Wie positionieren sich die Anbieter von Cloud Workplaces in der Schweiz?

Das Managen einer Virtual Desktop Infrastructure (VDI) und das Hosting von individuellen Virtual Desktops in einer Private-Cloud-Umgebung sind keine neuen Themen im IT-Service-Markt; die kostengünstigere Bereitstellung von standardisierten Workplace Services aus einer Shared Private Cloud oder Public Cloud sind es dagegen sehr wohl. Im letztjährigen Cloud Vendor Benchmark haben wir daher erstmalig standardisierte Workplace Services, die als vorkonfektionierte und modularisierte Pakete aus der Cloud (Public, Shared, Hosted) zu einem festen Preis pro Nutzer und Monat (as a Service) angeboten werden, bewertet. Dieses Marktsegment ist durch den Wettbewerbsdruck von Amazon Web Services (AWS) entstanden und Anbieter von individuellen Hosted Desktop Services haben sich daher ebenfalls schnell in diesem Segment positioniert, bevor Kunden zum Wettbewerb abwandern.

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Abbildung: Marktentwicklung: Desktop-Virtualisierungs-Services. Quelle: Experton Group.

Einige Entwicklungen fallen auf, wenn man die Ergebnisse des diesjährigen Cloud Vendor Benchmark, den Experton Group im Sommer vorstellte, mit dem letztjährigen vergleicht.

Im Schweizer Markt gibt es mit Bison ITS, 1cloud, Econis, Curaden und bloosite inzwischen auch eine ganze Reihe an kleineren lokalen Anbietern, die, in begrenztem Umfang, Standard-Pakete anbieten. Im deutschen Markt sehen wir diese Entwicklung interessanterweise so nicht, dort sind es nach wie vor vornehmlich die großen namhaften Player, die neben individuellen Lösungen auch kostenattraktive Standard-Pakete schnüren. Viele kleinere Anbieter im deutschen Markt bleiben bei rein individuellen Lösungsangeboten und scheuen den harten Wettbewerb bei Standard-Paketen. Das machen einige kleinere Anbieter in der Schweiz anders. Man offeriert häufig ein bis zwei Standardpakete als Basislösungen, die dann individuell ausgebaut werden können – ein guter Kompromiss, um in beiden Segmenten (Standard und individuell) je nach Kundenbedarf präsent zu sein. Trotzdem ist klar: Portfolioattraktivität, Schnelligkeit und Größe zahlen sich aus, denn Skaleneffekte verschaffen bei standardisierten Cloud Services einen klaren Wettbewerbsvorteil. Daher gibt es auch eine Gruppe von »Fast Followern«, die in puncto Portfolioattraktivität den führenden Anbietern auf die Pelle gerückt sind. Fazit: Die Marktführer haben ihre Marktposition gefestigt, die Fast Follower haben ihr Portfolio für den Marktangang optimiert, und einige kleinere Anbieter bieten bewusst eine Kombination aus Standard- und individuellen Lösungen an. Wir erwarten, dass sich beim nächsten Cloud Vendor Benchmark 2016 im Schweizer Markt die Spreu vom Weizen klarer trennen wird.

Die zentralen Bewertungskriterien hinsichtlich dieses Themas sind:

  • Portfolio-Umfang belegt durch die Anzahl an Standardpaketen (zugeschnitten auf bestimmte Nutzer/Zielgruppen), modularisierte Zusatzoptionen und individuelle Add-on-Möglichkeiten
  • Portfolio-Qualität belegt durch Differenzierung bei Portfolio, Delivery, Kundenzufriedenheit, Preis-Leistungs-Verhältnis und technologischer Basis
  • Lokale Stärken/Besonderheiten, basierend auf neuen Kundenverträgen/ Referenzen, Infrastruktur (Rechenzentrum und Netz) und Kundensupport
  • Strategische Ausrichtung und Weiterentwicklungspotenzial

Bewertung einzelner Anbieter

In der Kategorie »Cloud Workplaces« sind fünfzehn Anbieter in der Schweiz als relevant identifiziert worden. Sechs davon werden im Leader-Quadranten geführt.

