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Es gibt Studien, die man liest und sofort weiß: Das Problem ist nicht die Zahl. Es ist die Haltung. Der Kündigungsreport 2026 gehört genau in diese Kategorie [1]. Er zeigt nicht nur, wie in Deutschland entlassen wird – sondern vor allem, wie wenig Professionalität viele Unternehmen im entscheidenden Moment ihres Arbeitsverhältnisses zeigen.
Und das ist bemerkenswert. Denn Kündigungen sind kein Betriebsunfall. Sie sind ein normaler Bestandteil wirtschaftlicher Realität. Nur: In Deutschland wirken sie oft wie ein Tabubruch, den man möglichst schnell, möglichst leise und möglichst emotionslos abwickeln möchte. Ein Verwaltungsakt, der sich selbst genügt.
Die Daten sprechen eine klare Sprache: 40 % der Kündigungsgespräche dauern unter fünf Minuten. Jeder Dritte darf nicht einmal seine Sicht äußern. Fast zwei Drittel unterschreiben das erste Abfindungsangebot – ohne Beratung, ohne Bedenkzeit. Das ist kein Prozess. Das ist Fluchtverhalten.
Die große Kommunikationsverweigerung
Was der Report zeigt, ist nicht primär ein Kündigungsproblem. Es ist ein Kommunikationsproblem.
Mehr als jeder Vierte wird ohne jedes Warnsignal entlassen – kein Feedback, keine Abmahnung, kein Hinweis. Das ist nicht nur unprofessionell. Es ist feige.
Und es ist gefährlich: Wer Menschen ohne Vorbereitung vor die Tür setzt, produziert Wut, Kränkung und langfristige Imageschäden. 27 % der schriftlich Gekündigten leiden langfristig unter Nachwirkungen, doppelt so viele wie bei persönlicher Kommunikation.
Dass die häufigste Emotion nach einer Kündigung Erleichterung ist, sollte Unternehmen übrigens nicht beruhigen. Es ist ein stiller Hilfeschrei: Viele Beschäftigte waren längst am Limit – und niemand hat es gesehen oder sehen wollen.
KI als Sündenbock – oder als Ausrede?
Besonders brisant: Der Anteil der »KI‑bedingten Kündigungen« steigt von 1 % auf 8 %. Das klingt dramatisch – und ist es vielleicht auch. Aber der Report bleibt vage: Was genau bedeutet »KI‑bedingt«? Wer definiert das? Und wie viele dieser Fälle sind schlicht Restrukturierungen, die nun ein technologisches Etikett bekommen?
Ohne klare Definition bleibt der Begriff ein Nebelwort – und ein bequemes.
Abfindungen: Die stille Kapitulation
Der Report zeigt ein weiteres Muster: Die meisten Menschen verhandeln nicht. Sie unterschreiben. Schnell. Zu schnell.
Das ist menschlich – aber es ist auch ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass Kündigungen in Deutschland nicht als Dialog, sondern als Drucksituation gestaltet werden. Wenn Gespräche fünf Minuten dauern, ist das kein Raum für Selbstbestimmung. Das ist ein Ultimatum.
Die unbequeme Wahrheit
Der Kündigungsreport 2026 hält Deutschland einen Spiegel vor. Und das Spiegelbild ist nicht schmeichelhaft.
Wir sind ein Land, das Arbeitsverhältnisse hochgradig reguliert – aber Trennungen erstaunlich unprofessionell handhabt. Ein Land, das über Employer Branding spricht – aber im entscheidenden Moment versagt. Ein Land, das Führungskräfte schult – aber sie im schwierigsten Gespräch allein lässt.
Kündigungen sind kein Verrat. Aber sie werden in Deutschland oft so behandelt.
Was sich ändern muss
Nicht die Zahl der Kündigungen ist das Problem. Sondern die Art, wie wir sie führen.
- Mehr Vorbereitung statt Überraschung.
- Mehr Dialog statt Monolog.
