Top Skills für erfolgreiche Führungskräfte

Ob sich die Führungsqualität in Unternehmen durch mehr Gendergerechtigkeit verbessen lässt, bleibt offen. Aber – unabhängig vom Geschlecht – über welche Kompetenzen sollte eine gute Führungskraft eigentlich verfügen? Was sind die Top Skills? Die Umfrage »Deutschland führt?!« [1] zeigt: Die Fähigkeit, mit Mitarbeitern erfolgreich zu kommunizieren, hat für Mitarbeiter, Führungskräfte und HR oberste Priorität. Weiterhin wichtig in den Augen aller Befragten: Die Fähigkeit, die Belange der Mitarbeiter zu verstehen und die Fähigkeit, arbeitsbezogene, fachliche Beziehungen zu Mitarbeitern aufzubauen und zu pflegen. Hier sind sich alle Befragtengruppen also einig: Die Mitarbeiterorientierung steht hoch im Kurs. An vierter Stelle: die Fähigkeit, sich gut zu organisieren.

Kernaufgabe Zusammenarbeit: Schlechte Noten für deutsche Manager

Doch wie steht es um die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag, wo gibt es Defizite? Während fast 90 % der Führungskräfte angeben, dass die Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern wirkungsvoll ist, sehen das auf Mitarbeiterseite nur 43 % ähnlich optimistisch. Mitarbeiter, die aus weniger erfolgreichen Teams kommen, haben noch schlechtere Erfahrungen mit der Zusammenarbeit: Hier sagen nur 18 % der Mitarbeiter, dass sie mit ihrer Führungskraft wirkungsvoll zusammenarbeiten. Schlechte Zusammenarbeit – schlechte Performance. In Bereichen, in denen Zusammenarbeit nicht unbedingt notwendig ist, z. B. in der Kunst, braucht es keine Führung, um erfolgreich zu sein. Da, wo Zusammenarbeit wichtig ist, bildet sie gleichzeitig auch den Wesensgrund wirksamer Führung und legt die Basis für den Unternehmenserfolg.

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Vor dem Hintergrund der zunehmend volatiler, komplexer und unsicherer werdenden Arbeitswelt: Wirksame Führung, egal ob männlich oder weiblich geprägt, gewinnt an Bedeutung, Tendenz steigend. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie »Deutschland führt?!« [1]. Gleichzeitig kommt heraus, dass es in der Praxis alles andere als rund läuft: Deutsche Manager erhalten vor allem bei den klassischen Führungsthemen Kommunikation, Zielvorgaben und Motivation schlechte Noten. Weniger als die Hälfte der Mitarbeiter hat heute Spaß im Job. Und auch die Arbeit der Personalabteilungen wird schlecht bewertet – sogar von den Personalern selbst.

Gute Führungskräfte

Die Studie, die Information Factory zusammen mit seinen Partnern stellenanzeigen.de und Personalwirtschaft bundesweit durchführte, zeigt allen voran, dass das Thema Führung weiterhin brandaktuell und von großer Bedeutung ist. So sind 92 % der Mitarbeiter, Führungskräfte und Personalverantwortlichen der Meinung, dass gute Führungskräfte die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens deutlich verbessern können. Mit 93 % sagen rund genauso viele Umfrageteilnehmer, dass gute Führungskräfte die Arbeitgeberattraktivität steigern können – ein entscheidender Vorteil im »War for Talents«. Weiterhin gehen immer noch knapp mehr als drei Viertel (76 %) aller Befragten davon aus, dass Führung in Zukunft sogar eine noch wichtigere Rolle in Unternehmen spielen wird, als es bisher der Fall ist.

Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung

Trotz dessen schwächeln Vorgesetzte im Büroalltag in vielerlei Hinsicht. So sagen nur 43 % der Mitarbeiter, dass die Zusammenarbeit mit ihren Vorgesetzen wirkungsvoll ist, demgegenüber stehen satte 90 % der Führungskräfte, die von einer effektiven Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern sprechen. Defizite gibt es etwa in puncto direkte Kommunikation: Während nicht einmal die Hälfte der Mitarbeiter (42 %) angibt, dass ihre Führungskraft einen offenen und ehrlichen Dialog mit ihnen führt, gehen auch hier mit 93 % deutlich mehr Führungskräfte davon aus, offen und ehrlich gegenüber ihren Mitarbeitern zu sein. Weiterhin ist nur ein Drittel der befragten Angestellten der Meinung, klare Zielvorgaben zu erhalten, andererseits geben 86 % der Führungskräfte optimistischerweise an, ihren Mitarbeitern klare Ziele vorzugeben. Und auch bei den Themen Feedback und Motivation kommen Chefs nicht gut weg: Während knapp drei Viertel (74 %) der Führungskräfte angeben, regelmäßiges Feedback zu geben, bestätigt dies nur ein Viertel der Mitarbeiter. 76 % der Führungskräfte glauben, mit Begeisterung voranzugehen, dies nehmen allerdings nur 36 % der Mitarbeiter wahr. Ob in Folge dessen oder nicht, besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang auch, dass lediglich 45 % der Mitarbeiter angeben, Spaß im Job zu haben.

