Tatsächliches Leistungsniveau von Telekommunikationsmärkten im internationalen Vergleich

Geschickte PR der Deutschen Telekom und deren Wettbewerber hat dazu beigetragen, aktuell in der Öffentlichkeit den Eindruck zu verbreiten, dass Deutschland bezüglich des Leistungsniveaus seines TK-Marktes und insbesondere seiner TK-Netze gegenüber den USA und (südost)asiatischen Ländern weit zurückliegt.

Prof. Dr. Torsten Gerpott, Inhaber des Lehrstuhls Unternehmens- und Technologieplanung, Schwerpunkt Telekommunikationswirtschaft, Mercator School of Management Duisburg, Universität Duisburg-Essen, hat in seiner Keynote auf der Breitbandmesse 2015 in Darmstadt die tatsächlichen Verhältnisse aufgezeigt und einige Fehlinterpretationen richtig gestellt.

Als zentrale Ursache für angebliche Leistungsunterschiede zwischen den nationalen TK-Märkten werden divergierende Ansätze bei der Regulierung des TK-Sektors genannt. Wissenschaftlicher Konsens ist, dass Vergleiche des Leistungsniveaus von nationalen TK-Märkten anhand mehrerer, möglichst objektiv messbarer und inhaltlich relevanter Indikatoren erfolgen sollte.

grafik prof. gerpott pro-kopf-investitionen in TK-Netze

Die Pro-Kopf-Investitionen in öffentliche TK-Netze in den USA liegen oberhalb des OECD-Durchschnitts, während Deutschland hier einen unterdurchschnittlichen Wert aufweist. In Deutschland ist die niedrige Investitionsquote nicht auf die Wettbewerber, sondern auf die Deutsche Telekom zurückzuführen.

Trotz hoher Pro-Kopf-Investitionen in TK-Sachanlagen und TK-Netze weisen die USA keinen Vorsprung gegenüber anderen Industrienationen bei den Nutzungs- und Penetrationsquoten von stationären und mobilen Breitbandanschlüssen auf.

grafik prof. gerpott anschlussquote stationäre breitbandanschlüsse

Trotz der niedrigen Investitionskennzahl hinkt Deutschland hinsichtlich der Anschlussquote für stationäre Breitbandanschlüsse den USA nicht hinterher.

grafik prof. gerpott empfangsgeschwindigkeiten stationäre breitbandanschlüsse

Die schwache Position der USA bei der Nutzung von Festnetz-Breitbandanschlüssen geht einher mit relativ hohen Preisen für diese Art von Netzanschlüssen.

grafik prof. gerpott preise stationäre breitbandanschlüsse

Es gibt fast keine wissenschaftlich tragfähigen Belege, welche die These stützen, dass der US-amerikanische TK-Regulierungsansatz zu besseren Vermarktungsergebnissen bei innovativen Netzen/Diensten führt als die TK-sektorspezifische Wettbewerbspolitik in der EU.

Deshalb besteht nicht die Notwendigkeit den Regulierungsansatz der USA auf die EU zu übertragen, um den Ausbau von (Anschluss-) Netzen der nächsten Generation wirtschaftspolitisch zu unterstützen.

Zu den wichtigsten Treibern von Investitionen in innovative TK-Netze gehören

(1) das Ausmaß der Wettbewerbsintensität/die Einfachheit des Zutritts neuer Konkurrenten,

(2) verlässlich vorhersehbare Regulierungsbedingen,

(3) die räumliche Kundenverteilung/-dichte und

(4) die generelle Lage einer Volkswirtschaft

Leistungsvorsprünge des koreanischen TK-Marktes sind primär eine Folge staatlich finanzierter Ausbauprogramme, die aufgrund anderer ordnungspolitischer Vorstellungen kaum auf Deutschland oder die meisten EU Staaten übertragbar sind.

grafik prof. gerpott anschlussquote diffusion mobile breitbandanschlüsse grafik prof. gerpott preise mobile breitbandanschlüsse