Studie: Jede dritte Versicherungs-IT ist nicht wettbewerbsfähig

illu vogel db freeFast jedes dritte Versicherungsunternehmen räumt ein, dass sowohl die eigene IT-Infrastruktur als auch die Applikationsentwicklung im Marktvergleich schlecht dastehen. Angesichts des hohen Selbstbewusstseins in der Branche ist diese Zahl brisant – immerhin beurteilt ein Großteil der Versicherer die eigene Wettbewerbsstärke als sehr positiv. Das sind Ergebnisse der Studie »Industrialisierung der Assekuranz in einer digitalen Welt« [1].

Nahezu zwei von drei Assekuranzen gaben bei der Studie an, in neun von zehn Wertschöpfungsprozessen mindestens so gut wie der Markt zu sein. Besonders selbstbewusst sind die Versicherer in puncto Schadenmanagement, Asset Management und Kundenservice: Hier sehen sich 60 Prozent der Unternehmen oder mehr im Vorteil gegenüber dem Wettbewerb.

Schwächen machen die Versicherer nahezu ausschließlich in der Informationstechnologie (IT) aus.

So halten 31 Prozent der Unternehmen ihre eigene IT-Infrastruktur im Marktvergleich für schlechter, und 28 Prozent der Befragten ihre Applikationsentwicklung. »Dies erstaunt vor dem Hintergrund des hohen Investitionsvolumens in die IT in den vergangenen Jahren«, sagt Michael Süß, Geschäftsführer der Adcubum Deutschland GmbH.

Es gibt mehrere Erklärungsansätze für dieses Phänomen. Zum einen ist das Entwicklungstempo in der IT deutlich höher als in anderen Prozessbereichen. Süß: »Wir empfehlen deshalb, die IT-Infrastruktur und -Entwicklung auszulagern. Dies ist eine Möglichkeit, um externes Expertenwissen, Zugang zu neuen Technologien und mehr Flexibilität zu erlangen.« Denn die Weiterentwicklung eigener Lösungen binde viele Ressourcen und sei nicht Kernkompetenz einer Versicherung.

Zum anderen haben sich die Bedürfnisse der Kunden und ihr Verhalten beim Übergang in die digitale Welt verändert. Süß: »Erstmals haben Kunden ihre Versicherer zumindest im Bereich der mobilen Kommunikation überholt. Der mögliche Verlust des Kundenzugangs sorgt für Unruhe. Branchenfremde Konkurrenten wittern hier eine Chance, sich in die Wertschöpfungskette der Versicherer zu drängen.«

Dritte mögliche Erklärung ist Süß zufolge der Kontrollverlust. Denn viele IT-Prozesse werden bereits heute von externen Dienstleistern betrieben. Die daraus entstehenden, vermeintlichen Abhängigkeiten vom Provider können die Assekuranzen hinsichtlich ihrer eigenen Leistungsfähigkeit verunsichern. »Um besser mit dieser Situation umgehen zu können, müssen stetig Informationen vom Provider an die Versicherungsgesellschaft fließen. Das kann das gegenseitige Vertrauen zwischen den Wertschöpfungspartnern erhöhen«, sagt der Adcubum-Geschäftsführer.

[1] Studie »Industrialisierung der Assekuranz in einer digitalen Welt« für die der Softwarehersteller Adcubum und das Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen mehr als 100 Versicherungsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt haben.Weitere Informationen unter: https://www.adcubum.de/