Führungskräfteentwicklung stark in der Kritik

Führungsschwächen attestieren die Mitarbeiter ihren Vorgesetzten in Hinblick auf die Anforderungen an die Mitarbeiterführung und Motivation, während Führungskräfte sich in erster Linie fachlich weiterentwickeln und ihre unternehmerischen Kompetenzen ausbauen möchten.

Sind die falschen Personen Führungskraft? Obwohl 64 % der befragten Mitarbeiter und immer noch 52 % der Führungskräfte dieser Meinung sind, ist das nicht unbedingt die alleinige Ursache für die Qualitätsprobleme, worauf auch weitere Umfrageergebnisse hindeuten. So sind 65 % der Führungskräfte der Meinung, dass sie zu wenig auf ihre Rolle vorbereitet werden. Das denken auch 69 % der HR-Befragten. 69 % der Führungskräfte und 65 % der Mitarbeiter finden, dass Führungskräfte besser von der HR-Abteilung unterstützt werden sollten. Selbst Personaler schließen sich dem mit 69 %-Zustimmung an. Damit aber nicht genug: Rund ein Drittel (34 %) der Führungskräfte stufen die aktuellen Führungsprogramme in ihrem Unternehmen als nicht zielführend ein, diese Einschätzung teilen mit 31 % nahezu gleich viele HR-Mitarbeiter.

Erfolgreich kommunizieren

In einem Punkt sind sich alle einig: Die Fähigkeit, mit Mitarbeitern erfolgreich zu kommunizieren, ist für Mitarbeiter, Führungskräfte und HR heute eine der Top-Skills erfolgreicher Führungskräfte. Außerdem stimmen die Befragten darin überein, dass es wichtig ist, die Belange der Mitarbeiter zu verstehen, relevante arbeitsbezogene Beziehungen zu ihnen aufbauen und sich gut organisieren zu können.

Die wichtigsten Studienergebnisse auf einen Blick:

  • Führung hat Impact: 92 % der Mitarbeiter, Führungskräfte und Personalverantwortlichen sind der Meinung, dass gute Führungskräfte die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens deutlich verbessern können. 93 % der Befragten sagen, dass gute Führungskräfte die Arbeitgeberattraktivität steigern können.
  • Kommunikation, Feedback und Motivation werden von Mitarbeitern und Führungskräften sehr unterschiedlich wahrgenommen – teilweise betragen die Differenzen bei den Antworten über 50-Prozentpunkte.
  • Lediglich 45 % der Mitarbeiter geben an, in ihrem Job Spaß zu haben.
  • Die Top-Leadership-Kompetenz ist die Fähigkeit, mit Mitarbeitern erfolgreich zu kommunizieren.
  • Größte Entwicklungspotenziale sehen die Befragten unter anderem in Sachen Mitarbeitermotivation, Mitarbeiterführung und kommunikativer Kompetenz.
  • Kritik üben 71 % der Mitarbeiter, 65 % der Führungskräfte und 69 % der HR-Mitarbeiter an der Art und Weise, wie Führungskräfte auf ihre Rolle vorbereitet werden. Ähnlich viele sind der Meinung, dass Führungskräfte besser von HR unterstützt werden sollten. Rund ein Drittel der Führungskräfte und HR-Mitarbeiter bezweifelt die Wirksamkeit der aktuellen Führungsprogramme.
  • Der Frage, ob die Einführung einer Frauenquote für die Führungsetagen in DAX-Unternehmen sinnvoll sei, stimmten lediglich 36 % der Befragten zu. Auch unter den weiblichen Befragten sind die Befürworterinnen in der Minderheit.

»Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass wertvolles Potenzial durch Defizite in der Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Mitarbeitern verschenkt wird«, sagt Claudia Conrads, Studienleiterin und Beraterin bei Information Factory. »Führung ist keine Einbahnstraße. Auch der Mitarbeiter trägt Verantwortung. Führungskräfte müssen stärker in den Dialog treten und Partizipation einfordern. Um das zu realisieren, bedarf es unter anderem auch besserer Unterstützung durch HR.«, ergänzt Conrads.

[1] Die Befragung zur Studie fand im Zeitraum März 2015 bis Ende Juni 2015 statt. Ziel war es, herauszufinden, wie die gelebte Führungspraxis in Deutschland wahrgenommen wird, wie sich Führungskräfte selbst sehen und wo Verbesserungspotenzial liegt.
Gemeinsam mit stellenanzeigen.de und der Personalwirtschaft ging Information Factory diesen Fragen nach. An der bundesweiten Befragung nahmen insgesamt 1952 Personen über alle Branchen hinweg teil: 1095 Angestellte ohne Führungsverantwortung, 640 Führungskräfte und 217 Human Resources-Mitarbeiter.
Bildquelle: Information Factory