Wohl überlegt in die IT-Fabrik – Cost, Speed und Control

Wohl überlegt  in die IT-Fabrik

Was muss bei der Konzeption und Errichtung einer IT-Fabrik unbedingt bedacht werden? Nur über eine Ende-zu-Ende-Prozesskette entsteht ein vollständiger, einsatzbereiter und kontrollierbarer Service.

Idealerweise sollten IT-Services ähnlich wie Produkte der Industrie erstell-, bereitstell- und bei Bedarf veränderbar sein. Dafür sprechen gleich drei Gründe: Kosteneinsparungen, schnelle Servicezuweisung und Kontrolle der IT. Doch eine IT-Fabrik, die hinsichtlich Cost, Speed und Control für das Unternehmen voll aufgeht, will gut überlegt sein. »manage it« hat sich mit Ulrich Pöhler, IT-Management-Spezialist bei Materna, darüber unterhalten, was bei der Konzeption und Errichtung einer IT-Fabrik unbedingt bedacht werden sollte.

Wie steht es um die Voraussetzungen für eine IT-Fabrik? 

Die Methodik des Service-Lifecycle-Managements schafft gute Voraussetzungen IT-Services industriell zu fertigen, somit zu Kosteneinsparungen, zu einer beschleunigten Servicebereitstellung und zu einer besseren Kontrolle der IT beizutragen. Allerdings sollten dafür von Anfang an alle an den jeweiligen Services beteiligten Akteure mit ins Boot geholt werden. Lassen Sie mich dies am Beispiel eines E-Mail-Services verdeutlichen. An seiner Konzeption und Bereitstellung sollten die Kollegen aus den Bereichen »Storage«, »Netzwerk«, »Computing«, »Virtualisierung«, »Betriebssystem« und »Datenbanken« sowie Experten für die -E-Mail-Applikation mitwirken. Auch Spezialisten für Web-Services und User GUI könnten gefordert sein. Die Einbeziehung all dieser Akteure ist schon deshalb wichtig, weil nur über eine Ende-zu-Ende-Prozesskette ein vollständiger, einsatzbereiter und kon-trollierbarer Service entsteht.

Auf welche Methodik, Verfahren und Werkzeuge können die Akteure zur Errichtung einer IT-Fabrik zurückgreifen?

Durch das Service-Lifecycle-Management selbst ist eine Methodik vorgegeben, die wiederum durch die Anwendung von Verfahren und Werkzeugen gestützt wird. So wartet Materna seinen Kunden mit praxiserprobten Verfahren und Werkzeuge auf, um die Methodik des Service-Lifecycle-Management mit Leben zu erfüllen. Der Dreiklang aus Methodik, Verfahren und Werkzeugen wird allerdings nur dann Früchte tragen, wenn alle Projektbeteiligten sämtliche Bestandteile der Prozesskette, die den jeweiligen Service ausmachen, im Detail kennen. Nur unter dieser Voraussetzung können über durchgehende Prozesse kosteneffiziente, schnell bereitstellbare und stabile Services herausgebildet werden. Sie machen in der Summe eine IT-Fabrik aus, die sich durch die Vorteile »Cost«, »Speed« und »Control« auszeichnet.

Sind die IT-Services mit der Herausbildung der sie stützenden Ende-zu-Ende-Prozessketten sofort betriebsbereit?

Nein. Zwar unterliegen die IT-Services von der Strategiefindung bis zu ihrer Herausbildung der Methodik des Sevice-Lifecycle-Managements, die wiederum auf Regelwerken wie ITIL und der Norm ISO 20000 fußt. Die Inbetriebnahme von Services wird damit jedoch nicht beschrieben. Sie setzt eine zusätzliche Projektphase, eine Testphase, voraus. Nur wenn die einzelnen Services diese Phase bestehen, sind sie, um beim Produktbild aus der Industrie zu bleiben, auslieferungs- und vertriebsbereit. Deshalb hat Materna die Service-Lifecycle-Management-Methodik über geeignete Verfahren und Werkzeuge hinaus genau um diese Service-Testphase erweitert. Diese Phase stellt auch sicher, dass sämtliche involvierten Bereiche in die Prozessketten einbezogen werden. Dies, wiederum, ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Serviceerbringung von Anfang bis Ende, also durchgehend, automatisiert und gesteuert werden kann. Erst dann sind die Services fit für den praktischen Einsatz.

Cost, also Kosteneffizienz, ist nach Ihnen einer der drei wichtigen Vorteile einer IT-Fabrik. Welche Vorarbeit ist für diese Kosteneffizienz erforderlich?

