Bei einer Fußballweltmeisterschaft treten die besten Teams der Welt gegeneinander an und die allerbeste Mannschaft wird Weltmeister. So war es zumindest bei der überwiegenden Mehrheit der Turniere seit 1930. Bei der 1994 in den USA ausgetragenen WM waren beispielsweise 24 Mannschaften dabei. Bei der FIFA-Weltmeisterschaft der Herren 2026 in Mexiko, Kanada und den USA sind es dagegen doppelt so viele. Dadurch können sich zwar auch kleinere Verbände, wie beispielsweise der Karibikstaat Curaçao, auf der großen Fußballbühne zeigen, dafür steigt aber das finanzielle Gefälle. Im Ergebnis ist das etwa so, als ob Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga sowie der 3. Liga ein Turnier austragen würden. So ist beispielsweise der Kader des zweimaligen Weltmeisters Frankreich 70 Mal so viel Wert wie der von Jordanien oder Katar. Diese Teams mögen trotzdem Außenseiter-Chancen haben, aber ein Turnier auf Augenhöhe ist das nicht. Mathias Brandt

Fußball-WM 2026: Wie Cyberkriminelle beim größten Sportereignis mitspielen
Nach dem Anpfiff ist vor dem Angriff
foto magnific ki
Millionen Menschen weltweit fiebern mit ihren Nationalmannschaften bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft in den USA. Doch während Fans Tore bejubeln, Spielstatistiken verfolgen und Livestreams einschalten, beobachten Cyberkriminelle das Geschehen mit ganz anderen Absichten. Sören Schulte*, E-Mail-Security-Experte bei Retarus, erklärt, warum globale Sportereignisse regelmäßig zur Hochsaison für E-Mail-basierte Angriffe werden und was Unternehmen tun können, um ihre Mitarbeiter und sich selbst zu schützen.
Große Sportereignisse sind für Cyberkriminelle aus einem einfachen Grund attraktiv: Sie liefern emotionalen Kontext. Wenn Millionen Menschen gleichzeitig auf Ergebnisse, Streaming-Links, Wettquoten und Nachrichten rund um ihre Lieblingsmannschaften warten, sinkt die Hemmschwelle, auf einen Link zu klicken oder einen Anhang zu öffnen. Genau diese Kombination aus Neugier, Zeitdruck und Emotionalität nutzen Angreifer gezielt aus.
Der gefährlichste Gegner steht nicht auf dem Platz
Die Angriffsmuster sind dabei alles andere als neu, lediglich das Thema wird an das aktuelle Turnier angepasst. In den Wochen rund um die WM lässt sich ein deutlicher Anstieg Phishing-basierter Betrugsversuche feststellen. Als Köder dienen dabei vor allem:
- Streaming-Angebote – gefälschte Links zu angeblichen Gratis-Livestreams
- Wett- und Gewinnspielaktionen – vermeintliche Sonderangebote oder Bonusaktionen
- Breaking News – eilige Meldungen zu Spielern, Mannschaften oder Turnierergebnissen
- Spielberichte und Analysen – Anhänge, die Schadsoftware enthalten
Hinzu kommt ein spezifisches Risiko dieser Turniersaison: Rund um die WM entstehen in kürzester Zeit zahlreiche neue Websites für Analysen, Fan-Foren oder Streaming. Da solche Seiten oft unter enormem Zeitdruck aufgebaut werden, verfügen sie nicht immer über ein ausreichendes Sicherheitsniveau. Selbst legitime Seiten können kompromittiert werden und unbemerkt Schadcode verbreiten. Wer auf einen präparierten Link klickt, kann sich so allein durch den Besuch einer Webseite Malware einfangen – ganz ohne weitere Interaktion. Dass das kein theoretisches Risiko ist, zeigen auch aktuelle Behördenwarnungen: Das FBI weist auf gefälschte FIFA-Websites hin und listet Beispiele für Spoofing- und Typosquatting-Domains, die auf Datendiebstahl und Ticketbetrug abzielen.
Auch das kanadische Cyber Centre erwartet rund um die WM 2026 eine Vielzahl ereignisbezogener Phishing- und Betrugskampagnen über Anzeigen, Websites und Apps.
