Darum sollten Unternehmen 2022 in die Skills der Mitarbeiter investieren

Illustration: Absmeier Geralt

Auch im neuen Jahr ist die Pandemie leider noch nicht ausgestanden und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden uns noch lange begleiten. Wo liegen aktuell die Hürden für Unternehmen und können sich daraus vielleicht sogar neue Chancen ergeben? Hanns-Bertin Aderhold, Managing Director bei Cobrainer hat drei Trends identifiziert, die 2022 besonders prägen werden:

 

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  1. Neue Prioritäten nach der Pandemie

Unsicherheit, Stabilität oder Neuanfang? Die Erfahrungen, die Arbeitnehmer während der Corona-Pandemie machen, unterscheiden sich je nach Branche extrem. Im Gastronomie- und Eventbereich herrschen immer noch schwere Zeiten, während beispielsweise in der IT händeringend nach Fachkräften gesucht wird. Bei anderen Unternehmen änderte sich abgesehen von neuen Home-Office-Regelungen wenig.

Sobald die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, wird es unmöglich sein so weiterzumachen als wäre die Zeit 2019 stehen geblieben: Besonders das Recruiting muss die neuen Herausforderungen der letzten beiden Jahre berücksichtigen. Denn in der Zwischenzeit haben nicht nur viele Arbeitnehmer aus der Not heraus ihre angestammte Branche verlassen und andere Jobs angenommen, sondern Corona hat bei vielen auch ohne Jobwechsel den Wunsch nach einer Veränderung geweckt. Genau hier sollten Unternehmen jetzt aktiv unterstützen und den Angestellten bei einer Neuorientierung helfen. Viele Firmen bemerken derzeit auch, dass es mit der anziehenden Konjunktur schwerer wird, vakante Stellen zu besetzen – dafür benötigen sie flexible Lösungen. Ein vielversprechender Ansatz: mehr auf interne Kandidaten und deren Skills setzen, selbst wenn diese vielleicht zuvor in einem ganz anderen Job im Unternehmen eingesetzt wurden. Der Aufbruch in die postpandemische Wirtschaft hat das Potenzial zu einem Katalysator für einen neuen Arbeitsmarkt zu werden. Lebensläufe und Bestnoten werden 2022 zu Schnee von gestern. Was wirklich zählt, sind die Menschen und ihre Fähigkeiten.

 

  1. Frustration in der Belegschaft

Die Fortbildung wurde verschoben, die Dienstreise abgesagt, die Enge im Homeoffice nervt – es gibt eine Vielzahl von Dingen, die seit dem Beginn der Pandemie an der Motivation nagen. Unternehmen laufen Gefahr, dass die ehemals hochmotivierte Belegschaft in einen Alltagstrott verfällt und nur noch »Dienst nach Vorschrift« macht. Daher gilt es, jetzt Chancen für die Mitarbeitenden zu schaffen und Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen. Ein gutes Mittel: Online-Weiterbildungen, die die Skills in der Belegschaft ausbauen. Führungskräfte können die Zeit außerdem nutzen, um Entwicklungsgespräche mit ihren Mitarbeitenden zu führen und deren Ziele besser zu verstehen. Wenn es Unternehmen gelingt, ihre Mitarbeitenden genau so zu fördern, dass dies auf deren persönliche Ziele einzahlt, gewinnen beide Seiten: Die Angestellten sind motivierter, glücklicher und fühlen sich wertgeschätzt. Dadurch arbeiten sie effizienter und binden sich langfristig ans Unternehmen – eine klassische Win-Win-Situation.

 

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  1. Das Ende der »Workplace Gimmicks«

Bis vor kurzem waren Obstkörbe, Tischkicker oder Kaffeeflatrates in fast jeder Stellenanzeige ein beliebter Anreiz für Bewerber. Dass man dies aktuell nicht mehr so häufig sieht, könnte natürlich auch mit dem Homeoffice zu tun haben. Allerdings mehren sich auch die Gegenstimmen, die eine Rückbesinnung auf echte Unternehmenskultur und Werte fordern, statt »nur« auf spaßige Atmosphäre im Büro zu setzen. Dass Unternehmen konsistente Werte definieren und einem »Purpose« folgen ist sicherlich wichtig, für den einzelnen Mitarbeitenden zählt jedoch vor allem die persönliche Weiterentwicklung. HR-Abteilungen sollten daher mit wirklich attraktiven Angeboten aufwarten, um sich von der Konkurrenz abzuheben und die Belegschaft zu binden. Unternehmen, die die Menschen in den Mittelpunkt stellen und bestmöglich fördern, wird die Zukunft gehören. Zwar ist das deutlich aufwändiger als einen Tischkicker anzuschaffen, wird sich aber langfristig für beide Seiten lohnen.