- Mehr Zeit statt Fünf‑Minuten‑Abfertigung.
- Mehr Respekt statt Formalismus.
- Mehr Professionalität statt Angst vor Emotionen.
Denn eines zeigt der Report unmissverständlich: Gut entlassen schützt die Arbeitgebermarke – schlecht entlassen zerstört sie.
Albert Absmeier & KI
[1] Über die Studie: Der Kündigungsreport 2026 von HR WORKS untersucht, wie Entlassungen in Deutschland aus Sicht der Beschäftigten ablaufen. Im Fokus der Studie steht, wie Unternehmen im Trennungsprozess kommunizieren und welche Folgen dies für die Betroffenen hat. Im April 2026 wurden 6.093 Beschäftigte mittels einer standardisierten Online-Umfrage durch das Marktforschungsinstitut Bilendi befragt. 825 dieser Befragten wurden eigenen Angaben zufolge in den vergangenen fünf Jahren entlassen. Befragt wurden Menschen zwischen 18 und 69 Jahren. Das Durchschnittsalter der entlassenen Befragten liegt bei 45 Jahren. Die Studie deckt Unternehmensgrößen von Kleinbetrieben bis Großunternehmen ab.
https://www.hrworks.de/downloads/kuendigungsreport-2026/
Kündigungsreport 2026 – Zusammenfassung
Der Kündigungsreport 2026 untersucht, wie Entlassungen in Deutschland aus Sicht der Beschäftigten tatsächlich ablaufen. Grundlage sind Erfahrungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die in den letzten fünf Jahren ihren Job verloren haben. Die Studie beleuchtet den gesamten Trennungsprozess – von der Vorbereitung über das Gespräch bis zu Abfindungen und emotionalen Folgen.
- Zentrale Erkenntnisse
- 40 % der Kündigungsgespräche dauern unter fünf Minuten.
- Nur 34 % der Betroffenen dürfen ihre Sicht schildern.
- Fast zwei Drittel akzeptieren das erste Abfindungsangebot – ohne Beratung oder Verhandlung.
- 13,5 % der Befragten wurden in fünf Jahren entlassen → hochgerechnet ~5 Mio. Menschen.
- KI‑bedingte Kündigungen steigen deutlich: von 1 % (2021) auf 8 % (2025).
- Jeder Siebte erhält keine Begründung für die Entlassung.
- 47 % gehen ohne Abfindung – in kleinen Unternehmen sogar 60 %.
- Status quo der Entlassungen in Deutschland
- Es existiert keine amtliche Statistik zu Kündigungen.
- Laut Studie wurden 13,5 % der Beschäftigten in den letzten fünf Jahren entlassen.
- Nach einem Rückgang 2022–2023 steigen die Entlassungen seit 2024 wieder:
- 2024: 22 %
- 2025: 25 %
- Betriebsbedingte Gründe dominieren mit 38 %.
- Kleine Unternehmen (51–100 MA) sind besonders betroffen:
- Jeder Vierte wurde dort entlassen – doppelt so viele wie in Großunternehmen.
- Branchenunterschiede:
- Consulting: jeder Dritte
- Medien/Marketing: jeder Achte
- Kommunikation im Kündigungsprozess
Vor dem Gespräch
- >25 % erleben die Kündigung ohne jedes Warnsignal:
- keine Abmahnung
- kein Feedback
- keine Hinweise
Im Gespräch
- 53 % der Gespräche verlaufen rein formal.
- Nur 34 % dürfen ihre Sicht darstellen.
- 40 % der Gespräche dauern unter fünf Minuten.
- Nur rund die Hälfte fühlt sich respektvoll behandelt – unabhängig davon, ob HR, Führungskraft oder Geschäftsführung kündigt.
- Die Studie zeigt: Der Prozess ist das Problem, nicht die Person.
- Emotionale Folgen
- Erleichterung ist die häufigste Emotion (32 %): → Viele empfanden die Arbeitssituation bereits vorher als belastend.