Was Fans jetzt beachten sollten – privat wie beruflich
Das Tückische an WM-Phishing: Der emotionale Kontext macht keinen Halt vor dem Firmen-Laptop. Mitarbeiter, die tagsüber im Homeoffice arbeiten und nebenbei Spielstände verfolgen, sind ebenso gefährdet wie Nutzer, die abends im Privaten auf verdächtige E-Mails hereinfallen und dabei womöglich Zugangsdaten kompromittieren, die sie für berufliche Anwendungen wiederverwenden.
Für Endnutzer gelten deshalb einige klare Grundregeln:
- Direkt zur Quelle: Streaming-Dienste, Nachrichtenportale oder Sportwetten-Anbieter immer direkt über den Browser oder die offizielle App aufrufen – niemals über einen Link in einer E-Mail.
- Misstrauen bei Superlativen: Angebote, die zu gut klingen, um wahr zu sein, sind es meistens auch. Das gilt für kostenlose Streams ebenso wie für angebliche WM-Tickets oder exklusive Wettboni.
- Zugangsdaten niemals wiederverwenden: Wer dasselbe Passwort für private Fan-Plattformen und berufliche Anwendungen nutzt, öffnet Angreifern Tür und Tor.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Auch wenn das Risiko auf den ersten Blick privat erscheint – für Unternehmen entstehen daraus handfeste Bedrohungsszenarien. Es empfehlen sich folgende 5 Schritte, um die erhöhte Bedrohungslage rund um die WM aktiv in die Sicherheitsstrategie einzubeziehen:
- Alle Schutzmaßnahmen vollständig aktivieren:
Falls für bestimmte Nutzergruppen oder Anwendungen reduzierte Sicherheitsrichtlinien oder -ausnahmen gelten, sollten diese während des Turniers vorübergehend verschärft werden. - Time-of-Click-Protection konsequent einsetzen:
Moderne URL-Schutzmechanismen analysieren Links nicht nur beim Eingang einer E-Mail, sondern erneut im Moment des Klicks. Gerade bei neu registrierten oder kurzfristig kompromittierten WM-Websites bietet das entscheidenden Mehrschutz. Ebenso wichtig: Mitarbeiter sollten explizit darauf hingewiesen werden, Sicherheitswarnungen ernst zu nehmen und Splash-Page-Warnungen nicht reflexartig wegzuklicken. - Zusätzliche Erkennungsschichten aktivieren:
Da Cyberkriminelle ihre Kampagnen schnell an aktuelle Ereignisse anpassen, können Lösungen wie Post-Delivery-Protection oder KI-gestütztes Sandboxing entscheidend sein. Sie identifizieren bislang unbekannte Bedrohungen, noch bevor klassische Sicherheitssignaturen verfügbar sind. - Attachment Blocker aktualisieren:
Potenziell gefährliche Dateitypen sollten konsequent blockiert oder besonders gründlich geprüft werden. Angreifer nutzen WM-Themen auch, um kompromittierte Anhänge – etwa angebliche Spielpläne oder Statistik-Dokumente – in Umlauf zu bringen. - Für den Ernstfall vorsorgen:
Auch bei umfassenden Schutzmaßnahmen lässt sich ein Sicherheitsvorfall nicht vollständig ausschließen. Ein E-Mail-Continuity-Service ermöglicht die Fortsetzung der geschäftlichen E-Mail-Kommunikation, selbst wenn die primäre Mail-Infrastruktur beeinträchtigt ist. Gleichzeitig liefern Observability-Metriken frühzeitige Hinweise auf ungewöhnliche Aktivitäten, Zustellungsprobleme oder andere Auffälligkeiten.
Nach der WM ist vor der EM
Das Turnier endet. Die Bedrohungslage nicht. Mit jedem globalen Ereignis, ob Sportturnier, politische Wahl oder Kulturereignis, entstehen vergleichbare Angriffsmuster, die gezielt Emotionen und Informationsinteresse ausnutzen. Unternehmen, die ihre Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig überprüfen und an das aktuelle Bedrohungsgeschehen anpassen, sind langfristig besser aufgestellt – ganz gleich, was als Nächstes steht.
