Verkehrte Welt? Pro Kauf geben Frauen mehr Geld für Unterhaltungselektronik aus, Männer mehr Geld für Bekleidung

Die Elektronik- und Modesortimente lassen weithin klassische Rollenbilder vermuten: Während »Mann« sein Geld bevorzugt in die neuesten Elektroprodukte investiert, füllt »Frau« den Kleiderschrank auf. Umso erstaunlicher erscheinen die aktuellen Studienergebnisse [1], nach denen Frauen eigenen Angaben zufolge durchschnittlich rund ein Viertel mehr ausgeben als Männer, wenn sie Elektronik online bestellen. Männer wiederum haben den größeren Warenkorb im Fashion-Sortiment. Die klassischen Vorurteile scheinen hierdurch auf den Kopf gestellt.

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Relativiert werden diese Zahlen allerdings durch die Häufigkeit der Bestellungen: So geben Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer an, mindestens einmal im Monat Kleidung und Accessoires online zu bestellen. Frauen kaufen also häufiger Mode, geben aber pro Kauf weniger aus. Der »Durchschnittsmann« bestellt dagegen doch lieber einmal richtig als häufig ein bisschen, wenn es um Mode geht. Entsprechend andersherum verhält es sich beim Onlinekauf von Elektronikprodukten: Hier greifen Frauen nach dem Wenn-schon-denn-schon-Prinzip ordentlich zu, bestellen aber seltener als Männer.

Warum sich Frauen und Männer in ihren Einkaufsgewohnheiten derart unterscheiden wird vor allem dann deutlich, wenn man sich mit den jeweiligen Motiven des Online-Shoppings auseinandersetzt: Frauen stöbern eigenen Angaben zufolge nämlich deutlich lieber und suchen Online-Shops doppelt so häufig aus Langeweile auf als Männer. Außerdem geben sie deutlich häufiger an, sich mit dem Shopping belohnen oder aufheitern zu wollen. Insofern werden die klassischen Klischees zum Gender Commerce zumindest teilweise bestätigt.


[1] Online-Shopping 2015: Wer heute wie im Netz einkauft

Die neue Studie »E-Commerce 2015 – Wie wir wirklich online einkaufen« beleuchtet das Einkaufsverhalten deutscher Online-Shopper im Netz. Ergebnisse zeigen: Shopping-Klischees gelten auch online; Zielgruppen können nicht mehr pauschal definiert werden.

Der Online-Handel ist fest im Shopping-Alltag der Konsumenten verankert. Doch wer kauft online eigentlich wie ein? Stimmen die gängigen Shopping-Klischees auch für das Netz oder ist online doch alles anders? Die Kurzstudie »E-Commerce 2015 – Wie wir wirklich online einkaufen« hat bei deutschen Online-Shoppern nachgefragt – mit manch überraschendem Ergebnis [1].

Recherche am Smartphone, Kauf am PC.

Mehr als jeder vierte Online-Shopper wechselt noch an den PC, um ein Produkt zu bestellen, das er via Smartphone gefunden hat. Doch warum die Mühe? Jüngere Konsumenten beklagen häufig, Smartphones seien schwierig zu bedienen – vor allem wegen zu kleiner Auswahlflächen oder umständlicher Dateneingabe. Ältere Shopper stören sich an der schlechten Lesbarkeit sowie an vermeintlichen Sicherheitsmängeln. Dennoch: Für nahezu ein Viertel der Online-Shopper ist es bereits selbstverständlich, über mobile Endgeräte auch die Bestellung abzuschicken – vor allem jüngere Konsumenten wechseln seltener. »Grundsätzlich lassen sich Online-Shopper aber nicht mehr pauschal in ›die Jungen‹ und ›die Alten‹ aufteilen. Auch der Großteil der Silver Surfer ist mittlerweile mehrmals täglich online und kauft im Netz bei seinen Lieblingsshops. Unterschiede zwischen den Zielgruppen im Online-Shopping-Verhalten lassen sich erst bei genauerem Hinsehen erkennen, zum Beispiel in puncto Mobile Shopping oder in Bezug auf Warengruppen«, erklärt Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln.

Online-Käufe sind meist geplant. Aber: Inspiration geht auch online.

Online-Shops als Quelle der Inspiration? In der Breite noch selten, aber durchaus immer häufiger: Online-Käufe dienen längst nicht mehr nur dazu, einen konkreten Bedarf zu decken. Heute ist schon fast jede sechste Online-Bestellung ein Impulskauf. Insbesondere Online-Werbung und Empfehlungen von Freunden verleiten Konsumenten dazu, ungeplant einen Online-Shop zu besuchen.

Die meisten Konsumenten bleiben zwei bis drei Online-Shops treu.

Mehr als zwei Drittel der Online-Shopper kauft vorrangig immer wieder bei denselben Anbietern – durchschnittlich bei 2,4 Shops. Amazon, eBay und OTTO sind dabei die Top 3-Shops aus Konsumentensicht. Lediglich rund 30 Prozent der Befragten kaufen regelmäßig bei wechselnden Online-Shops.

Wenn es hart auf hart kommt: Telefonberatung weiterhin hoch im Kurs.

Bei Beratungsbedarf rund um ein Produkt bevorzugen deutsche Online-Shopper »Hilfe zur Selbsthilfe« – zum Beispiel Produktbeschreibungen, -bewertungen oder -videos. Sobald es aber Probleme gibt, ist nach wie vor der persönliche Kontakt zum Online-Shop gefragt. So wünscht sich der Großteil der Konsumenten eine telefonische Beratung bei technischen Problemen, Beschwerden oder Reklamationen sowie bei Preisfragen.

[1] Für die Studie »E-Commerce 2015 – Wie wir wirklich online einkaufen« von ECC und OTTO wurden im August 2015 online 1.016 Konsumenten zu aktuellen Aspekten des digitalen Kaufverhaltens befragt. https://www.ecckoeln.de/PDFs/2015/E-Commerce2015_Wiewirwirklichonlineeinkaufen_Web.pdf