Netzbetreiber sollten Internet-Breitband-WANs ernst nehmen

Das Zeitalter der Internet-Weitverkehrsnetze (Wide Area Networks) hat begonnen. Der Grund ist, dass heute qualitativ hochwertige, schnelle und hoch verfügbare Breitband-Verbindungen bereitstehen. Sie ermöglichen es Mitarbeitern von Unternehmen, über das Internet Geschäftsanwendungen zu nutzen. Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen bedeutet dies, dass sie nun eine Alternative zu kostspieligen und weniger flexiblen MPLS-Netzen (Multi-Protocol Label Switching) haben.

Traditionelle Netzbetreiber zögerlich

Allerdings zeigen sich traditionelle Netzbetreiber zögerlich, was das neue WAN-Modell betrifft, und das trotz der Vorteile, die Breitband-Weitverkehrsnetze bieten: niedrigere Kosten, eine höhere Transparenz und eine bessere Performance. Der Grund ist, dass Netzbetreiber seit jeher relativ spät neue Ansätze aufgegriffen haben, die sie als – vermeintliche – Bedrohung für ihr Geschäftsmodell einstufen. Das war beispielsweise bei WAN-Optimierungstechnologien der Fall. Heute dagegen zählen gemanagte WAN-Optimization-Services zum Produktportfolio vieler Service Provider.

autor zitatgeber Mike Hemes Silver Peak»Bei Internet-WANs liegt die Sache anders. In diesem Fall müssen sich Netzbetreiber schnell mit dieser neuen Technologie arrangieren, wenn sie von der Evolution der Enterprise-WANs profitieren möchten«, sagt Mike Hemes, Vice President EMEA Sales bei Silver Peak, einem Anbieter von Lösungen für den Aufbau von Breitband- und Hybrid Wide Area Networks (WANs). »Sonst droht die Gefahr, dass sie von Mitbewerbern übertrumpft werden.«

MPLS-Netze genügen nicht mehr den Anforderungen

Seit etwa zehn Jahren setzen viele Netzbetreiber bei Weitverkehrsnetzen für Unternehmenskunden auf MPLS. Diese zuverlässige, skalierbare und leistungsfähige Technik ermöglicht es, Rechenzentren und Außenstellen in ein Enterprise-WAN einzubinden. Aber MPLS-Netze waren und sind auch heute noch eine kostspielige Lösung. Deshalb suchen Unternehmen nach einer Alternative. Preisgünstige Internet-Verbindungen waren dies bislang nicht. Denn ihnen mangelte es an Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit.

Neben den Kosten gibt es einen weiteren Grund, weshalb MPLS in Bedrängnis geraten ist: Immer mehr Anwendungen werden »nach Bedarf« über das Internet und Cloud-Rechenzentren bereitgestellt. Unternehmen – und ihre Netzwerke – können dadurch agiler und flexibler agieren. Diese Faktoren sind in einer Welt unverzichtbar, die durch Globalisierung und den digitalen Wandel geprägt ist. Gleichzeitig wollen Unternehmen die Netzwerkkosten reduzieren und die Performance von Anwendungen steigern.

Der Aufstieg der Internet-WANs

Nun steht Anwendern eine Option zur Verfügung, um exakt diese Ziele zu erreichen: das Software-Defined WAN (SD-WAN). Es nutzt Internet-Verbindungen, um Nutzern auf flexible und kosteneffiziente Weise den Zugang zu Anwendungen zu ermöglichen. Diese werden beispielsweise von einem Cloud Service Provider bereitgestellt oder vom unternehmenseigenen Rechenzentrum, Stichwort Private Cloud. Ein solches SD-WAN ist ein virtuelles Overlay-Netzwerk. Es ersetzt eine herkömmliche MPLS-Infrastruktur durch sichere Breitband-Internet-Connections.

Ein entscheidender Punkt für Netzbetreiber ist, dass solche Internet-basierten WANs unterschiedliche Pfade verwenden, über die Nutzer auf Anwendungen und Daten zugreifen können. Stehen mehrere solcher Übertragungswege zur Verfügung, können Unternehmen Echtzeit-Daten wie Sprache oder Videos stets über die optimale Verbindung übertragen. Sie weist die niedrigsten Verzögerungszeiten (Latency) und Paketverlustraten (Packet Loss Rates) auf. Sollten in einem Netzwerk Probleme auftreten, etwa wegen einer Überlast-Situation, lassen sich die Daten über eine andere Verbindung zum Ziel transportieren.

Exakt das eröffnet jedoch anderen Anbietern die Möglichkeit, selbst als »Netzbetreiber« aktiv zu werden. Dazu zählen Kabelnetzfirmen, Internet Service Provider, Systemintegratoren oder sogar Value-Added-Reseller (VAR). Sie können sich zusammentun und in Eigenregie gemanagte Internet-WAN-Services anbieten.

Für traditionelle Netzbetreiber hat dies laut Mike Hemes möglicherweise gravierende Folgen: »Das neue WAN-Modell wird zweifellos bei Unternehmen und Organisationen auf große Resonanz stoßen. Denn ein SD-WAN weist im Vergleich zu MPLS-Infrastrukturen deutliche Vorteile auf. Es liegt nun an den Netzwerkbetreibern, diese Chance zu nutzen. Wenn sie das nicht tun, laufen sie Gefahr, Mitbewerbern aus anderen Marktbereichen das Feld zu überlassen.«