Tinnitus: Anwendungsbeobachtung zur akustischen CR Neuromodulation

Ein deutsch-englisches Wissenschaftlerteam hat deutliche Verbesserungen bei Tinnitus-Patienten beobachtet, die mit der akustischen CR Neuromodulation behandelt wurden. Die Forscher werteten im Rahmen einer Anwendungsbeobachtung die Angaben von 66 Patienten im Alter von 31 bis 76 Jahren aus, die in einer Londoner Tinnitus-Klinik für 26 Wochen mit der Methode behandelt und mehrfach befragt wurden. Die Hälfte der untersuchten Patienten wies eine schwere bis sehr schwere Tinnitus-Erkrankung auf. Knapp drei Viertel fühlten sich am Ende des Untersuchungszeitraums nicht mehr so stark in ihrem Alltagsleben eingeschränkt. Bei 39 der 66 Patienten wurde ein klinisch relevanter Rückgang der Tinnitus-Lautstärke und bei 48 der 66 Patienten ein klinisch relevanter Rückgang der Tinnitus-Belästigung beobachtet. Im Schnitt sank die von den Patienten geschätzte Lautstärke um rund ein Viertel, die Belästigung durch den Tinnitus um ein Drittel.

Die Wissenschaftler von der Tinnitus Clinic in London, dem Whipps Cross University Hospital in London sowie vom Forschungszentrum Jülich verwendeten für ihre Anwendungsbeobachtung den Fragebogen Tinnitus Handicap Questionnaire (THQ) und die Visuelle Analogskala (VAS). Die Mehrheit der Patienten hatte zuvor eine andere Tinnitus-Therapie angewendet, ohne dass sich ihr Zustand gebessert hätte. Eine Anwendungsbeobachtung wird üblicherweise ohne Kontrollgruppe durchgeführt. Dementsprechend werten die Wissenschaftler die Untersuchungsergebnisse nicht als strengen Wirksamkeitsnachweis. Gleichwohl liefert ihnen die Anwendungsbeobachtung wertvolle Hinweise, dass die Therapie unter normalen Bedingungen mit guten Ergebnissen anwendbar ist.

Tinnitus bezeichnet ein störendes Geräusch im Ohr. Rund drei Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter. Der permanente Ton kann die Lebensqualität deutlich einschränken. Der neuronale Auslöser für das Geräusch sind Fehlsteuerungen im Gehirn – genauer gesagt, überaktive und synchron agierende Nervenzellen. Die akustische CR Neuromodulation, eine von dem Jülicher Neurowissenschaftler-Team um Prof. Peter Tass entwickelte Methode, bringt diese Nervenzellen durch gezielte, akustische Reize aus dem Takt. Das Gehirn soll dadurch den störenden Ton mit der Zeit verlernen.

Originalveröffentlichung:
Mark Williams, Christian Hauptmann und Nitesh Patel: Acoustic CR neuromodulation therapy for subjective tonal tinnitus: a review of clinical outcomes in an independent audiology practice setting. Frontiers in Neurology, 17. März 2015, Vol. 6, Artikel 54, DOI: 10.3389/fneur.2015.00054.
https://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fneur.2015.00054/abstract
Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Bereich Neuromodulation (INM-7):
https://www.fz-juelich.de/inm/inm-7/DE/Home/home_node.html
Hilfe bei Tinnitus: Neurostimulator aus Jülich:
https://www.fz-juelich.de/portal/DE/Forschung/it-gehirn/Neurostimulator/_node.html

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