Konjunkturbarometer Februar: Industrie überwindet Flaute, Rezession droht nicht

Im Februar hat sich das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) spürbar erholt, bleibt mit etwa 99 Punkten aber noch knapp unter der 100-Punkte-Schwelle, die für einen durchschnittlichen Anstieg der Wirtschaftsleistung steht. »Das konjunkturelle Bild ist nicht so trüb, wie es zuletzt häufig gezeichnet wurde«, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. »Eine Rezession droht nicht. Schon allein wegen der Einkommensspritze, die die Regierung den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zum Jahresbeginn verpasst hat, dürfte der Jahresauftakt kräftig ausfallen.«

Die Zeiten der Hochkonjunktur seien jedoch vorbei, künftig werde sich die Wirtschaft etwas gemächlicher entwickeln. Im ersten Vierteljahr dürfte die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um ein halbes Prozent wachsen, angesichts vieler globaler Risiken – etwa die mit dem Brexit und drohenden Handelskonflikten verbundenen Unsicherheiten – und einer sich graduell abschwächenden Auslandsnachfrage dann aber an Fahrt verlieren.

Die Produktion der deutschen Industrie legt im ersten Quartal wohl kräftig zu. »Die Umsätze sind in wichtigen Bereichen zuletzt in die Höhe geschnellt – in der Automobilindustrie, die aufgrund von Zertifizierungsproblemen in der zweiten Jahreshälfte 2018 ins Schleudern geraten war, wie auch in der Chemie- und Pharmabranche, deren Produktionsketten durch die niedrigen Rheinpegel zeitweilig stockten«, sagt DIW-Ökonom Simon Junker. Das Nachholen ausgefallener Produktion wird die deutsche Wirtschaft wohl insgesamt in der ersten Jahreshälfte deutlich anschieben.

 


Abkühlung der Konjunktur, aber keine Rezession

Das ifo Institut erwartet eine Abkühlung der Konjunktur für 2019, aber keine Rezession. Der ifo Winterprognose 2018 zufolge wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland von 1,5 Prozent in diesem Jahr auf 1,1 Prozent im kommenden Jahr zurückgehen. Für 2020 erwartet das ifo Institut dann ein Anziehen auf 1,6 Prozent, weil es deutlich mehr Arbeitstage gibt. Im Herbst hatte das ifo Institut noch mit 1,9 Prozent für 2018 und 2019 gerechnet und mit 1,7 Prozent für 2020. „Die durch die Auto-Industrie ausgelöste Schwächeperiode zieht sich noch bis 2019 hin. Zudem dämpfen mannigfache Unsicherheiten die Weltkonjunktur, vor allem Brexit, Italien und die US-Handelspolitik“, sagte ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Damit wird sich der Beschäftigungsanstieg verlangsamen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird von 44,8 Millionen in diesem Jahr auf 45,2 im nächsten und 45,5 im übernächsten Jahr steigen. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt parallel dazu von 2,3 Millionen über 2,2 auf 2,1 Millionen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent 2018, 4,9 Prozent 2019 und 4,7 Prozent 2020. Die Verbraucherpreise werden steigen um 1,9 Prozent in diesem Jahr, 2,2 Prozent im nächsten und 1,8 Prozent 2020. Der finanzielle Überschuss des Staates sinkt vom Rekordwert 53,8 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 32,5 Milliarden im kommenden Jahr und dann auf 26,8 Milliarden Euro 2020. Neben der konjunkturellen Abkühlung tragen bei zum Rückgang auch Entlastungen bei Steuern und Abgaben sowie höhere Ausgaben der öffentlichen Hand, insbesondere im kommenden Jahr.

Der international viel kritisierte Überschuss der deutschen Leistungsbilanz sinkt von 7,4 Prozent der Wirtschaftsleistung (251,4 Milliarden Euro) in diesem Jahr auf 6,8 Prozent (247,7 Milliarden Euro) im Jahre 2020.

http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/facts/Forecasts/Ifo-Economic-Forecast/Archiv/ifo-Prognose-13-12-2018.html?eNLifo-201812

http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/facts/Forecasts/Ifo-Economic-Forecast/Archiv/ifo-Prognose-13-12-2018.html?eNLifo-201812

 

http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Archiv/2018/Q4/pm-20181213_ifo-Konjunkturprognose.html

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Arbeitskräftemangel in 2030 birgt große Gefahr für Wohlstand und Wachstum

Deutschland könnten in 15 Jahren zwischen 5,8 und 7,7 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Alle Bundesländer sind davon betroffen, die neuen Bundesländer aber besonders stark. Verlust an Wirtschaftsleistung in 2030 bis zu 550 Milliarden Euro möglich.

