Metaverse: Sollten Unternehmen auf den Zug aufspringen?

Illustration: Absmeier, Tumisu

Wie soll das Internet der Zukunft aussehen? Experten, Journalisten und Unternehmen diskutieren diese Frage derzeit leidenschaftlich und kaum ein Begriff fällt dabei so häufig wie »Metaverse«. In die Öffentlichkeit katapultiert durch die Neuausrichtung von Facebook und der Umbenennung in Meta im letzten Jahr, ist das Konzept noch mit vielen Fragezeichen versehen: Was genau ist das Metaverse überhaupt, was macht man dort und wie können Menschen und Unternehmen daran teilhaben? Thomas Bedenk, VP Extended Reality bei Endava, gibt Antworten.

 

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  • Metaverse – was ist das überhaupt?

Universell kann das noch keiner beantworten – je nachdem, wen man fragt, bekommt man unterschiedliche Antworten. Ist das Metaverse eine virtuelle Welt, in der wir künftig alle leben, arbeiten und Unterhaltung suchen, ist es alles, was aktuell in Sachen Digitalisierung passiert, oder ist es einfach ein dezentralisiertes Web 3.0? Es ist noch nicht einmal klar, ob wir über ein einziges Metaverse sprechen oder über mehrere, die möglicherweise miteinander verbunden sind. Im Großen und Ganzen geht es aber darum, die reale und die virtuelle Welt stärker miteinander zu verflechten und Nutzern zu ermöglichen, sich in dieser Welt zu bewegen und sie zu gestalten. Damit ist das Metaverse im Grunde eher eine Evolution als eine Revolution. Denn 3D-Onlinewelten gibt es bereits seit vielen Jahren.

 

  • Warum ist die Diskussion um das Metaverse derzeit so präsent?

Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Das Konzept des Metaverse ist zwar nicht neu, ist aber erst im letzten Jahr durch Facebook in den Blickpunkt geraten. Aufgrund der technologischen Fortschritte scheint die Verknüpfung von realer und virtueller Welt inzwischen eine greifbare Zukunftsvision. Mit der Umbenennung in Meta macht das Unternehmen auch deutlich, dass es seine Zukunft ganz auf das Metaverse setzt. Inzwischen haben zahlreiche weitere Unternehmen nachgezogen und ihre ersten eigenen Metaverse-Erfahrungen geschaffen.

Aber auch unser verändertes (Konsum-)Verhalten spielt eine Rolle: Nicht zuletzt durch die Covid-19-Pandemie findet heute schon ein Großteil unseres Lebens online statt. Wir kaufen auf digitalen Plattformen Lebensmittel und andere Waren ein, streamen Filme und Serien, erledigen Bankgeschäfte per App, chatten per Messenger mit Freunden und arbeiten mithilfe digitaler Tools von zuhause aus. Das Metaverse könnte dabei der nächste Schritt sein. Onlinespiele prägen zudem die Erwartungen an (virtuelle) Erlebnisse: Dort entstehen ganze Wirtschaftssysteme und weisen in dieser Hinsicht schon Züge eines Metaverse auf. Bei den Diskussionen rund um das Metaverse geht es deshalb auch darum, wie wir die Zukunft der digitalen Wirtschaft gestalten. Denn virtuelle Güter sind reale Güter; sie haben einen Wert, auch wenn sie keine physische Repräsentation haben.

 

  • Welche Chancen bietet das Metaverse Unternehmen?

Die eigentliche Währung unserer Zeit ist Aufmerksamkeit – und der Kampf um Aufmerksamkeit im Metaverse hat bereits begonnen. Wer ein Stück vom Kuchen abhaben will, sollte deshalb nicht auf eine feste Definition warten, was das Metaverse überhaupt ist, sondern anfangen, neue, einzigartige Erlebnisse zu schaffen, die Verbraucher zu begeistern und ihnen einen Mehrwert, eine Erfahrung zu bieten. Dabei können Unternehmen viel mehr über die Interessen und Absichten ihrer Nutzer lernen und so ihr Angebot immer weiter an diese anpassen und ausbauen. Gleichzeitig sollten sie Aspekte wie Vertrauen und Datenschutz in den Mittelpunkt rücken.

Gerade jetzt ist die Zeit gekommen, mit Technologien wie Augmented oder Virtual Reality und den Möglichkeiten von Cloud, Edge Computing und Machine Learning zu experimentieren und Neues auszuprobieren – die Grundsteine sind vielerorts gelegt, nun geht es darum, diese zu nutzen. Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen, was sich ihre Kunden wünschen, sich auf Echtzeit-3D vorbereiten und ihre Produkte rechtzeitig auf den entsprechenden Plattformen positionieren. Das zeigt deutlich: Digitalisierung ist kein einmaliger Prozess, der einen Endstatus erreicht, sondern muss immer weiter vorangetrieben und an neue Entwicklungen angepasst werden.

  • Wie sollten Unternehmen dabei vorgehen?

Der Schlüssel liegt darin, alle verfügbaren Technologien – VR, AR, Echtzeit-3D, KI, Cloud, etc. – nicht isoliert zu betrachten, sondern als eine Architektur und herauszufinden, wie man sich diese bestmöglich zunutze machen kann. Dafür müssen Unternehmen überlegen, welche Szenarien für ihr Geschäft, ihre Produkte oder Services geeignet sind und wie sich diese umsetzen lassen: Was sollen und wollen die eigenen Kunden erleben und inwieweit sollen sich reale und virtuelle Welt überschneiden? Dabei sollten Unternehmen einem agilen, iterativen Prozess folgen, der auf eine beschleunigte Digitalisierung einzahlt. Denn auch mit der besten Strategie kennen sie nicht von Anfang an alle Puzzleteile, die sie im Laufe der Entwicklung einfügen müssen. Vor allem aber sollten Unternehmen jetzt die Chance nutzen, das Metaverse mitzugestalten.