Sie setzt eine eingehende und umfassende Kostenanalyse voraus. Für diese Analyse ist die Unternehmens-IT, Stand heute, oft nicht adäquat aufgestellt, mit Folgen: Die IT-Kosten werden nicht komplett, also einschließlich der IT-Nutzungskosten, erhoben. Die IT-Systeme werden, um auf der sicheren Verarbeitungs- und Speicherseite zu sein, kostentreibend überdimensioniert, statt sie bedarfsnah und kostensparend zu konsolidieren. IT-Mitarbeiter können mit den ihnen vorliegenden Informationen für die dringend anstehende Konsolidierung keine zielführenden Aussagen und Entscheidungen treffen, weil ihnen dafür schlichtweg das Wissen über die tatsächliche Nutzung und Auslastung der Systeme fehlt.

Dieser Problematik ist nur durch eine vollständige Kostenanalyse aller IT-Systeme entlang der Prozessketten beizukommen. Nur wenn die tatsäch-lichen Systemkosten und die Zuordnung von Systemen zu Prozessketten und Services transparent sind, ist es möglich, die IT bedarfsnah zu konsolidieren, was wiederum zu einer kosteneffizienten, schnellen und kontrollierten Servicebereitstellung im Sinne einer IT-Fabrik beiträgt.

Worauf sollten die Unternehmen auf dem Weg zu ihrer IT-Fabrik noch achten?

Unverzichtbarere Bestandteile einer IT-Fabrik sind ein Servicekatalog, eine hohe Datenqualität, ein dynamisches Change Management, Orchestrierung, Werkzeuge zur Automatisierung der Prozesse sowie ein Ende-zu-Ende-Service-Monitoring. Wichtig ist, dass alle diese Blöcke nahtlos zusammenwirken. So ist eine hohe Qualität der Daten, die von Disziplin zu Disziplin des IT–Service-Managements durchgereicht werden, für eine Automatisierung von Prozessketten und der darüber abgewickelten Services unverzichtbar. Die Orchestrierung dient dazu, die im Change Management modellierten und aufgebauten Schritte und Aufgaben mit den richtigen Werkzeugen zu transportieren und auszuführen, um so zur Prozess- und Serviceautomatisierung beizutragen. Die Automatisierungslogik selbst ist Teil einer leistungsfähigen Service Lifecycle Management Suite. Materna empfiehlt, die Automatisierungslogik nicht erst am Ende der Prozesskette eines Services wirken zu lassen. Diese Logik sollte bereits dort hinterlegt werden, wo Änderungen entworfen und konfiguriert werden, nämlich innerhalb des IT-Service-Managements.

Im Rahmen des IT-Service-Managements sollte auch untersucht werden, wie das Unternehmen über die drei Blöcke »IT-Service-Management«, »Orchestrierung« und »Automatisierung« die Kontrolle über ihre IT erlangen und behalten kann. Diese Kontrolle wird dadurch erreicht, indem immer wiederkehrende Prozesse mittels geeigneter Verfahren und Werkzeuge automatisiert werden.

Gibt es Modelle, die bei der Errichtung einer IT-Fabrik unterstützen?

Damit alle Disziplinen des IT-Service-Managements nahtlos zusammenwirken, hat Materna ein idealtypisches Best-Practice-Modell entworfen, an dem sich das Unternehmen gut orientieren kann. Dieses Best-Practice-Modell berücksichtigt alle Prozessschritte für eine automatisierte Bereitstellung von Services: von der Bestellung mittels Servicekatalog über das Initiieren und Verändern von Services bis hin zu ihrer Ausführung durch das Rechenzentrum. Das Modell bezieht zudem alle Bereiche der IT-Organisation ein, die an der Gestaltung der Ende-zu-Ende-Prozessketten unbedingt mitwirken sollten.

Wesentliche Unterstützung bietet auch ein maschinenlesbares Betriebshandbuch. In ihm ist hinterlegt, welche Schritte zum Erstellen oder Verändern eines Services notwendig sind und welche Aktionen die Rechner, Applikationen und Automatisierungs-Engines dazu anstoßen müssen. Materna hat dieses Handbuch in Form eines Service Description Repository abgebildet. Im Zusammenspiel von CMDB (Configuration Management Data Base) und maschinenlesbarem Betriebshandbuch wird dynamisch ein Change-Template erzeugt. Es liest alle Prozessschritte in der richtigen Reihenfolge aus und setzt sie korrekt um.

Wie sollte das Unternehmen das dennoch komplexe Vorhaben »IT-Fabrik« starten?

Wir empfehlen, das Best-Practice-Modell exemplarisch für einen ausgesuchten Service anzuwenden und diesen Service mit allen Bestandteilen umfassend zu beschreiben. Auf diese Weise machen sich die für das Projekt zuständigen Personen mit der geforderten Herangehensweise und der Ausgestaltung auch der anderen Prozessketten und Services vertraut. So vorbereitet können Unternehmen das hohe Ziel, eine durchdachte IT-Fabrik, reibungsloser, schneller und besser erreichen.


Das Interview führte Hadi Stiel, freier Journalist und Kommunikationsberater in Bad Camberg.

Illustration: © Aquir/shutterstock.com