Wirtschaftskriminalität mit Process Mining aufdecken: IT-gestützte Revision

Wirtschaftskriminalität (white-collar crime) ist für Unternehmen eine große Herausforderung. Hacking Contests sollen bei Studierenden zugleich das Bewusstsein für IT-Systeme und –Revision als auch für die Vorgehensweisen von Wirtschaftskriminellen schärfen.

Der kürzlich an der TU München (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik) ausgerichtete White-Collar Hacking Contest wurde von der Celonis GmbH gesponsert, einem erfolgreichen Technologie-Startup ehemaliger TU-Studenten. Die Contest-Teilnehmer sollten mit der für moderne Unternehmen typischen Datenbank SAP HANA arbeiten und versuchen, Geld von einem imaginären Unternehmen zu veruntreuen. Mittels Process Mining konnten die Studierenden die digitalen Spuren im ERP-System rekonstruieren und so das veruntreute Geld der anderen Teams ermitteln.

foto (c) Julian Baumann white collar hacking contest

foto (c) Julian Baumann

ERP, Warenwirtschaftssysteme oder MES – heutzutage werden Businessprozesse nahezu vollständig in IT-Systemen abgebildet. IT-Revision und Audit werden damit immer wichtiger, da Schwachstellen in diesen Systemen von Wirtschaftskriminellen gezielt genutzt werden, um sich zu bereichern und dem Unternehmen Schaden zuzufügen.

Um Studierenden hier praxisrelevante Einblicke in den Unternehmensalltag zu vermitteln und ein Bewusstsein für IT-Revision und die Funktionsweisen von wirtschaftskriminellen Vorgehensweisen zu schaffen, haben sich sogenannte Hacking Contests bewährt.

Der vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der TU München und dem SAP University Competence Center München ausgerichtete White-Collar Hacking Contest wurde von Celonis durch Einsatz seiner Software unterstützt. Außerdem vermittelte Business-Analyst Sebastian Walter den Studierenden in einem ganztägigen Trainingskurs das Handwerkszeug zum Umgang mit Process Mining – dieses diente beim Contest zur Rekonstruktion und Visualisierung der digitalen Spuren im ERP-System der imaginären Unternehmen.

Contest-Aufgabe der in vier Teams eingeteilten zwanzig Teilnehmer war es, auf Basis von Geschäftsdaten in der SAP HANA Datenbank Geld von einem imaginären Unternehmen zu veruntreuen. Gleichzeitig sollten sie via Echtzeitanalyse der SAP-Systeme mittels Celonis Process Mining versuchen, die Veruntreuungen der anderen Teams aufzudecken. Der Sieg winkte dem Team, das durch unbemerkte eigene Veruntreuung einerseits und Aufdeckung fremder Veruntreuungen andererseits die höchste Geldsumme erzielen würde.

»Der White-Collar Hacking Contest bietet einen hervorragenden Weg, um Studierenden fundierte Kenntnisse im Umgang mit Unternehmenssoftware und den Verfahren IT-gestützter Revision zu vermitteln«, erklärt Dr. Michael Schermann, Dozent und Forscher am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik. »Die Studis sind gleichzeitig Hacker und Detektive.«

Zur Jury gehörten neben den zwei Kursdozenten fünf Vertreter des Forensic Accounting Studienganges der De Montfort University (Leicester, UK), die zur Veranstaltung eingeflogen wurden. Die Jury beurteilte die Realitätsnähe der Frauds (Betrügereien) und ob die Detektivarbeit erfolgreich war.

Gewonnen hat den White-Collar Hacking Contest das vierköpfige Team Sum Ting Wong mit 2,34 Millionen Euro. Insgesamt haben die vier Teams 14 Frauds erfolgreich implementieren und acht Frauds aufdecken können. »Der spannendste Fraud war definitiv der, bei dem Preisabsprachen mit einem Lieferanten über einen langen Zeitraum liefen und diese Absprachen intern als Verhandlungserfolg verkauft wurden, um sich so Bonuszahlungen zu sichern«, berichtet Schermann. »Auf diese Weise entsteht doppelter Schaden: ungerechtfertigter Bonus und zu hohe Preise.«

Weitere Informationen unter www.celonis.de