Was der Handelskonflikt kosten könnte

Der Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Handelspartnern könnte in den kommenden Wochen und Monaten weiter eskalieren. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass US-Präsident Trump seine Drohung wahr machen sollte und Strafzölle auf Autoimporte erheben ließe. Wie die Infografik von Statista zeigt, würden dies die absoluten Kosten und die Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt gegenüber den bereits eingeführten Zöllen auf Stahl und Aluminium übertreffen. Für Deutschland wäre der wirtschaftliche Schaden in absoluten Zahlen im Falle von Auto-Strafzöllen höher als für China, Kanada oder andere EU-Länder. Den Schaden durch die Strafzölle für Aluminium und Stahl mitgerechnet, wäre Kanada insgesamt am stärksten belastet. Matthias Janson

https://de.statista.com/infografik/14652/prognose-des-wirtschaftlichen-schadens-der-us-strafzoelle/

 


 

Handelskonflikt: Trump hat eine »verzerrte Wahrnehmung«

Illustration: Absmeier

Der ifo-Handelsexperte Gabriel Felbermayr hat US-Präsident Donald Trump eine »verzerrte Wahrnehmung« vorgeworfen. »Er spricht nur von dem US-Defizit bei den Waren, verschweigt aber, dass die USA bei Dienstleistungen und Unternehmensgewinnen einen massiven Überschuss gegenüber der EU erwirtschaften«, sagte Felbermayr am Freitag zum Auftakt des G7-Gipfels. »Nach den eigenen Zahlen der Amerikaner steht unter dem Strich der Leistungsbilanz ein Plus von 14 Milliarden Dollar für die USA. Diese ›schwarze Null‹ steht dort übrigens schon seit 2008. Die USA haben Wettbewerbsvorteile in der ›New Economy‹, vor allem bei digitalen Dienstleistungen: Apple, Amazon, Facebook, Google und Konsorten lassen grüßen. In der ›Old Economy‹, bei Autos, Maschinen, diversen Konsumgüter, sogar bei Nahrungsmitteln, hat die EU einen Wettbewerbsvorteil.«

Felbermayr räumte ein, die Daten des US-Handelsministeriums wiesen zwar ein Leistungsbilanzdefizit mit Deutschland von 65 Milliarden Dollar aus. »Doch es ist falsch, einzelne Mitgliedsstaaten der EU herauszupicken. Die EU ist eine Zoll- und Wirtschaftsunion, in der die einzelnen Mitglieder eng verbunden sind. Der US-Überschuss in der Höhe von fast 100 Milliarden Dollar mit den Niederlanden ist zu weiten Teilen Deutschland zuzurechnen.« Denn amerikanische Internetriesen bedienten den deutschen Markt über steuerliche Niederlassungen in den Niederlanden. Ähnliche Muster gebe es mit Irland.

Felbermayr warnte: »Beide Partner sind hochgradig verletzlich. Beide würden bei einem eskalierenden Handelskrieg verlieren. Europa muss nun Einigkeit zeigen, und den Amerikanern die eigenen Zahlen verdeutlichen. Europa muss auch bereit sein, in der Digitalwirtschaft Gegenmaßnahmen in den Raum zu stellen, beispielsweise die von der EU-Kommission ins Gespräch gebrachte Digitalsteuer, falls die Amerikaner Zölle auf europäische Autos erheben sollten.«

US-Präsident Trump hatte vor dem Gipfel in einem Tweet beklagt, die USA hätten ein Defizit von 151 Milliarden Dollar mit der EU. Die Zahl des US-Wirtschaftsministeriums lautet allerdings 153 Milliarden Dollar. Die vollständigen Zahlen finden sich in der Tabelle hier:

US Leistungsbilanz nach Sektoren und Partnerländern, in Milliarden US-Dollar

Old Economy New Economy Leistungs-
bilanz-
saldo
Güterhandel Dienstleistungen und Primäreinkommen
Credit Debit Saldo Credit Debit Saldo
EU28 285 438 -153 677 510 167 14
Deutschland 53 118 -65 67 67 0 -65
Frankreich 34 49 -15 43 38 5 -10
Italien 18 50 -32 15 16 -1 -33
Vereinigtes Königreich 57 54 3 186 140 46 49
Eurozone 211 345 -134 458 342 116 -18
Niederlande 42 18 24 112 38 74 98
Rest Eurozone (Irland) 32 94 -62 158 93 65 3
Kanada 283 306 -23 126 89 37 14
Mexiko 243 320 -77 49 60 -11 -88
Japan 69 138 -69 99 109 -10 -79
China 131 506 -376 75 58 17 -358
Rest der Welt 540 654 -113 831 687 144 30
Welt 1551 2362 -811 1857 1513 344 -467
Quelle: US Department of Commerce, Bureau of Economic Analysis.
https://www.bea.gov/iTable/iTable.cfm?ReqID=62&step=1#reqid=62&step=3&isuri=1&6210=1&6200=3
Bei Rückfragen: Prof. Gabriel Felbermayr Ph.D., 089/ 9224 1428; Felbermayr@ifo.de

 


 

 

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