Crashtest für die IT-Sicherheit

Warum Zulieferer für die Automobilbranche ihre Business-Continuity- und Disaster-Recovery-Lösungen aufrüsten müssen, um ein höheres Maß an IT-Resilience zu erreichen.

 

Im Jahr 2016 stoppten zwei Automobilzulieferer die Belieferung ihres Kunden Volkswagen. Dies führte bei Volkswagen zu erheblichen Verzögerungen in der Produktion und führte zu Verlusten von schätzungsweise 100 Millionen Euro. Diese damals sehr öffentliche Konfrontation veranschaulichte aber auch, wie anfällig die komplexe Automobil-Zulieferkette für Störungen sein kann. Da die IT-Anwendungen in diesem komplexen System immer wichtiger werden, haben die Automobilhersteller damit begonnen zu prüfen, ob die IT ihrer Zulieferer auf dem neuesten Stand und nicht durch ungeplante Ausfallzeiten gefährdet ist. Damit rücken die BC/DR-Strategien der Automobilzulieferer in den Fokus ihrer Hauptkunden. Für diese Lieferanten ist es an der Zeit, zu prüfen, ob ihre Strategien aktuell sind. Falls nicht, sollten sie auf eine modernere IT-Resilienz-Lösung umsteigen.

 

Systemausfälle passieren – und sind ein großes Risiko für Hersteller und Zulieferer

Systemausfälle passieren relativ häufig aus den verschiedensten Gründen. Ist ein Unternehmen betroffen, sorgen sie aus Unternehmenssicht für unschöne Schlagzeilen, einschließlich hoher Umsatzeinbußen. Der Automobilbau ist ein gutes Beispiel für eine Branche, die von Systemausfällen stark bedroht ist, da die Lieferkette für die Lieferung dieser Zehntausende von Teilen in Echtzeit an die Produktionslinie nicht nur enorm komplex, sondern auch in hohem Maße durch IT-Technologie untermauert ist. IT hilft Zulieferern, Herstellern und Logistik, Hand in Hand zu arbeiten, um die Produktionslinien am Laufen zu halten. Von den vielen Gründen, warum IT-Systeme ausfallen könnten, sind Ausfälle aufgrund logischer Fehler die bedrohlichsten für die Automobilindustrie.

Auf der technischen Ebene gibt es bereits Strategien, um Systemausfälle theoretisch zu verhindern: Synchrone Spiegel in Verbindung mit Snapshots und Backups sollen die Verfügbarkeit gewährleisten. Angesichts erfolgreicher Ransomware-Angriffe und regelmäßiger Systemausfälle, die theoretisch nicht hätten passieren dürfen, beginnen viele Unternehmen zu erkennen, dass ihre Investitionen in Disaster-Recovery-Technologie sie nur vor Hardware-Ausfällen schützt und nicht vor logischen Fehlern wie Ransomware oder menschlichen Fehlern.

 

Der bisherige Standard für DR-Technologie: Der Stretched Cluster

Um zu verstehen, warum es mit dem derzeitigen Stand der Technik noch immer regelmäßig zu Ausfällen kommt, muss man sich ansehen, auf welchen aktuellen Technologien BC/DR-Strategien aufgebaut sind. Um die bestmögliche Betriebszeit zu erreichen, haben Unternehmen in teure Stretched Cluster investiert, um Hardwareausfällen theoretisch zu widerstehen. Snapshots und regelmäßige Backups auf der Softwareseite sollen RPOs und RTOs auf ein Minimum reduzieren. Der gestreckte Cluster bietet – im besten Fall – ein transparentes Failover im Falle eines Hardwareausfalls oder gar einer kompletten Katastrophe, die einen ganzen Standort betrifft. Die Nachteile des gestreckten Clusters als Basis für BC/DR sind seine hohen Kosten und Komplexität und die oft übersehene Tatsache, dass er nicht ohne Weiteres vor logischen Fehlern oder verlorenen Daten von Anwendungen schützt. Eine BC/DR-Strategie mit einem gestreckten Cluster auf der Hardwareseite und Snapshots und Backup-Technologie auf der Softwareseite lässt den Anwender Systeme und Daten nur in den Intervallen von gespeicherten Snapshots und Backups wiederherstellen. Außerdem benötigt die Technologie einen sehr hohen Speicherbedarf.