*Sören Schulte ist Senior Product Marketing Manager bei Retarus und verantwortet die globale Go‑to‑Market‑Strategie der Secure Email Platform. Mit über 15 Jahren Erfahrung in Produktmarketing, PR und strategischer Kommunikation für internationale IT‑ und Telekommunikationsunternehmen bringt er tiefes Branchenwissen und ausgeprägte Positionierungskompetenz mit. Zuvor arbeitete er in führenden Agenturnetzwerken wie Team Lewis, Ketchum und Serviceplan für Kunden wie AWS, Citrix, Symantec oder Telefónica und verfügt über ein Diplom in Information Management und Corporate Communication.
Viele offizielle FIFA-WM[1] 2026-Webseiten sind nicht auf hohe Nachfrage vorbereitet
Das Erlebnis FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 beginnt nicht erst mit dem ersten Anpfiff, es beginnt online. Da diese Weltmeisterschaft das größte Turnier der Geschichte werden soll und erstmals 48 Teams umfasst, steht die digitale Infrastruktur vor ihrem bislang größten Stresstest. Wenn Fans Verbands-Webseiten und Sponsoren-Kampagnenseiten für alles nutzen – von Spielplänen und Tickets über Live-Updates bis hin zu Streaming-Inhalten und Merchandise – prägen diese digitalen Touchpoints die Fan Journey entscheidend mit. Eine neue Analyse von Dynatrace legt jedoch nahe, dass viele dafür möglicherweise nicht bereit sind [1].
Webseiten nationaler Fußballverbände zeigen deutliche Performance-Unterschiede
Die Untersuchung, die synthetische Monitoring-Daten offizieller Webpräsenzen nationaler Fußballverbände aller 48 teilnehmenden Nationen analysierte, zeigt: Fans warten im Durchschnitt fast sechs Sekunden, bis Seiten geladen sind. Während einige Länder schnelle, reibungslose digitale Erlebnisse für Supporter bieten, riskieren andere, dass Fans mehr als 50 Sekunden warten müssen, bis die Seiten vollständig laden. Am Ende der Rangliste lag DR Kongo mit einer durchschnittlichen Seitenladezeit von 57,5 Sekunden – Fans könnten also fast eine volle Minute warten. Usbekistan folgte mit 30,8 Sekunden. Auch Saudi-Arabien (13,2 Sekunden), Haiti (12,0 Sekunden) und Algerien (9,8 Sekunden) gehörten zu den langsamsten digitalen Erlebnissen unter den am Turnier teilnehmenden Ländern.
Im Gegensatz dazu lieferte Ecuador eine durchschnittliche Ladezeit von nur 404 ms, gefolgt von Curaçao (732 ms), Senegal (865 ms) und Spanien (1 Sekunde). Die Daten zeigen außerdem, dass einige der größten Nationen ebenfalls Schwierigkeiten hatten, eine starke digitale Performance zu halten. Der fünfmalige Weltmeister Brasilien landete in den Bottom 10 mit einer durchschnittlichen Ladezeit von 5,7 Sekunden, während Saudi-Arabien ebenfalls zu den langsamsten Seiten zählte (13,2 Sekunden).
Langsamste FIFA-WM 2026™ Länder-Webseiten
- DR Kongo: 57,5 Sekunden
- Usbekistan: 30,8 Sekunden
- Saudi-Arabien: 13,2 Sekunden
- Haiti: 12,0 Sekunden
- Algerien: 9,8 Sekunden
- Vereinigte Staaten: 9,7 Sekunden
- Jordanien: 8,7 Sekunden
- Irak: 8,4 Sekunden
- Türkei: 8,4 Sekunden
- Brasilien: 5,7 Sekunden
Schnellste FIFA-WM 2026™ Länder-Webseiten
- Ecuador: 404 ms
- Curaçao: 732 ms
- Senegal: 865 ms
- Spanien: 1,0 Sekunde
- Kroatien: 1,2 Sekunden
- Tunesien: 1,3 Sekunden
- Kolumbien: 1,5 Sekunden
- Südafrika: 1,8 Sekunden
- Niederlande: 2,1 Sekunden
- Schweden: 2,1 Sekunden
Die Analyse zeigte, dass viele der langsamsten Verbands-Webseiten gemeinsame Ursachen aufwiesen, darunter bildlastige Seiten, eine hohe Zahl an Content-Requests und ineffizientes Laden von Page Assets. Auffällig ist, dass die USA – eines der Gastgeberländer der FIFA-WM 2026™ – als sechstlangsamste Verbands-Webseite rangierten, mit einer durchschnittlichen Seitenladezeit von 9,7 Sekunden. Die Analyse der Seite deutet darauf hin, dass die Performance durch die Menge der geladenen Inhalte und die Anzahl der Requests beeinflusst wurde, die erforderlich sind, um Seiten zu rendern. Das zeigt, dass selbst große Verbands-Webseiten von digitalen Performance-Problemen betroffen sein können.
