Ethik kann nur erreicht werden durch die Persönlichkeitsentwicklung im Elternhaus und in Bildungseinrichtungen wie Kindergarten und Schule sowie Sporteinrichtungen, aber auch durch soziale Medien.
Frankfurter Zukunftsrat e.V.
Der Frankfurter Zukunftsrat e.V. ist eine gemeinnützige und innovative Denkfabrik, die sich für eine zukunftsfähige Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland und Europa einsetzt. Der Verein stellt zukunftsorientierte Fragen und formuliert mit seinen Mitgliedern Antworten auf die langfristigen Herausforderungen unserer Zeit. Seine Vision ist ein zukunftsorientiertes und dynamisches Deutschland und Europa, das gut gerüstet in die Zukunft blicken soll.
»My Europe« Initiative
»My Europe« ist eine europaweite Bildungsinitiative des Frankfurter Zukunftsrats für Schüler und Studenten in 30 europäischen Ländern. In zweitägigen Workshops haben die 15- bis 25-Jährigen die Möglichkeit, mit Politikern, Unternehmern und Wissenschaftlern über die wirtschaftliche sowie politische Zukunft Europas zu diskutieren. In Zusammenarbeit mit Medienvertretern erlernen sie journalistische Fertigkeiten und verleihen anschließend in englischer Sprache in einem internationalen Schreibwettbewerb ihren europäischen Zukunftsvisionen Ausdruck. Die Einzigartigkeit des Projekts liegt darin, dass fünf Gruppen (Schüler/Studenten, Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer und Journalisten) interdisziplinär zusammenarbeiten und ein länder- und generationenübergreifender Gedankenaustausch zu Europas Zukunft stattfindet.

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