Online oder offline: Wo ist die Gefahr von Spielsucht größer?

Illustration: Absmeier

Egal, ob online oder offline – Glücksspiel ist und bleibt ein Spiel, das ausschließlich auf Fortuna beruht und sich von Games unterscheidet, für die Geschick erforderlich ist. Spieler, die an reinem Glücksspiel teilnehmen, haben keinerlei Einfluss auf das Ergebnis – hier entscheidet einzig und allein das Glück. Als Beispiel können hier Spielautomaten, Lotto und Rubbellose, aber auch Roulette genannt werden. Wer beim Roulette online Echtgeld riskiert, ist also auf Beistand von höherer Stelle angewiesen.

 

Reines Glücksspiel vs. Geschicklichkeitsspiel

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Durch richtiges Verhalten beziehungsweise Vorgehen ist es bei Glücksspielen mit Geschicklichkeitsfaktor möglich, das Ergebnis zu beeinflussen. Allerdings kann dieser Einfluss je nach Spiel unterschiedlich groß sein. Einige Games ermöglichen durch »richtige« Spielweise die Minimierung von Verlusten, während bei anderen eine positive Gewinnerwartung erreicht wird. Als Beispiel können hier neben Sportwetten auch Casinospiele wie Poker und Blackjack genannt werden.

Nicht immer wurde in der Geschichte des Glücksspiels zwischen diesen beiden Varianten unterschieden. So gab es Epochen, in denen selbst typische Geschicklichkeitsspiele fälschlicherweise als Glücksspiel bezeichnet wurden.

 

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Glücksspiel kann süchtig machen

Im Gehirn wird bei Gewinnen das Belohnungssystem aktiviert. Dabei ist es egal, ob man online im Casino spielt oder ganz traditionell eine Spielothek aufsucht. Denn das Prinzip der sogenannten »intermittierenden Verstärkung« – was bedeutet, dass es jederzeit zu einem Gewinn kommen kann, doch der Spieler nicht weiß, wann – ist die Ausschüttung von Endorphinen (die sogenannten Glückshormone), und dabei spielt die Örtlichkeit keine Rolle.

Sehr schnell kann durch dieses Prinzip eine Spielsucht entstehen. In so einem Fall ist es dem Betroffenen nicht mehr möglich, sein Spielverhalten zu kontrollieren und nicht selten wird das gesamte Vermögen verspielt. Eben aufgrund dieser Gefahr gilt beim Glücksspiel das Spieler- und Jugendschutzgesetz, das vorschreibt, dass die Teilnahme erst ab 18 Jahren erlaubt ist.

Die Betreiber von Online und Offline Casinos haben dafür Sorge zu tragen, dass Minderjährige keinen Zugang zum Spiel haben. Daher wird in seriösen Online Spielhallen eine Verifizierung des Spielerkontos vorgenommen. Im Laufe dieser Verifizierung muss der Kunde eine Kopie seines Ausweises an den Kundensupport senden. Sollte ein Anbieter diese Bestimmungen missachten, droht ihm der Entzug seiner hart erkämpften Lizenz.

Darüber hinaus müssen die Anbieter den Hinweis »Glücksspiel kann süchtig machen« auf ihrer Homepage sichtbar platzieren. Weitere Maßnahmen schreibt die Regulierungsbehörde von Schleswig-Holstein in Bezug auf den Schutz gegen Spielsucht vor.

 

Ist die Selbstsperre ein wirksames Mittel gegen Spielsucht?

Mit mal mehr, mal weniger deutlich sichtbaren Hinweisen warnen die Online Casinoanbieter ihre Kunden vor den Gefahren der Glücksspielsucht. Um sie zu unterstützen, bieten sie mehrere Möglichkeiten des Selbstschutzes an, wie etwa das Setzen von Limits für Einzahlungen oder Verluste und die Selbstsperre. Diese kann sich über mehrere Tage, Wochen und Monate ziehen oder sogar dauerhaft bestehen bleiben. Häufig geschieht dies im Rahmen eine Therapie, um im Falle des Rückfalls Schadensbegrenzung zu betreiben.

Allerdings sind Glücksspiele online für jedermann zugänglich und so nimmt die Wirksamkeit der Selbstsperre stark ab. War in früheren Zeiten das Angebot an lokalen Casinos und Spielotheken noch begrenzt, so ist Zocken um echtes Geld im Internet auf zahlreichen Portalen möglich und es kommen ständig neue Anbieter hinzu. Wer also spielen will, der findet einen Anbieter, bei dem noch keine Selbstsperre eingerichtet wurde. Daher stellt die permanente Verfügbarkeit von Glücksspielen im Internet ein ernstzunehmendes Problem im Kampf gegen die Spielsucht dar.

In den lokalen Spielhallen zeigt sich ein ähnliches Bild. So hat das OLG Hamm im Jahr 2018 bei einer Klage des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V. gegen den Merkur-Betreiber Gauselmann entschieden, dass Spielsüchtige und Problemspieler des Bundeslandes NRW kein Anrecht auf ein freiwilliges Hausverbot haben.

 

Fazit

Die Gefahr, eine Spielsucht zu entwickeln, ist online wie offline gleichermaßen gegeben, denn der Trigger dafür sind die Gewinne – und die gibt es sowohl im Internet als auch am traditionellen Spielautomaten.

 

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