Digitales Vertrauen wird zum Erfolgsfaktor

Illustration: Absmeier RosZie

Die neuen Technologien verändern die Geschäftsmodelle der Medienbranche und das Konsumverhalten zunehmend. Für die Anbieter von Medien- und Unterhaltungsdiensten kommt es daher darauf an, dass Kunden und Auftraggeber ihren digitalen Angeboten Vertrauen entgegenbringen. Das kann nur gelingen, wenn sie zusammenarbeiten und Konsortien mit Verbraucherbeteiligung gründen.

 

Die Mediennutzung und -produktion sind einem permanenten Wandel unterworfen. Für die Anbieter von digitalen Medien- und Unterhaltungsdiensten ist es vor diesem Hintergrund nicht leicht, relevante Angebote mit einem Mehrwert für den Nutzer zu liefern. Auch die zu erwartende Verschmelzung von realen, virtuellen und sogar falschen Welten durch soziale Medien, Web3 und Metaversum ist eine große Herausforderung für die Branche. Wie lässt sich vor diesem Hintergrund eine sichere und widerstandsfähige Medien- und Unterhaltungsindustrie bewahren, die das »digitale Vertrauen« der Nutzer genießt?

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Die folgenden drei Faktoren können dazu beitragen:

 

Der neue Verbraucher

Der Markt von heute ist vielschichtig. Verbraucher können das Angebot an verfügbaren Inhalten individuell auf sich zuschneiden. Wer zum Beispiel nur an Fußball interessiert ist, wählt das Sportpaket – anstelle eines Angebots mit Dutzenden von Kanälen.

Neben Streaming-Diensten erledigt der moderne Kunde eine Vielzahl von Angelegenheiten online – etwa seine Bankgeschäfte, Reisebuchungen oder den Kauf von Konzertkarten. Dieser Komfort hat jedoch seinen Preis. Jede Transaktion trägt zum digitalen Fußabdruck des Verbrauchers bei – ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Durch die zunehmende Fragmentierung und Individualisierung wächst die Gefahr, Cyber-Angriffen zum Opfer zu fallen. Und damit schwindet das Vertrauen zwischen Anbietern und Konsumenten.

Um in einem zunehmend fragmentierten Markt »digitales Vertrauen« zu schaffen, also dafür zu sorgen, dass sich die Kunden sicher und geschützt fühlen, sollten sich die Medienbetreiber in Konsortien zusammenschließen, um gemeinsam vertrauenswürdige Lösungen zu entwickeln.

 

Dezentrale Geschäftsmodelle

Erfolgsentscheidend sind dabei neue Mehrwertdienste mit der nötigen Konnektivität, um Inhalte und komplexe digitale Lebensstile sicher zu verwalten. Das Web3 stellt mit Blockchain, Dezentralisierung und Tokens alle herkömmlichen Geschäftsmodelle auf den Kopf. Denn mit der dezentralen Datenspeicherung unterliegen Systeme nicht mehr einer einzigen Kontrollinstanz. Auch der Zugang zu sensiblen Daten erfolgt dezentral. Das heißt, Verbraucher besitzen einen einzigen Satz an Anmeldeinformationen, mit dem sie jeweils nur für einen bestimmten Zweck und für bestimmte Zeit Zugriff erhalten. Bei der Buchung einer Kinokarte beispielsweise erhält der Kinobetreiber Zugriff auf die digitale Brieftasche des Kunden und stellt ein zeitlich begrenztes Token mit den Zahlungsinformationen zur Verfügung. Auch beim Check-In am Flughafen erfolgt der Zugriff über ein nur für eine begrenzte Zeit gültiges Token, das Angaben zum Reisepass beziehungsweise Visum und Reisepräferenzen enthält.

Beim Web3 werden Daten und Transaktionen in einer Blockchain gespeichert, also auf verteilten Ledgern. Das heißt, alle Netzwerk-Teilnehmer nutzen diese Informationen gemeinsam, niemand hat die volle Kontrolle darüber. Ob im Finanzwesen oder im Unterhaltungsbereich – mit dem dezentralisierten Modell sind die Daten und Transaktionen der Nutzer vor Missbrauch oder Diebstahl geschützt. Der Einzelne erhält mehr Kontrolle über seine Daten und seine Identität als je zuvor. Und genau dadurch entsteht digitales Vertrauen. Gemeinsam mit Technologiepartnern, die dieses Vertrauen genießen, können Medienanbieter neue und sichere Formen der Geschäftsabwicklung realisieren.

 

Digitales Vertrauen spielt die zentrale Rolle

Einzelpersonen und Regierungen verlangen zunehmend, dass Unternehmen bei der Entwicklung digitaler Dienste die gesellschaftlichen Werte und die Erwartungen berücksichtigen. Für Vertrauen in Medien- und Unterhaltungstechnologien sorgen laut Earning Digital Trust Insight Report derzeit vor allem Maßnahmen für die Cybersicherheit, ein wirksamer Schutz der Privatsphäre, Transparenz, Überprüfbarkeit, Interoperabilität sowie die Wiedergutmachung im Schadensfall.

Das Web3 ist noch in seiner Entstehung begriffen. Doch es verspricht den Verbrauchern, Daten, Funktionen, Werte und effizientere Anwendungen in sich zu vereinen. Damit wird das digitale Vertrauen zu einem strukturell bestimmenden Faktor in den Beziehungen zwischen Einzelpersonen und Diensten. Digitales Vertrauen entwickelt sich zum Garanten für die Authentizität sozialer Interaktionen und für die Integrität kommerzieller Transaktionen. Darauf kommt es vor allem für Branchen der Medien- und Unterhaltungsindustrie an, in denen Vermögenswerte ausgetauscht und gehandelt werden.

»Die Medienbetreiber sollten sich daher zu Konsortien mit Verbraucherbeteiligung zusammenschließen, um das digitale Vertrauen sicherzustellen«, empfiehlt Nancy Goldberg, Executive Vice President, Chief Marketing and Sales Officer bei der Kudelski Group. »Indem sie für die Integrität der Interaktionen sorgen, können sie innovative Technologien vorantreiben