Wie positionieren sich Hybrid Cloud Broker in der Schweiz?

Im Segment der Hybrid Cloud Broker werden Lösungen betrachtet, die sich um die Kernfunktionalität Cloud-Management herum weiterentwickelt haben. Ihren Ursprung haben Cloud-Management-Lösungen im Verwalten von internen virtuellen IT-Ressourcen. In der nächsten Entwicklungsstufe wurden daraus dann zunehmend Hybrid-Cloud-Management-Lösungen, die es ermöglichten, auch externe IT-Ressourcen (Private Hosted oder auch Public Cloud Services) einzubinden und zentral zu managen.

In der jetzigen Evolutionsstufe gehen Lösungen dazu über, nicht nur einzelne externe Cloud-Ressourcen einzubinden, sondern es werden, über entsprechende APIs, bereits eine ganze Reihe an IaaS-Services von unterschiedlichen Cloud-Service-Providern technologisch eingebunden und nach Business-Anforderungen selektiert. Dadurch kann die interne IT die Themen Governance, Risk und Compliance im Griff behalten und trotzdem eine ganze Reihe an unterschiedlichen IaaS-Diensten (Private Cloud, Hosted Private Cloud, Public Clouds) im Self-Service-Modus zur firmeninternen Nutzung bereitstellen. Ein echter Mehrwert für Kunden und ein idealer Kompromiss um den Spagat zwischen zentraler Steuerung (bezüglich Cloud-Verwaltung sowie Governance, Risk und Compliance) bei größtmöglicher Auswahl an Cloud Services sicherzustellen.

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Abbildung: Evolution zu Hybrid-Cloud-Broker-Plattformen (IaaS). Quelle: Experton Group AG, 2015.

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Ohne Zweifel handelt es sich bei diesem Marktsegment noch um einen »Emerging Market« in der Schweiz. Die lokalen Umsatzerlöse schätzt die Experton Group aktuell noch sehr moderat ein. Andere Länder (beispielsweise USA und UK) sind bei der Verbreitung dieser Lösungen durchaus schon einen Schritt weiter. Die Experton Group erwartet jedoch in puncto Kundenadaption, Angebotsausbau und neue Lösungsanbieter eine rasche Entwicklung dieses Marktsegments im DACH-Raum.

Die Intention der Anbieter dieser Plattformen ist klar ersichtlich: Es geht darum, das Cloud-Frontend zum Kunden zu besetzen, eine strategisch wichtige Position im hart umkämpften Cloud-Geschäft, die es Anbietern von Hosted Private Clouds und Systemintegratoren ermöglicht, nicht nur die großen HyperScaler, mit denen man aus Kostengründen nicht konkurrieren kann, in das eigene Kunden-Frontend einzubinden, sondern auch margenträchtiges Zusatzgeschäft durch eigene Hosted-, Managed- und Migrations-Services einzufahren.

Self-Service-Plattformen

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In diesem Themenbereich werden also Self-Service-Plattformen betrachtet, die es ermöglichen, eine Vielzahl von IaaS-Services mit der internen IT zu integrieren und als Hybrid Cloud zu managen. Darüber hinaus ist es notwendig, über das reine Einbinden von diversen Cloud Services via APIs und das Cloud Management, eine Vielzahl weiterer Funktionalitäten im Griff zu haben. Dazu gehören vor allem eine gute Entscheidungshilfe für die Providerauswahl (via Selektionskriterien entsprechend der Kundenanforderungen bezüglich Kosten sowie Governance, Risk und Compliance) und Migrations-Services für den schnellen, einfachen und kostengünstigen Providerwechsel. Nur diese beiden Elemente zusammengenommen ergeben den großen Vorteil dieser Plattformen, schnelle und gute Entscheidungen zu treffen und diese bei Bedarf ohne viel Aufwand wieder ändern zu können. Des Weiteren sind auch die Themen Reporting und Analytics-getriebene Optimierung relevant, ebenso Kostenstellenverrechnung für Großunternehmen.

Im jüngsten Cloud Vendor Benchmark, der im Frühjahr dieses Jahres erschien, wurde unter anderem der Schweizer Markt der Hybrid Cloud Broker analysiert. Die zentralen Bewertungskriterien in diesem Thema sind:

  • Cloud Management einschließlich Reporting- und Billing-Funktionalitäten
  • Auswahl an Cloud Services (IaaS) von verschiedenen Cloud-Service-Providern und Entscheidungsunterstützung (Decision Support) bei der Provider-Selektion
  • Migrations-Services und weitere USPs der Plattformen im Vergleich zum Wettbewerb
  • Lokale Stärken/Besonderheiten basierend auf Referenzen, Infrastruktur (Rechenzentrum und Netz) und Kundensupport
  • Strategische Ausrichtung und Weiterentwicklungspotenzial

Bewertung einzelner Anbieter

Acht Anbieter wurden als relevant identifiziert und bewertet. Davon sind drei als Leader positioniert worden.

