Über Informationen und Macht – Digital Mastermind Jaron Lanier

»Wie wollen wir leben?« – um diese Frage drehte sich alles in der zweiten Ausgabe von Digital Masterminds im BASE_camp, der Plattform für renommierte Vordenker und Leader der digitalen Welt [1]. Diese Woche diskutierte der Internetpionier Jaron Lanier mit Matthias Müller von Blumencron, FAZ, über die Folgen der Digitalen Revolution.

foto Matthias Müller von Blumencron im Gespräch mit Jaron Lanier

Der Bestseller-Autor und aktuelle Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Lanier warnte vor knapp 200 Gästen eindringlich vor dem Missbrauch von Nutzerdaten durch die großen Internetkonzerne. In der Diskussion mit Matthias Müller von Blumencron, Chefredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für Digitale Medien, forderte er darüber hinaus die Demokratisierung des Internets. Dass er ein Anhänger der digitalen Revolution sei, schließt für Lanier nicht aus, Kritik zu üben: »Optimismus will gut begründet sein, sonst ist er nichts wert«.

Lanier: Informationen und Macht sind ein und dasselbe

Laniers Hauptkritik richtet sich konkret gegen die Geschäftsmodelle von Internetkonzernen wie Google oder Facebook. »Informationen und Macht sind ein und dasselbe«, so der Autor. Die starke Konzentration von Kommunikations- und Nutzerdaten bei einigen wenigen Unternehmen lade zu Missbrauch ein und sei eine Gefahr für die Rechte des Individuums und die Demokratie. Den Kern des Problems sieht der Amerikaner dabei in der kommerziellen Nutzung von »behavioural data« – also Daten über das Verhalten von Menschen – , die unter anderem hinter den Algorithmen für Kaufempfehlungen bei Amazon oder Leseempfehlungen bei Facebook steckt. Seine Haltung ist dabei ganz klar: »Wer das Sammeln großer Mengen an Kommunikationsdaten durch Nachrichtendienste kritisiert, sollte auch Google kritisieren«.

Ideen zur Demokratisierung des Internets

Im Gespräch mit Matthias Müller von Blumencron stellt Jaron Lanier seine Ideen zur Demokratisierung des Internets und der digitalen Gesellschaft in den Vordergrund. Vieles sei vorstellbar, so die Botschaft, allerdings könne eine umfassende Regulierung durch die Politik leicht mehr Probleme schaffen als lösen. Lanier favorisiert daher eine marktbasierte Lösung. Unternehmen sollten einfach für die Daten ihrer Kunden bezahlen. Dadurch käme auch in der digitalen Welt wieder ein wirklicher Tausch von Werten zustande. Bisher erhalten die Nutzer von Facebook und Co. für ihre Daten ausschließlich Zugang zum jeweiligen Netzwerk, während die Daten für die Unternehmen bares Geld wert sind.– »Unternehmen und Nutzer müssen wieder auf Augenhöhe zusammenkommen«, so Lanier.

Bei aller berechtigten Kritik, so Jaron Lanier, bleibe für ihn aber klar, dass die Digitalisierung und für die Zukunft mehr Chancen als Risiken bereithält. »Der Optimist ist derjenige, der so stark an etwas glaubt, dass er es auch kritisieren kann«, fasst er seine Sicht auf die Dinge zusammen.

[1] Digital Masterminds ist eine Veranstaltungsreihe der Telefónica Deutschland , bei der international renommierten Vordenkern und Leadern der digitalen Welt eine Plattform geboten wird, ihre Positionen und Gedanken zu teilen und zu diskutieren. Der Schwerpunkt der Diskussion liegt dabei auf aktuellen gesellschaftlichen Auswirkungen und Entwicklungen der Digitalisierung: angefangen von den Folgen der Digitalisierung auf den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt bis hin zu ihrem Einfluss auf Privatleben oder Bildung. Die Diskussionsrunde wird zusätzlich online über Facebook und Twitter begleitet. Ein Video-Mitschnitt des Events wird online gestellt und soll im Nachgang zu weiteren Diskussionen anregen. Weitere Informationen finden Sie unter www.basecamp.info.de