Wie positionieren sich die Anbieter von Big Data Aggregation im Schweizer Markt?

Lassen Sie sich nicht von vollmundigen Versprechungen einer Big-Data-Analyse-Software blenden. Auch wenn die Analysen sehr leistungsfähig sind, sind sie doch nur so gut wie die Daten, die in die Analyse eingespeist werden. Genügt ein Data-Warehouse-Offload? Müssen eventuell erst neue Datenlieferanten gesucht werden? Passen die Daten zueinander? Welche Datenmodelle müssen erst noch gebaut werden. Einen Teil dieser Aufgaben können Sie mit den Lösungen und Services für »Big Data Aggregation« bewältigen. Die Gruppe der Leader in dieser Kategorie des Big Data Vendor Benchmarks Schweiz 2015 bilden Informatica, Microsoft und SAP.

Bottom Line (ICT-Anbietersicht)

Ihre Lösung für die Analyse großer Datenmengen ist superschnell und originell und stellt die Ergebnisse für alle greifbar dar? Das ist schön. Doch gerne wird die Arbeit des Zusammensuchens von Daten den Anwendern überlassen. Der Markt für Daten-Aggregations-Lösungen ist klein. Die Lösungen unterscheiden sich teilweise schon im Ansatz. Hier haben die Anwender aber derzeit den eigentlichen Bedarf: Welche Daten gibt es für eine »Big-Data-Analyse« oder »Advanced-BI«? Wie komme ich an die Daten? Wir führe ich sie mit meinen Unternehmensdaten zusammen? Die ICT-Anbieter sind hier durchaus noch in der Bringschuld für alltagstaugliche Lösungen. Das Potenzial, das der Markt hier bietet, muss nicht den Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen allein überlassen werden.

Eine spannende Aufgabe ist es, Daten zusammenzuführen beziehungsweise überhaupt zu beschaffen. Variety heißt nicht nur, dass eine Analytics-Lösung verschiedene Datenarten verarbeiten kann, sondern auch, dass Datenlieferanten unterschiedlichste Datenmaterialien liefern. Für bestimmte Anwendungen müssen Data Warehouse Offloads (Ausschnitte aus großen Datenmengen) durchgeführt werden. Die so entstehenden Daten müssen mit anderen Daten zusammengeführt werden, ohne die Daten zu verändern oder umzuformen (Umformen oder verändern würde zudem einen weiteren Prozessschritt erforderlich machen, der auch eine Störstelle darstellt). Gegenwärtig scheint es, dass die Verantwortung für die Suche, Bereitstellung und Zusammenführung von Daten vor allem auf den Anwendern selbst lastet. Dabei ist die Aggregation von Daten keine triviale Aufgabe und beinahe so aufwendig wie die Entwicklung der geeigneten Fragen durch Data Scientists, also jener Fragen, mit denen aus den Daten neue Informationen gewonnen werden sollen.

Daher ist der Markt für die Aggregation von Daten aus unterschiedlichen Quellen einerseits überschaubar und andererseits von ganz unterschiedlichen Ansätzen geprägt. Verschiedene Inputs und Outputs machen die Software und die Services erklärungsbedürftig. In der Bewertung wirkt sich das gleichermaßen auf die Wettbewerbsstärke wie auf die Portfolioattraktivität aus.

Im ersten Big Data Vendor Benchmark für die Schweiz, den Experton Group im November 2014 vorstellte, wurde unter anderem auch der Markt für Big Data Aggregation untersucht.

Nicht viele Unternehmen, die in diesem Benchmark bewertet worden sind, stammen direkt aus der Schweiz. Vielfach haben internationale und deutsche Anbieter ihre Strategie auf die spezifischen Bedarfe der Anwender in der Schweiz ausgerichtet, beispielsweise hinsichtlich der Branchenfokussierung und der Größe der Anwenderunternehmen.

Innerhalb der Kategorien des Big Data Vendor Benchmarks ist der Bereich der Datenaggregation noch sehr jung. Bislang dominieren im Big-Data-Kontext Analytics-Lösungen den Markt. Bei den Analytics-Lösungen wird oftmals davon ausgegangen, dass die zu analysierenden Daten bereits in der Unternehmens-IT vorhanden sind oder Datenströme, beispielsweise aus Social Media, direkt über Kooperationsverträge mit den Anbietern in eine Anwendungssoftware einfließen. Die Unternehmen in dieser Kategorie widmen sich mit ihren Lösungen speziell der Beschaffung und Zusammenführung von Daten.