Auch globale WM-Sponsoren stehen vor digitalen Performance-Herausforderungen
- Handel & Consumer Services: 14,6 Sekunden
- Hospitality, Reisen & Freizeit: 12,0 Sekunden
- Technologie & Telekommunikation: 7,1 Sekunden
- Energie & Versorger: 6,7 Sekunden
- Finanzdienstleistungen: 5,8 Sekunden
- Food & Beverage: 5,8 Sekunden
- Konsumgüter & Bekleidung: 3,6 Sekunden
- Automotive: 3,4 Sekunden
Dynatrace analysierte außerdem die Performance von World-Cup-spezifischen Kampagnenseiten von 21 offiziellen FIFA-WM-2026-Sponsoren und stellte ähnlich große Unterschiede zwischen Branchen fest, darunter Handel, Hospitality, Automotive, Financial Services sowie Food and Beverage.
Kampagnenseiten von Sponsoren aus dem Bereich Handel und Consumer Services verzeichneten die langsamsten durchschnittlichen Ladezeiten (14,6 Sekunden), gefolgt von Hospitality-, Travel- und Leisure-Marken (12,0 Sekunden). Im Gegensatz dazu erzielten Automotive-Sponsoren die beste durchschnittliche Performance (3,4 Sekunden), knapp vor Consumer-Goods- und Apparel-Marken (3,6 Sekunden).
Wenn Organisationen sich auf trafficstarke globale Events wie die Fußball-Weltmeisterschaft vorbereiten, müssen sie sicherstellen, dass sie die digitale Performance kontinuierlich überwachen und analysieren können. So können Teams Probleme schnell identifizieren und Erlebnisse in Echtzeit optimieren, damit Nutzerinnen und Nutzer eine nahtlose Experience erhalten.
»Globale Sportturniere erzeugen enorme Spitzen im digitalen Traffic und bieten Marken große Chancen, Fans über viele digitale Touchpoints hinweg zu erreichen – von Spielplänen und Live-Match-Updates bis hin zu Social Campaigns, Promotions und gebrandetem Content«, sagte Bob Wambach, VP, Market and Customer Insights, Dynatrace. »Fans erwarten heute schnelle, nahtlose und jederzeit verfügbare digitale Erlebnisse, überall dort, wo sie online interagieren. Doch unsere Analyse zeigt, dass es weiterhin eine erhebliche Lücke in der digitalen Vorbereitung bei den Webseiten der teilnehmenden Nationen und Sponsoren gibt. Schon kleine Verzögerungen in Peak-Momenten können Fan-Engagement, Online-Umsatz und Markenreputation beeinträchtigen. Deshalb dürfen Verbände und Sponsoren die digitale Performance während der Weltmeisterschaft nicht aus dem Blick verlieren.«
[1] Dynatrace analysierte synthetische Monitoring-Daten von offiziellen Webseiten nationaler Fußballverbände, die mit allen 48 teilnehmenden FIFA-World-Cup-2026-Nationen verbunden sind, sowie World-Cup-spezifische Kampagnenseiten von 21 offiziellen Turnier-Sponsoren. Sponsoren-Kampagnenseiten wurden in übergeordnete Branchen-Kategorien gruppiert, darunter Handel, Hospitality, Food and Beverage, Financial Services, Automotive sowie Technologie und Telekommunikation, um breitere digitale Performance-Trends während sporteventbezogener Kampagnenaktivitäten zu identifizieren. Die durchschnittlichen Gesamt-Seitenladezeiten wurden in Sekunden über einen siebentägigen Monitoring-Zeitraum im Mai 2026 gemessen.