Seit März 2014 gibt es von T-Systems den »Cloud Broker« im Angebot. Neben vielen grundlegenden Funktionalitäten wie zentrales Cloud Management, Decision Engine zur Entscheidungsunterstützung, Reporting und Internal Billing für die interne Kostenverrechnung bietet T-Systems auch eine Transformation Engine an. Sie ermöglicht dem Anwender die einfache und schnelle Migration zwischen den integrierten IaaS Services. Nur so ist maximale Flexibilität in der Nutzung der verfügbaren Cloud Services möglich. Neben den eigenen Cloud Services können auch Amazon Web Services, Microsoft Azure, OpenStack, HP Cloud, Eucalyptus und VMware vCloud genutzt werden.

Capgeminis »Cloud Services Brokerage«-Angebot gibt es seit Mai 2014 auf dem Markt. Neben eigenen Private Cloud Services werden über die Plattform eine ganze Reihe weiterer Cloud Services integriert (Microsoft Azure, Amazon Web Services, CenturyLink, Terremark, Softlayer, VMware vCloud, Verizon, Google). Auf Grund der großen Anzahl an angebotenen Services liegt der Schwerpunkt dieser Plattform naheliegenderweise auf der Unterstützung von Kunden bei der Provider-Selektion. Capgemini macht hierfür IaaS Services auf einer einheitlichen Basis vergleichbar. Das ist sehr hilfreich für maximale Kostentransparenz, denn Cloud Service Provider bieten IaaS Services häufig in ganz eigener Konstellation an, die einen direkten Vergleich nicht ermöglichen.

Durch die Akquisition von ServiceMesh im Oktober 2013 hat CSC eine starke Hybrid Cloud Broker Plattform erhalten, die schon von 2.000 Kunden weltweit (hauptsächlich in den USA) eingesetzt wird. Gerade in hochregulierten Branchen wie in der Finanzbranche oder im Gesundheitswesen ist die CSC Agility Platform verbreitet. Ihre Stärke beruht auf den Selektionsmöglichkeiten von Cloud Services, basierend auf strengen Branchenvorgaben rund um die Themen Governance, Compliance und Security. Neben den eigenen CSC Cloud Services gibt es viele weitere Schnittstellen zu Amazon EC2, CloudStack, Eucalyptus, Fujitsu, HP Cloud, Microsoft Azure, OpenStack, Rackspace, Savvis, Terremark, VMware vCenter und VMware vCloud Director.

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Abbildung: Positionierung der Hybrid Cloud Broker Plattformen (IaaS) in der Schweiz. Quelle: Experton Group AG, 2015.

Accenture kann man als Innovator in diesem Marktsegment bezeichnen. Seit April 2013 gibt es den »Cloud Platform Broker« im Angebot, der nach eigenen Angaben bei 750 Kunden weltweit im Einsatz ist. Neben eigenen Private Cloud Services integriert Accenture über seine Plattform auch Cloud Services von Amazon Web Services, Microsoft Azure, NTT Communications und Verizon. Der Fokus dieser Lösung liegt auf der Kostenanalyse und Budgetkontrolle von Cloud Services.

Nach einer verlängerten Testphase steht der IaaS-Marktplatz der Deutschen Börse Cloud Exchange (DBCE) ab Mai 2015 allen offen, und Kunden können sich über die Webseite selbst als Käufer registrieren. Die Stärken der Plattform liegen in der Unterstützung von Kunden in der Providerauswahl (Preis, Leistung, Speicherort) und der Kontrolle von Cloud-Service-Providern. DBCE kontrolliert und garantiert als neutrale Instanz die Einhaltung der vereinbarten SLAs. Schwer tut sich DBCE noch etwas damit, Cloud Service Provider für ihre Plattform zu begeistern. Zu den heutigen Partnern gehören unter anderem Fritz & Macziol, T-Systems, ServiceNow (USA), iNNOVO (Deutschland), Ultimum Technologies (Tschechien) und Cloud & Heat (Deutschland); weitere befinden sich im On-Boarding Prozess. Insgesamt zehn Provider sollen bis Ende 2015 dabei sein. Die Experton Group erwartet in der jetzigen Startphase eine ganze Reihe an Testkäufern. Das Momentum ist da. Jetzt gilt es, diesen Schwung zu nutzen und das Handelsvolumen kontinuierlich auszubauen. Der deutsche Markt steht sicherlich erst einmal im Fokus der DBCE, aber die Plattform positioniert sich bewusst europaweit und bietet somit auch Schweizer Kunden eine interessante Alternative.

Arnold Vogt