- Wut folgt knapp dahinter (~30 %):
- Hauptgrund: fehlende Unterstützung durch die Führungskraft.
- Zweithäufigster Grund: Gefühl, dass die Führungskraft „auf die Entlassung hingearbeitet“ hat.
- Art der Übermittlung beeinflusst die Nachwirkungen stark:
- Schriftliche Kündigung → 27 % leiden langfristig
- Persönliche Kündigung → 11 %
- Kündigungsgründe
- 38 %: betriebsbedingt
- 15,6 %: Stellenabbau
- 7,2 %: strategische Neuausrichtung
- ~12 %: leistungs- oder verhaltensbedingt
- 6 %: KI‑bedingte Kündigung (2025)
- 14 %: keine Begründung erhalten
Fehlende Begründungen haben Folgen: → Fast 50 % dieser Gruppe sind zum Befragungszeitpunkt noch arbeitsuchend.
- Abfindungen
- 47 % erhalten keine Abfindung.
- In kleinen Unternehmen: 60 % ohne Abfindung.
- Wer ein Angebot erhält, steht unter Zeitdruck:
- 26 % unterschreiben direkt im Gespräch.
- 36 % sagen mündlich zu und unterschreiben kurz danach.
- ~66 % akzeptieren das Erstangebot ohne Verhandlung.
- 25 % empfinden die Abfindung im Nachhinein als zu niedrig.
- Nur 8 % der Fälle landen vor Gericht.
- Auswirkungen auf Arbeitgebermarke
Der Kündigungsreport 2026 zeichnet ein klares Bild: Entlassen wird häufig, gut entlassen selten. Gespräche verlaufen kurz und nüchtern, Raum für Fragen und Emotionen gibt es kaum. Für Unternehmen ist die Trennung ein Verwaltungsakt. Für Betroffene ein emotionaler Einschnitt, der nachwirkt. Wut aus schlechten Trennungen richtet sich häufig gegen das Unternehmen und seine Führung. Und sie wirkt oft nach außen: etwa in Bewertungsportalen, in Gesprächen mit ehemaligen Kollegen oder in der öffentlichen Wahrnehmung. Wer Betroffene respektvoll behandelt, schützt also auch die eigene Arbeitgebermarke.
Fazit
Der Kündigungsreport 2026 zeigt ein deutliches Muster: Kündigungen in Deutschland sind oft schlecht vorbereitet, schlecht kommuniziert und emotional belastend – mit erheblichen Folgen für Betroffene und Unternehmen. Besonders kritisch sind fehlende Vorwarnungen, extrem kurze Gespräche, mangelnde Transparenz und vorschnell akzeptierte Abfindungen.
Albert Absmeier & KI
Kündigungsreport 2026: Fast jede dritte Arbeitsbeziehung scheitert
- Aktuelle Studie analysiert berufliche Trennungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Trennungsquote liegt bei 30 %.
- Knapp jeder achte Beschäftigte wurde in den vergangenen fünf Jahren entlassen.
- Fast jede zweite erfasste Entlassung entfällt auf die Jahre 2024 und 2025.
Die Trennungsquote auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat in den letzten beiden Jahren spürbar zugenommen. Das zeigt der aktuelle Kündigungsreport 2026 des HR-Software-Unternehmens HR WORKS [1]. Für die Studie wurden 6.093 Beschäftigte in Deutschland befragt. Demnach haben 30 % der Arbeitnehmer in den vergangenen fünf Jahren mindestens eine berufliche Trennung erlebt. 16 % kündigten selbst, bei 14 % initiierte der Arbeitgeber die Trennung.
Besonders auffällig: Der Anteil der Entlassungen stieg seit 2021 spürbar an. Fast die Hälfte der in der Studie erfassten Entlassungen (46 %) entfällt auf die Jahre 2024 und 2025. Allein 2025 wurden 24 % der Entlassungen ausgesprochen, 2024 waren es 22 %. Zum Vergleich: Auf das Jahr 2023 entfielen 15 %, auf 2022 lediglich 10 %. Im Corona-Jahr 2021 lag der Anteil bei 19 %.
