Vorsorge treffen: Wie kann der digitale Nachlass unbürokratisch geregelt werden?

illu aa alsbridge robotics rip2Pro Jahr gibt es rund 175.000 deutsche Facebook-Konten, auf die niemand mehr Zugriff hat. Was geschieht mit diesen Facebook-, aber auch mit E-Mail- und PayPal-Accounts, wenn der Besitzer stirbt? Unternehmen und Anwälte bieten für teures Geld ihre Dienste an. Günstiger und einfacher lässt sich der digitale Nachlass mit einem Passwort-Manager regeln.

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher starb vor einem Jahr – am 12. Juni 2014. Bei Twitter scheint er jedoch noch aktiv zu sein. Dasselbe gilt für den 2012 verstorbenen Schauspieler Dirk Bach: In seinem letzten Tweet verkündet er, dass er im Urlaub bestimmt häufiger twittern werde – als ob er nur kurz verreist wäre.

Das sind nur zwei promintente Beispiele vom »digitalen Friedhof«. Nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. sterben jedes Jahr rund 175.000 deutsche Facebook-Nutzer, ohne bestimmt zu haben, was mit ihren Daten geschieht. Hinterbliebene, die sich um den digitalen Nachlass ihrer Lieben kümmern wollen, stehen oft vor nahezu unlösbaren bürokratischen Hürden. So verlangt zum Beispiel Google für die Kündigung eines E-Mail-Kontos nicht nur eine Sterbebescheinigung in englischer Sprache, sondern auch einen Nachweis, dass der Account tatsächlich dem Verstorbenen gehörte.

Es empfiehlt sich also, frühzeitig für den Fall des eigenen Ablebens vorzusorgen – und das ist einfacher, als man denkt. Passwort-Manager [1] verwalten nicht nur alle Internet-Passwörter. In sogenannten »Identitäten« können wichtige Daten wie Ausweis-, Führerschein- oder Steuernummern hinterlegt werden. Alles was nun noch getan werden muss, ist eine Nachricht mit dem Masterpasswort für einen vertrauenswürdigen Menschen zu hinterlegen. Dieser hat dann Zugriff auf alle Accounts und kann diese auf den einfachen, vorgesehenen Wegen kündigen. Gleichzeitig stehen dieser Person alle Angaben für die Kommunikation mit den Behörden zur Verfügung.

Für den Fall, dass auch der Computer nicht mehr zugänglich sein sollte, kann die verschlüsselte Datei mit den Zugangsdaten mit der mobilen Software auf einem USB-Stick gespeichert werden. Dieser kann dann für den Notfall an einem sicheren Ort hinterlegt werden. Da das Programm direkt auf dem USB-Laufwerk ausgeführt wird, lässt es sich auf jedem beliebigen Computer benutzen, ohne dass persönliche Daten zurückgelassen werden. Auch im Verlustfall droht keine Gefahr, denn der Inhalt des Sticks ist verschlüsselt und kann nur mit dem Masterpasswort zugänglich gemacht werden.

[1] Wie etwa RoboForm von Siber Systems

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