Vom Babyboom zur Mangelware – der demografische Wandel wird zu einem großen Problem für den deutschen Arbeitsmarkt, denn Fachkräftemangel bremst das Wirtschaftswachstum. Diese Entwicklung wird sich bis 2030 noch verschärfen. In Deutschland könnten so in den kommenden 15 Jahren 5,8 bis 7,7 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Dies geht aus der neuen Studie Die halbierte Generation von The Boston Consulting Group hervor. »Von dieser Arbeitskräftelücke sind alle Bundesländer betroffen. Wenn wir nichts dagegen unternehmen, steht das deutsche Wirtschaftswachstum auf dem Spiel und letztlich auch unser Wohlstand«, sagt Rainer Strack, BCG-Senior-Partner und Autor der Studie. Den Berechnungen zufolge könnten Deutschland aufgrund dieser Lücke in 2030 rund 410 bis 550 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung entgehen.

Arbeitskräfteangebot deckt nicht den Bedarf

In der Studie werden vier verschiedene Szenarien simuliert, wie sich Arbeitskräfteangebot und -bedarf bis 2030 entwickeln könnten, um aus dieser Differenz die Arbeitskräftelücke zu berechnen. Eines der vier Szenarien ist das sogenannte Basisszenario, dem beispielsweise eine optimistische Bevölkerungsentwicklung zugrunde liegt, die bereits eine hohe Nettomigration und eine steigende Erwerbsquote voraussetzt.

In diesem Basisszenario ergibt sich in Deutschland eine Arbeitskräftelücke von 6,1 Millionen im Jahr 2030. In den Bundesländern werden die Lücken unterschiedlich groß sein: Während Bayern das nach absoluten Zahlen höchste Arbeitskräftedefizit von rund 1,2 Millionen verzeichnen könnte, sieht sich Thüringen mit der größten relativen Lücke von minus 28 Prozent konfrontiert. »Vor allem in den neuen Bundesländern wird der Mangel zum großen Problem werden«, sagt Rainer Strack voraus. »Den Verlust von bis zu einem Fünftel der Arbeitskräfte werden diese Regionen kaum verkraften, ohne in ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit erheblichen Schaden zu nehmen. Bleiben Gegenmaßnahmen aus, sind eine weitere Verödung ländlicher Gebiete, die Abwanderung von Betrieben und das Schrumpfen lokaler Märkte absehbar.«

Hoher Handlungsdruck: Deutschland braucht langfristige Personalstrategie

Das Wachstum der gesamten Wirtschaftsleistung in Deutschland – gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf – würde im Verhältnis zu Vergangenheitswerten folglich drastisch zurückgehen: von durchschnittlich 1,3 auf 0,5 Prozent pro Jahr. Der Handlungsdruck für die Beteiligten in Politik und Wirtschaft, diese Auswirkungen abzumildern, ist hoch.

»Wir brauchen eine langfristige Personalplanung – das gilt für Unternehmen wie auch für Deutschland. Im Vergleich zur Kapitalseite, bei der kontinuierlich gemessen wird, wie produktiv Eigen- und Fremdkapital eingesetzt werden, sind viele Unternehmen und eben auch die deutsche Politik von einer vergleichbar intensiven Betrachtung des Vermögenswertes ›Mitarbeiter‹ noch weit entfernt«, resümiert Strack. »Wir müssen uns viel stärker damit auseinandersetzen, welche Mitarbeiter wir jetzt und in Zukunft brauchen, woher sie kommen und wie wir sie bestmöglich ausbilden können.«

[1] Die aktuelle Untersuchung »Die halbierte Generation« ist eine Vertiefung und Weiterentwicklung der BCG-Studie The Global Workforce Crisis. $10 Trillion at Risk aus dem Jahr 2014 über demografische Entwicklungen und ihre Folgen auf weltweiter Ebene. Das Onlineportal findet sich unter www.bcgperspectives.com.

grafik bcg bestimmung von arbeitskräftemangel und -angebot deutschland 2030

grafik bcg treiber arbeitskräfteangebot deutschland 2030

grafik bcg prognose arbeitskräftemangel bip-pro-kopf-modell deutschland 2030

 

 


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