Betriebsbedingte Gründe führen die Liste der Entlassungsgründe klar an
Bei den Begründungen für arbeitgeberseitige Trennungen dominieren betriebsbedingte Ursachen. 38 % der Entlassenen geben an, dass ihnen diese als Erklärung genannt wurden. Im Jahr 2025 lag dieser Anteil sogar bei 43 %. Dahinter folgen Stellenabbau (16 %) sowie strategische Neuausrichtungen (7 %). Personenbedingte Gründe spielen dagegen eine geringere Rolle. Im Detail: Die Leistung der Mitarbeitenden wurde in 12 % der Fälle als Kündigungsgrund genannt, das zwischenmenschliche Verhalten ebenfalls in 12 %. Immerhin jeder siebte Entlassene hat nach eigenen Angaben keine Begründung für seine Entlassung erhalten.
Auffällig ist die wachsende Bedeutung von künstlicher Intelligenz als Trennungsfaktor. 2021 lag der Anteil bei gut 1 %, 2025 bereits bei rund 8 %. Im Durchschnitt geben 6 % aller Entlassenen an, ihre Stelle sei durch KI-Entwicklungen schlicht überflüssig geworden.
Beratung, Immobilien und Energie mit besonders hohen Entlassungsquoten
Deutliche Unterschiede in der Trennungsstatistik zeigen sich zwischen den Branchen. Besonders hoch fällt die Entlassungsquote in der Beratungs- und Consultingbranche aus. Dort berichten 34 % der Beschäftigten von einer arbeitgeberseitig initiierten Trennung in den vergangenen fünf Jahren. Gleichzeitig liegt auch die Selbstkündigungsquote mit 27 % auf dem höchsten Wert aller betrachteten Branchen.
Ebenfalls hohe Entlassungsquoten zeigen sich in der Energiebranche sowie in der Immobilienwirtschaft mit jeweils 30 %. In der IT liegt der Anteil bei 27 %, im Handwerk sowie im Maschinenbau bei jeweils 25 %. Bei den Selbstkündigungen folgen auf Beratung und Consulting die Immobilienbranche mit 24 %, Gesundheit und Pflege mit 20 %, die IT mit 19 % sowie der Handel mit 18 %.
KMU stärker von Trennungen geprägt als Großunternehmen
Auch nach Unternehmensgröße zeigen sich Unterschiede. In Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden erlebten 11 % der Befragten eine arbeitgeberseitige Trennung in den vergangenen fünf Jahren. Deutlich höher liegen die Werte in kleinen und mittleren Unternehmen: In Betrieben mit 101 bis 300 Beschäftigten wurden 21 % der Befragten entlassen. In Unternehmen mit 51 bis 100 Mitarbeitenden liegt die Entlassungsquote sogar bei 25 %.
[1] Über die Studie: Der Kündigungsreport 2026 von HR WORKS untersucht, wie Entlassungen in Deutschland aus Sicht der Beschäftigten ablaufen. Im Fokus der Studie steht, wie Unternehmen im Trennungsprozess kommunizieren und welche Folgen dies für die Betroffenen hat. Im April 2026 wurden 6.093 Beschäftigte mittels einer standardisierten Online-Umfrage durch das Marktforschungsinstitut Bilendi befragt. 825 dieser Befragten wurden eigenen Angaben zufolge in den vergangenen fünf Jahren entlassen. Befragt wurden Menschen zwischen 18 und 69 Jahren. Das Durchschnittsalter der entlassenen Befragten liegt bei 45 Jahren. Die Studie deckt Unternehmensgrößen von Kleinbetrieben bis Großunternehmen ab.
https://www.hrworks.de/downloads/kuendigungsreport-2026/