 

Die Wahl als Lieferant kann davon abhängen, eine widerstandsfähige IT zu haben

Die Qualität und der Preis eines zugekauften Autoteils sind für einen Automobilhersteller natürlich wichtig. Ebenso wichtig für den Autobauer ist jedoch die Fähigkeit des Lieferanten, pünktlich und ohne Ausnahmen zu liefern. Ein »Tut mir Leid, unsere Systeme waren wegen ungeplanter Wartung ausgefallen«, wird nicht als Entschuldigung akzeptiert. Genauso wenig wie »Es war auch nicht unsere Schuld – wir wurden von Ransomware-Erpressern gehackt!« Weil die Branche stark von IT-Systemen abhängig ist, haben die Automobilhersteller begonnen, die Widerstandsfähigkeit ihrer Geschäftspartner gegen IT-Systemausfälle zu prüfen.

Der Nachweis, dass ihre IT widerstandsfähig ist und jeder Katastrophe standhält, ob nun von Natur oder von Menschen verursacht, kann eine größere Herausforderung sein als der Qualitätsnachweis eines Handschuhfachs. Dem CEO eines Lieferanten wird irgendwann die Forderung gestellt, zu beweisen, dass seine IT jederzeit der Aufgabe gewachsen ist, Teil der komplexen Supply Chain zu sein. Ein dokumentierter Disaster-Recovery-Test, der regelmäßig durchgeführt werden sollte, kann beweisen, dass die Systeme einem ungeplanten Ausfall standhalten und in kürzester Zeit wieder online sind. Tatsächlich ist dieser Nachweis für Unternehmen mit veralteten BC/DR-Strategien basierend auf Stretched-Cluster-Technologien oft sehr schwierig zu erbringen. Die Technologie garantiert die Verfügbarkeit zum einen nur auf der Hardwareebene und macht es zum anderen oft schwierig, überhaupt einen DR-Test erfolgreich durchzuführen. Ohne DR-Test ist es jedoch schlicht unmöglich nachzuweisen, dass die IT eines Unternehmens widerstandsfähig genug ist, um keine Gefahr für die Supply Chain zu sein.

 

Stand der Technik für BC/DR ist nicht BC/DR. Es ist IT-Resilienz.

IT-Resilienz verspricht, den Schutz gegenüber herkömmlichen BC/DR-Strategien zu erhöhen und gleichzeitig, die Infrastrukturen so flexibel zu gestalten, dass sowohl geplante als auch ungeplante Ausfälle vermieden werden. Die Basis einer IT-Resilienz-Plattform ist Continuous Data Protection (CDP). CDP ist der aktuelle Stand der Backup-Technologie und wird oft als kontinuierliches Backup oder Echtzeit-Backup bezeichnet. Der Unterschied zu herkömmlichen BC/DR-Strategien mit vollen Backups und Snapshots besteht darin, dass CDP jede einzelne Änderung automatisch auf Blockebene speichert. Dies bedeutet, dass die Sicherung nicht mehr in Intervallen, sondern kontinuierlich in einem Journal gespeichert wird.

Um die Risiken ihrer Zulieferer einzuschätzen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre Partner auffordern, ihre Fähigkeit zu beweisen, IT-Systemausfällen zu widerstehen. Alle beteiligten Partner müssen die Schwächen der derzeit weit verbreiteten BC/DR-Strategien verstehen, die nur vor Hardwareausfällen, nicht aber vor logischen Fehlern schützen. Um allen möglichen Gründen für geplante oder ungeplante Systemausfälle widerstehen zu können, müssen Lieferanten ihre BC/DR-Lösungen aufrüsten, um eine höhere IT-Resistenz zu erreichen.

Johan van den Boogaart

Johan van den Boogaart ist Regional Sales Manager bei Zerto, blickt auf fast zwei Jahrzehnte Erfahrung in der IT-Branche zurück und bekleidete während seiner Karriere verschiedene Vertriebspositionen in den Bereichen Storage, Disaster Recovery und Virtualisierung. Vor Zerto verantwortete Boogaart den Vertrieb von Nexenta und Open-E in der deutschsprachigen Region als Sales Manager. Bei Acronis bekleidete er davor den Posten des OEM/ Corporate Account Managers. Boogaart ist Diplom Kaufmann und Absolvent der Universität Groningen.

 


 

Resilienz statt Robustheit: Neues Sicherheitskonzept für die Energieversorgung

IT-Resilienz wichtiger denn je

Vorstände tun zu wenig für Cybersicherheit

Cybersicherheit: Angriff auf deutsche Stromlieferanten

Günstigere Kreditzinsen mit der richtigen BC-DR-Strategie?

Informationssicherheit der Automotive-Branche im roten Bereich

Weitere Artikel zu