Wissen kann nicht geschluckt werden – die negativen Auswirkungen des Gehirndopings

cover krengel bestnote lerndoping buch tippsJeder fünfte Student in Deutschland nimmt leistungssteigernde Mittel – zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Mainz, die Anfang des Jahres 2014 veröffentlicht wurde. Leistungsdruck und der Wunsch, das Maximum aus sich herauszuholen, sind die Hauptgründe für den Griff zu Pillen. Massiv gegen diese Art von Gehirndoping spricht sich Lerncoach Martin Krengel in seinem Buch »Bestnote« aus. Zum einen können solche Aufputschmittelchen höchst gefährliche Nebenwirkungen haben. Zum anderen ist sich Krengel sicher, dass jeder, der sein Gehirn kennt und Lern- beziehungsweise Konzentrationstechniken beherrscht, seine Leistungsfähigkeit viel stärker steigern könne als mit irgendwelchen Pillen.

»Ob sich Prüfungsleistungen durch ›Lernpillen‹ tatsächlich verbessern lassen, ist umstritten«, erklärt Lernexperte Martin Krengel. Beliebt sei beispielsweise ein Wirkstoff, der den Dopaminspiegel im Körper steigen lässt. Dopamin ist ein Botenstoff, der die Impulse verstärkt. Der Konsument kann sich stärker auf eine einzelne Tätigkeit konzentrieren, schaltet also alles um sich herum ab und eine Art Tunnelblick entsteht. In Erfahrungsberichten könne man oft von dieser Wirkung lesen, die stundenlanges konzentriertes Lernen ermöglichen soll. Jedoch auch davon, dass es den Konsumenten schwer falle, sich an Inhalte zu erinnern, wenn sie eine Pause einlegten. »Die Aufmerksamkeit mag vielleicht steigen, doch dieses Hirndoping verbessert weder die eigene Selektionskompetenz, die Lernmethodik noch die Qualität des Wissens«, warnt Krengel.

Dennoch greifen immer mehr Studenten zu den Lernmittelchen, denn Erfolgsdruck und die Angst vor dem Scheitern der beruflichen Zukunft scheinen zu groß zu sein. Das könne fatale Auswirkungen haben, denn gerade für junge Menschen ist es wichtig, Selbstvertrauen und Selbstkritik zu lernen, ist sich Krengel sicher. »Es ist unabdingbar, seine eigenen Stärken und Schwächen herauszufinden, um an ihnen arbeiten zu können. Wenn ich aber stattdessen zu pharmazeutischen Mitteln greife, bringe ich mich selbst um die persönlichkeitsbildende Erfahrung meiner eigenen Leistungsfähigkeit und funktioniere nur noch mithilfe des Lerndopings.«

Schlafmangel ist fatal – Gehirn muss Wissen verarbeiten können

Zudem betont Krengel, dass stundenlanges Pauken keine optimale und dauerhafte Lösung darstelle. Der Mensch und sein Gehirn bräuchten Pausen und Ablenkung, um den Lernstoff verarbeiten zu können. Vor allem den Schlafmangel sieht Krengel kritisch. »Eine der Hauptfunktionen von Schlaf ist es, Nervenverbindungen zu festigen, Sinneseindrücke des Tages zu sortieren und zu speichern. Dass ich bis spätnachts durchlernen kann, ohne zu schlafen, bringt mir für meinen Lernerfolg also gar nichts!« Die eigenen Erfahrungen aus zwei Studiengängen und einer Doktorarbeit zeigten Krengel Folgendes: Durch erholsamen Schlaf, eine sinnvolle Pausentaktung während des Lernens, den Ausgleich durch Sport, Freunde und Hobbys in Verbindung mit einer geeigneten Lernstrategie und einem konkreten Zeitplan steigt die eigene Arbeitskraft auf ganz natürliche Weise – ohne jegliche Einnahme fragwürdiger Substanzen. »Denn durch Erlebnisse, Emotionen und Abwechslung werden Adrenalin, Endorphine und Dopamin im Körper ausgeschüttet, die die eigene Zufriedenheit, die Motivation, die Energie und vor allem die Konzentration positiv fördern.«

Info: Martin Krengel: Bestnote. Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren. Eazybookz, 3. Auflage 2013. Weitere Infos: https://www.studienstrategie.de/buecher/bestnote/
Zum Autor: Martin Krengel, 33, ist Lerncoach, Autor und Zeitmanagement-Dozent. Der begeisterte Kunstturner studierte in fünf Ländern Psychologie und Wirtschaft – beide Studiengänge absolvierte er mit Auszeichnung. Als Autor der Ratgeber »Der Studi-Survival-Guide« und »Golden Rules« entwickelte er eigene Lern- und Zeitmanagementkonzepte für Schüler, Studenten und Berufseinsteiger. Krengel möchte durch seine Bücher und Vorträge beweisen: Erfolg und Selbstverwirklichung gehen Hand in Hand. Man muss nicht überdurchschnittlich intelligent sein – viel wichtiger sind die richtigen Methoden. Weitere Infos zum Autor: https://www.studienstrategie.de/martin-krengel/