Public Cloud für Infrastructure as a Service zieht Anbieter an

Infrastructure as a Service zählt – neben Software as a Service – zu den originären und wichtigsten Cloud-Computing-Servicesegmenten. Dies gilt hinsichtlich des Innovationspotenzials für die Anwender – Rechen- und Speicherkapazitäten können nutzungsabhängig bezogen und eingekauft werden – sowie hinsichtlich des langfristigen Marktpotenzials. So löst IaaS langsam aber stetig das klassische Hosting ab. Dies gilt speziell für die neue Generation an web-basierten und mobilen Applikationen. Da sich dieser Transformationsprozess in Schritten vollzieht und die Anwender nicht auf einen Schlag ihr komplettes Anwendungsportfolio inklusive der Enterprise-Workloads in die Cloud verlagern, wird das Marktvolumen in diesem Jahr mit rund 342 Millionen Euro noch verhältnismäßig klein ausfallen. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von über 40 Prozent wird aber schon 2017 fast ein Milliardenmarkt auch in Deutschland entstanden sein (959 Millionen Euro nach Prognose der Experton Group).

Im »reinrassigen« Public-Cloud-Modell werden Rechen- und Speicherkapazität dem Kunden als »Self Service« zur Verfügung gestellt. Hier greifen Unternehmen über das Internet ohne Zugangsbeschränkung auf entsprechende Cloud-Infrastrukturen und -Services zu. Es erfolgt in der Regel nur eine Registrierung auf einem öffentlichen Webportal, unter Angabe entsprechender Kontakt- und Zahlungsinformationen. Daraufhin können Anwender die Konfiguration der gewünschten Ressourcen und Services eigenständig vornehmen. Diese Charakteristika determinieren auch die Attraktivität für eine spezielle Kundenklientel, die sich hauptsächlich aus jungen Software- und Internetfirmen sowie einzelnen Entwicklern zusammensetzt, die in kurzer Zeit eine Vielzahl an Konfigurationen aufsetzen, testen und erweitern müssen. Demgegenüber setzt die Mehrheit der mittelständischen Firmen und Konzerne noch auf die gemanagten »Enterprise Public Cloud Services«.

Markttrends

Nur in wenigen anderen IT-Marktsegmenten liegen die Innovationsgeschwindigkeit und der Wettbewerbsdruck derzeit ähnlich hoch wie bei Public IaaS. Die Experton Group beobachtet in der aktuellen Erhebungswelle folgende Trends:

  • Neue Dienste und Anbieter:

Der Markt für Public Cloud IaaS wird laufend um neue Angebote ergänzt. Bemerkenswert ist der Einstieg von Anbietern, die bisher auf Managed- beziehungsweise Private-Cloud-Angebote spezialisiert waren – wie BT, Colt und T-Systems – und so ihr Angebot in Richtung Public Cloud ergänzen.

  • Konsolidierung, Übernahmen:

Es sind aber nicht nur Markteintritte festzustellen, sondern der Markt zeigt darüber hinaus auch erste Anzeichen einer Konsolidierung. So übernahm Host Europe die ebenfalls im Public-Cloud-Markt aktive Telefónica Online Services (Im Enterprise-Public-Cloud-Markt übernahm Cancom Pironet NDH, um den zeitnahen Markteintritt zu realisieren).

Im Cloud Vendor Benchmark 2014, der in diesem Jahr veröffentlicht wurde, hat Experton Group auch das Thema Public Cloud Services für IaaS analysiert.

Bewertung einzelner Anbieter

Amazon Web Services (AWS) zählt als Pionier hinsichtlich Public Cloud IaaS weiterhin zu den führenden Anbietern in diesem Markt. Allerdings hat die Zahl der Anbieter in diesem Segment in den letzten zwölf Monaten spürbar zugenommen. Und bei diesen Providern handelt es sich in erster Linie nicht um Startups, sondern vor allem um die großen Player, die bisher den Managed- und Private-Cloud-Markt anführten und nun ihr Portfolio auch in Richtung Public-Cloud-IaaS erweitern: Schwergewichte wie T-Systems, BT und Colt, deren Kernkompetenz das Geschäft mit Business-Kunden ist, gesellen sich zu den bereits präsenten Microsoft, IBM, HP etc.

Amazon hat allerdings inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt, dass Cloud-Services in professioneller Nutzung der Integration in die ICT-Landschaft bedürfen. Daher hat Amazon mit dem mittelständischen IT-Dienstleister Beck et al. eine strategische Partnerschaft geschlossen.