Wie zu erwarten war, kann bei der Wettbewerbsstärke der Swisscom niemand das Wasser reichen. Die lokale Stärke der Swisscom als Telko-Provider mit eigener Rechenzentrums-Infrastruktur kommt gerade bei Cloud Workplaces zum Tragen, und zwar nicht nur wegen des Themas Compliance; gerade die Kombination aus hoher Verfügbarkeit von Rechenzentrum und Netz ist für ein attraktives Cloud Workplace Offering fundamental wichtig. Der »Personal Connected Workplace« der Swisscom ist damit hochperformant und erfüllt höchste Sicherheitsanforderungen. Weitere Standardpakete oder optionale Zusatzmodule würden das Gesamtpaket an standardisierten Workplace-Lösungen noch abrunden.

Das Dynamic Workplace Offering von T-Systems bildet nach wie vor die Messlatte bei der Portfolioattraktivität. Es besteht aus einem Kernpaket (Windows plus Virenschutz), drei optionalen Zusatzpaketen (für Collaborative, Mobile und Offline Working) und vielen weiteren optionalen Services (beispielsweise Storage, Security und weitere Applikationen). Die einzelnen Komponenten werden modulartig für die Bedürfnisse einzelner Worker-Typen (Task Worker, Mobile Worker, Management, Developer, Production) zu einem Gesamtpaket zusammengestellt. Somit bietet T-Systems eine umfassende Lösung aus Basispaket, standardisierten Zusatzoptionen und individuellen Ausbaumöglichkeiten.

Amazon Web Services (AWS) ist ein echter Innovator in diesem Marktsegment. AWS hat sein Angebot durch die Integration seiner Workplace-Lösung »Workspace« mit dem AWS Cloud-Marktplatz strategisch auf eine neue Ebene gehoben. Seit dem ersten Quartal 2015 kann man direkt über den Workspace Application Manager auf Anwendungen in einer eigenständigen Kategorie im Cloud-Marktplatz (AWS Marketplace for Desktop Apps) zugreifen und sie direkt im eigenen Workspace bereitstellen. Es ist auch möglich, seine eigenen Anwendungen über den Application Manager hochzuladen und innerhalb von Workspaces seinen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. AWS bietet diese Services auch aus seinen europäischen Rechenzentren an und erfüllt inzwischen eine Vielzahl an Sicherheitszertifizierungen. Selbst Großunternehmen testen AWS Workspaces zunehmend für ihre Einsatzzwecke. AWS ist daher ein ernstzunehmender Herausforderer für die Marktführerschaft.

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Abbildung: Positionierung der Anbieter von Cloud Workplaces in der Schweiz. Quelle: Experton Group AG, 2015.

VMware und Dimension Data sind die beiden »Fast Follower« in diesem Segment. VMware hat sein Offering stark verbessert und bietet nun mit »Horizon Air Desktops und Apps« auch drei Standardpakete für unterschiedliche Worker-Typen an. Dimension Data bietet als Neueinsteiger direkt ebenfalls drei Standardpakete für unterschiedliche Worker-Typen an. Einziger Wermutstropfen bei beiden Anbietern ist, dass die Offerings bisher nicht aus einem Rechenzentrum in der Schweiz bereitgestellt werden können, sondern aus dem europäischen Ausland (VMware aus UK, Dimension Data aus Deutschland, Amsterdam oder UK).

Auch Bison ITS befindet sich mit seinem Angebot »Smartwork« im Leader-Quadranten. Das Schweizer Unternehmen bietet standardisierte und hochskalierbare Workplace Services basierend auf Microsoft Azure an. Darüber hinaus verfügt Bison ITS über ein eigenes Rechenzentrum in der Schweiz und kann durch seine starke lokale Präsenz gerade auch bei der Wettbewerbsstärke punkten.

Arnold Vogt

www.experton-group.com