Mittelstand: Überwiegend negative Erfahrungen mit der Cloud

Ergebnisse der aktuellen techconsult Studie zum Thema »Scheitert die Cloud im Mittelstand an der Unterstützung der Dienstleister« zeigen, dass bis heute erhebliche Hemmnisse in Bezug auf die Einführung und konkrete Nutzung von Cloud Services in kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland vorhanden sind. 78 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, eher negative Erfahrungen mit der Cloud-Thematik gemacht zu haben. Gründe dafür liegen zum einen an der Etablierung der Cloud-Technologie als strategische Komponente in der IT. Demzufolge sehen sich viele kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend unter Druck gesetzt, die Vorteile der Cloud-Technologie auch für sich nutzen zu müssen, ohne sich Ihres konkreten Bedarfs bewusst zu sein.

Laut Max Schulze, Analyst vom durchführenden Marktforschungsinstitut techconsult, sei der Einsatz von Cloud-Lösungen zumeist mit messbaren monetären Vorteilen verknüpft, die so nicht zwangsläufig eintreten müssten. Die Gewinnung von Flexibilität, Fokussierung von Know-how-Trägern auf ihr Kerngeschäft sowie die Abbildung von transparenten und kontinuierlichen Zahlungsflüssen seien oft nicht so trennscharf dem Unternehmenserfolg zuzurechnen wie die Kostenreduzierung von Hardware- und Infrastrukturkomponenten durch den Einsatz von Cloud Services, wären aber dennoch, gerade in kleineren Unternehmen, ebenbürtig zu den direkt messbaren Faktoren. Dies führe schnell zur Ernüchterung nach dem Einsatz von Cloud Services. Zum anderen würden diese anfänglich gemachten negativen Erfahrungen mit dem konstanten Strom an Datenschutzskandalen wie dem NSA-Spionageprogramm »PRISM« weiter gefördert.

Subjektive Gefährdungseinschätzung

»Zwar konnten wir im Rahmen unserer Langzeitstudie IT Cloud Index bereits letztes Jahr belegen, dass der überwiegende Teil der befragten Unternehmen die Cloud-Technologie nicht grundsätzlich im direkten Zusammenhang mit Spionageprogrammen sieht, allerdings wirkt sich die anhaltende Security-Thematik nicht förderlich auf die Sichtweise vieler Cloud-Erstanwender auf das Thema Cloud Computing aus. Bei Unternehmen, die bereits seit Jahren routiniert Cloud Services nutzen, wirkt das Sicherheitsargument jedoch völlig gegenteilig. Diese haben erkannt, dass langjährig aktive Cloud-Service-Anbieter wesentlich höhere Garanten für IT-Schutz sind und mehr Erfahrung und Möglichkeiten bieten, als die eigenen IT-Mitarbeiter« so Schulze abschließend.

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Abbildung 1: Stimmungsbarometer Cloud Computing

Jeder dritte Anwender erhält keine Cloud Beratung

Die mangelnde Cloud-Computing-Awareness und das Personalmangel-bedingte Fehlen von expliziten Cloud-Computing-Know-how-Trägern war viele Jahre der größte Hemmfaktor für die Verbreitung von Cloud Services im deutschen Mittelstand. Bei der Ergründung, warum nur 22 Prozent der befragten Unternehmen bisher positive Erfahrungen mit dem Thema Cloud Computing verbuchen, konnte festgestellt werden, dass dies zu einem nicht geringen Teil auch die IT-Dienstleister selbst zu verschulden haben. Von den an dieser Studie teilgenommenen Unternehmen bekamen nur magere 8 Prozent von ihren IT-Dienstleistern konkrete Schritte aufgezeigt, wie Cloud Services zu einer nachhaltigen Optimierung ihrer Geschäftsprozesse beitragen. Weiteren 19 Prozent wurden immerhin die Vorteile, die durch den Einsatz von Cloud Services entstehen, anhand ihrer individuellen Unternehmenssituation dargestellt. In Anbetracht der gestiegenen Sensibilität gegenüber Cloud-Angeboten – gerade im KMU-Markt – sind das ernüchternde Ergebnisse. Verschärft werden diese noch mit der Angabe, dass über 70 Prozent der Anwenderunternehmen von ihren IT-Dienstleistern keine zufriedenstellende Cloud-Beratungsleistung geboten wurden. Davon wurden 28 Prozent überhaupt nicht über das Thema Cloud Computing informiert.

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Abbildung 2: Informationsgrad Cloud Services

 

Die Ergebnisse des abgebildeten Cloud-Computing-Know-hows bei den IT-Dienstleistern mit Fokus auf den kleinen und mittelständischen Bereich verwundern daher nicht. So besitzt laut Umfrageergebnis nur jeder fünfte IT-Dienstleister ein umfangreiches Cloud-Portfolio für den Mittelstand, welches elementar wichtig ist, um auch auf die zukünftigen Bedarfe der Anwenderunternehmen eingehen zu können. Ebenso fehlen den mittelständischen Unternehmen unabhängige Beratungsleistungen wie die Erstellung von Gesamtbetriebskosten-Analysen bezüglich einzuführender Cloud-Projekte, die ihnen helfen, den geplanten Einsatz von Cloud Services in ein realistisches Kosten-Nutzen-Verhältnis zu stellen. Diese konkreten Bedarfe scheinen nach dem Studienergebnis offensichtlich nicht ausreichend von den IT-Dienstleistern abgedeckt zu werden.

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Abbildung 3: Cloud-Know-how der IT-Dienstleister

 

Kleine und mittlere Unternehmen möchten im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten allerdings auch von den aktuellsten Technologien profitieren, um sich von ihren Konkurrenten zu differenzieren und nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu generieren. Bedingt durch die geringe Vorweisung von IT-Know-how-Trägern und die zumeist knappen finanziellen Mittel, können sich jedoch gerade Mittelständler nur sehr oberflächlich mit den Vor- und Nachteilen neuer IT-Technologien auseinandersetzen. Daher hat sich am Appell, den wir bereits vor einem Jahr in der IT-Cloud-Index-Mittelstand-Studie veröffentlichten, wenig verändert: Nach wie vor sucht der deutsche Mittelstand einen verlässliche IT-Partner, der ihn nachhaltig in neuen IT-Themen berät und innovative Competence Center vorweisen kann, um die dargestellten Bedarfe mittelstandsgerecht abdecken zu können. Die Darstellung greifbarer Szenarien für Cloud Services, welche die Geschäftsprozesse der Anwenderunternehmen optimieren und auch messbar machen, sind nötige Schritte, um auf den Ruf nach Cloud Beratung kompetent einzugehen.

Max Schulze

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Max Schulze, Analyst, techconsult GmbH