Die Partner wollen ihre Angebote so kombinieren, dass sie sich beim Kunden zu skalierbaren und businesstauglichen Cloud-Lösungen für flexible IT-Organisationen kombinieren lassen. Beck et al soll dabei die beim Kunden vorhandenen IT-Services mit den externen Diensten von AWS so orchestrieren, dass sich die Services insgesamt schneller und in besserer Qualität bereitstellen lassen.

Das umfassende Public-IaaS-Angebot von Amazon ist ansonsten lückenlos und bedient alle Anforderungen von Rechenkapazität, über Speicher, Datenbanken, Network bis zu Content Delivery Servies. Darüber hinaus kann der Kunde umfangreiche Dienstleistungen in Anspruch nehmen, bis auf Security-, Update- & Patch-Management. Ein bedeutendes Manko, speziell für die Ansprache des Mittelstandes, ist allerdings das (derzeit noch) fehlende Rechenzentrum in Deutschland.
artikel experton cloud anbieter

Abbildung: Positionierung der Anbieter von IaaS Public Cloud Services.

Quelle: Experton Group AG, 2014.

 

Als führender Anbieter im Public-Cloud-IaaS-Markt kann sich Microsoft mit seiner Azure-Plattform zunehmend profilieren. Die IaaS-Services sind übersichtlich strukturiert, und das Azure-Portal bietet eine große Transparenz sowie ein gutes Handling für Planungs- und Bestellprozesse.

Eine wichtige Rolle in der weiteren Wachstumsstrategie kommt Microsofts Partnern zu. Hier wird es darauf ankommen, diese angemessen abzuholen und in die Cloud mitzunehmen, indem Bedenken ausgeräumt werden.

Das umfassende Public-IaaS-Angebot von Microsoft ist lückenlos und bedient alle Anforderungen von Rechenkapazität, über Speicher, Datenbanken, Network bis zu Content Delivery Services. Darüber hinaus kann der Kunde umfangreiche Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Mit seiner Iaas-Lösung »Compute Engine« ist auch Goolge als Leader im Markt für Public-Cloud-IaaS als führender Anbieter positioniert. Als Infrastruktur für den Service dienen die Google-eigenen Hochleistungsrechenzentren und Glasfaserleitungen. Dadurch sind der Skalierbarkeit der Services praktische keine Grenzen setzt.

Negativ fällt bei Google immer noch die mangelnde Nähe zu den deutschen Unternehmensanwendern ins Gewicht. Hier muss Google deutlich u.a. mehr in den Aufbau von Vertrauen investierten, um sich die lukrativen Enterprise-Deals zu sichern. Auch reicht die Bekanntheit der Lösung noch lange nicht an AWS und Microsoft Azure heran. Für Google bleibt trotz eines erstklassigen Service vieles zu tun, um den Markt zu überzeugen. So fehlt es auch noch an Leistungen, die bei vielen Wettbewerbern auch im Public-Cloud-Markt bereits selbstverständlich sind, wie beispielsweise kostenfreiem Standard-Support via Internet beziehungsweise E-Mail.

Mit Canopy kann sich erstmals auch Atos im Public-Cloud-Markt positionieren. Canopy (Atos) erreicht dabei auf Anhieb den Leader-Quadranten. Mit einem sehr umfangreichen Portfolio setzt Canopy (Atos) einen starken Footprint, in Verbindung mit zahlreichen Zusatzservices. Für den deutschen Markt gilt es nunmehr, die 2012 gegründete Marke Canopy nachhaltig bekannt zu machen.

Durch den kontinuierlichen Ausbau seiner Public-Cloud-IaaS-Angebote und flankierender Enabling-Maßnahmen für Kunden und Partner, zählt Fujitsu auch aktuell wieder zu den führenden IaaS-Providern für Unternehmenskunden. Die globale Delivery-Infrastruktur mit Rechenzentren in nahezu allen Regionen der Welt erleichtert deutschen Großkunden den Weg in die »Fujitsu-Cloud«. Fujitsu bietet dabei ein vielfältiges Angebot aus u.a. Rechenleistung, Speicher und Datenbanken, in Verbindung mit umfangreichen Zusatzfeatures.