Bewertungskriterien für Big Data Aggregation

Neben den allgemeinen Bewertungsmerkmalen für alle Kategorien wurden hier insbesondere die Fähigkeiten der Softwarelösungen beziehungsweise Services für die Zusammenführung von Daten aus möglichst zahlreichen wie auch unterschiedlichen Datenquellen bewertet. Auch der Service-Charakter der Angebote spielte eine Rolle.

Unternehmensbewertungen

Für die Aufgaben der Datenaggregation wurden acht Unternehmen bewertet:

  • Informatica
  • Microsoft
  • Progress Software
  • Qlik
  • SAP
  • Splunk
  • Talend
  • USU

Davon konnten sich Informatica, SAP und Microsoft im Leader-Quadranten positionieren. Qlik wurde »Rising Star«.

grafik experton big data aggregation solutions

Abbildung: Positionierung der Anbieter von Lösungen für die Aggregation von Daten für Big-Data-Anwendungen in der Schweiz. Quelle: Experton Group AG, 2014.

 

Microsoft hat verschiedene Technologien, um Daten mit Hadoop, SQL Server oder Polyb-base sowie Streaming-Data mit StreamInsight zu aggregieren. Diese Technologien lassen sich mit hochperformanten Servern und Storage-Systemen kombinieren. Die so aggregierten Daten stehen dann für die BI/BA- und Big-Data-Analytics-Lösungen bis in den Multi-Petabytes-Bereich zur Verfügung. Das ausgefeilte Gesamt-Offering trägt zu der Position in der Spitzengruppe ebenfalls bei.

Informatica ist ein US-Anbieter, der mit mehreren Standorten in Europa und auch in der Schweiz aktiv ist. In dieser Kategorie führte vor allem das Offering rund um die Datenmigration zum positiven Ergebnis. Zum hohen Scoring haben auch die Referenzkunden im Bereich Datenintegration und Datenmigration in der Schweiz beigetragen.

Als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der betriebswirtschaftlichen IT ist SAP auch in der Schweiz stark vertreten. Rund um das Big-Data-Kernelement von SAP, die HANA-Plattform, hat SAP Lösungen und Services für die Datenaggregation erarbeitet. Damit erreicht SAP auch in dieser Kategorie eine sehr gute Bewertung und eine Position in der Gruppe der Leader.

Qlik ist ein etablierter Anbieter im Markt, und auch in Europa ist das Unternehmen seit vielen Jahren aktiv. Die Lösungen von Qlik unterstützen die Aggregation von polystrukturierten Daten aus unterschiedlichen Quellen. Das Unternehmen wurde als »Rising Star« ausgezeichnet. Mit aktuellen Referenzen und einem noch deutlicheren Engagement in der Schweiz könnte Qlik sich zukünftig einen Platz im diesmal knapp verfehlten Leader-Quadranten sichern.

Aggregation ist konzeptioneller Bestandteil von Splunks Big Data Offering. Splunk kann eine Vielzahl unterschiedlicher Datenarten, die über unterschiedliche Ports eingehen, verarbeiten. Dazu hat das Unternehmen seine Präsenz in der Schweiz ausgebaut und verzeichnet Erfolge bei den Anwendern. Splunk ist auch in der Lage, Logfiles und andere Streaming-Daten zu aggregieren. Die Daten werden beim Einlesen mit Index-Informationen versehen. Das Angebot von Splunk ist für strukturierte und unstrukturierte Daten sowie semistrukturierte Daten (zum Beispiel Maschinendaten) geeignet. Splunk gehört zu den vielseitigsten Aggregations-Tools im Markt.

Progress zeichnet sich durch seine Easyl- und die Data-Connectivity-Lösungen aus. Mit diesen Lösungen können Anwender Daten aus unterschiedlichen Anwendungen und Datenquellen zusammenführen und auswerten.

Die USU AG nutzt vor allem die Datenspeicherungslösungen von Pentaho und bietet hier Services für die Zusammenführung von unterschiedlichen Datenquellen an. Als vergleichsweise junger Anbieter im Big-Data-Markt konzentriert sich USU bislang auf Social-Media-Datenquellen. Das kann für Anwender interessant werden, die Analyse- und Visualisierungslösungen von Pentaho nutzen wollen und dabei Unterstützung benötigen.

Holm Landrock

Holm Landrock, Senior Advisor, Experton Group

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