IBM hat mit seiner »IBM SmartCloud Enterprise« ebenfalls eine attraktive und ausgereifte IaaS-Plattform im Angebot. Diese richtet sich weiterhin primär an Großkunden und professionelle Software-Entwickler (ISVs) und wartet daher mit besonders leistungsfähigen Sicherheitsfunktionen auf. Während Experton Group im vergangenen Jahr noch den geringeren Umfang von IBMs Portfolio im Public-Cloud-Markt im Vergleich zu den anderen führenden Anbieter kritisieren musste, ist inzwischen ein deutlich umfangreicheres Angebot festzustellen. Der Umfang der Leistungen steht nur in wenigen Bereichen (beispielsweise Archiv-Speicher und Content Delivery Services) hinter den ausgesprochen umfangreichen Offerings von IBM im Managed- beziehungsweise Public-Cloud-Segment zurück.

Hewlett-Packard hat sich im deutschen Public-IaaS-Markt etabliert. HP Public Cloud ist eine transparente Public-Cloud-Lösung, die auf der OpenStack-Technology basiert. Die Lösung bietet ein recht umfangreiches Angebot aus u.a. Rechenleistung, (Archiv-) Speicher, relationalen Datenbanken und Content Delivery Service, flankiert von vielfältigen Zusatzfeatures.

CSC hat sein Cloud-Engagement in den vergangenen zwölf Monaten weiter ausgebaut, so wurden zwei weitere globale Cloud-Rechenzentren aufgebaut (nun insgesamt 15 auf drei Kontinenten, darunter auch eines in Deutschland). CSC nutzt die VCE-Vblock-Plattform als Standardinfrastruktur für alle CSC Clouds und reichert den Vblock mit eigenen Services und Kompetenzen an. Auch das Portfolio bedient nunmehr recht umfassend die Kundenbedürfnisse hinsichtlich beispielsweise Rechenleistung, Storage-Kapazitäten und Datenbanken.

Host Europe ist auch weiterhin der einzige (ehemalige) Webhoster, der es in den Leader-Quadranten geschafft hat. Mit der Übernahme von Telefónica Online Services konnte das Unternehmen seine Position im Cloud-Markt darüber hinaus deutlich ausbauen. Das Offering bietet Lösungen für die wesentlichen Anforderungen zu Computing, Storage, Datenbanken und auch Content Delivery Services.

Dimension Data schaffte in diesem Jahr den Sprung vom Challenger- in den Leader-Quadranten. Nach der Akquise des US-IaaS Providers »OpSource« und durch den Zugriff auf die globale Netz- und Rechenzentrumsinfrastruktur des Mutterkonzerns NTT hat Dimension Data eine sehr attraktive und wettbewerbsfähige Value Proposition aufgebaut. Inzwischen gelang es dem Unternehmen, seine Aufstellung im Markt zunehmend zu kommunizieren.

Wie eingangs beschrieben, haben nun auch Cloud-Anbieter, die bisher nur im Markt für Managed- beziehungsweise Private-Cloud-Dienste aktiv gewesen sind, ihr Angebot auch in Richtung Public Cloud ergänzt. In den Leader-Quadranten schafften es dabei auf Anbieb drei Unternehmen mit Wurzeln im Telekommunikationsmarkt: BT, Colt und T-Systems.

Colt konnte sich erfolgreich im neu betretenen Public-Cloud-Markt positionieren. Als im Private- und Managed-Cloud-Segment etabliertes Unternehmen kann der Carrier nun auch ein fast so umfassendes Public-Portfolio offerieren.

BT zählt zu den Private- und Managed-Cloud-Experten, die inzwischen ebenfalls in den Private-Cloud-Markt eingestiegen sind. Auf Anhieb ist es dem globalen Telco-Provider gelungen, sich in diesem für ihn neuen Markt als führender Anbieter zu positionieren. BT geht dabei mit einem sehr umfassenden Angebot an den Start, das bis auf Managed Data Warehouse keine Wünsche offen lässt-

Auch T-Systems rundete in den vergangenen zwölf Monaten das IaaS-Cloud-Portfolio um Public-Cloud-Services ab. Das Angebot umfasst Rechenleistung und Speicherkapazitäten, in Verbindung mit umfangreichen Zusatzleistungen, welche die Kunden auch bereits aus dem Private- und Managed-Cloud-Angeboten kennt.

Frank Heuer

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autor frank heuer experton
Frank Heuer, Senior Advisor, Experton Group, www.experton-group.de

 

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