Lernen der Zukunft: Kompetenzentwicklung für die digitale (Arbeits-)Welt

https://pixabay.com/de/

Die Digitalisierung bringt große Veränderungen mit sich. Der technische Wandel ermöglicht es Unternehmen, ihre Produktivität und Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen sowie ihre Fähigkeiten zu erweitern. Künstliche Intelligenz und intelligente Assistenzsysteme verändern nicht nur die Interaktion zwischen Mensch und Technik, sondern erfordern auch eine Transformation der Arbeits- und Organisationsprozesse in Unternehmen. Während sich große Unternehmen der Chancen und Bedarfe zumeist bewusst sind, fällt es vor allem kleineren Firmen schwer, Anforderungen, Umsetzungswege und Ziele zu identifizieren.

 

Insbesondere die Kompetenzentwicklung der Belegschaft ist eines der wichtigsten Handlungsfelder, um die Potenziale der Digitalisierung zu heben. Nicht nur im Umgang mit Technologien sind neue Fähigkeiten und Fertigkeiten erforderlich, etwa um neue Produkte, Prozesse oder Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gleichzeitig rückt auch das interdisziplinäre Denken und Handeln sowie Sozial-, Führungs- und Kommunikationskompetenz zunehmend in den Fokus. Sie bilden die Grundvoraussetzung für die Transformationsfähigkeit von Unternehmen und schaffen zudem die Basis dafür, dass Beschäftigte von den Chancen der Digitalisierung profitieren.

 

Neue Ansätze durch Digitalisierung

Während die Weiterbildung heute noch sehr stark von klassischen Präsenzveranstaltungen geprägt ist, bietet die Digitalisierung neuartige Ansätze, um Kompetenzbedarfe schnell erkennen und adressieren zu können. Mit innovativen digitalen Lehr- und Lernmethoden eröffnen sich neue Zugänge, die es ermöglichen, die erforderlichen Fähigkeiten zu entwickeln und zu trainieren. Dazu gehören beispielsweise Assistenzsysteme, um auf konkrete Problemstellungen an Maschinen oder auch Computern einzugehen und lernförderliche Umgebungen zu schaffen. Mithilfe von innovativen Lehr-Lern-Lösungen lassen sich Inhalte passgenau und individualisiert vermitteln. Gleichzeitig gewinnt die Befähigung zum kontinuierlichen Wissens- und Kompetenzerwerb und das entsprechende Selbstverständnis an Bedeutung – Stichwort Lebensbegleitendes Lernen.

 

Drei wesentliche Zukunftstrends prägen das lebensbegleitende Lernen:

 

  1. Flexibles Lernen: Zeit- und ortsunabhängige Lernmethoden, bei denen die Lernenden entscheiden, wann und wo sie lernen.
  1. Partizipatives Lernen: Zusammenarbeitsformen wie Kooperation, Co-Creation und Co-Working prägen den Lernprozess. Lernende lernen, lehren, vernetzen sich und arbeiten mit anderen zusammen.
  1. Lernen in Netzwerken: Netzwerke als Ergänzung oder Ersatz von Institutionen. Lernende entscheiden je nach Bedarf im Beruf über Inhalte und Lernformen. Dem Austausch mit Peer-Groups innerhalb und außerhalb des Arbeitsplatzes kommt eine hohe Bedeutung zu.

 

Geteilte Verantwortung

Zentraler Aspekt des Lebensbegleitenden Lernens ist eine geteilte Verantwortung zwischen Unternehmen und Belegschaft: Unternehmen müssen die individuellen Lernprozesse der Beschäftigten aktiv unterstützen. Dazu gehört unter anderem die lernförderliche Ausgestaltung der Arbeitsplätze. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten selbstbestimmt und eigenverantwortlich lernen, um dadurch in ihre eigene berufliche Zukunft zu investieren. Sie benötigen dafür unterschiedliche Angebote, die auf die jeweils individuellen Bedürfnisse und Bedarfe zugeschnitten sind, und ein gezieltes, auch informelles, Lernen »on the job« und »on demand« ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise digitale Lernangebote wie Massive Open Online Courses (MOOCs). Dieses selbstbestimmte und bedarfsgerechte Lernen führt zu den im digitalen Zeitalter benötigten Qualifikationen und fördert die Lernfitness der Beschäftigten, die durch kontinuierliches Training auf- und ausgebaut wird. Fallbeispiele aus dem Arbeitsalltag eignen sich dabei besonders, um buchstäblich fit für das Lebensbegleitende Lernen zu werden.

 

Die Rolle von Unternehmen am Beispiel von Industrie 4.0

Am Beispiel von Industrie 4.0, als eine für den Innovationsstandort Deutschland wichtige Ausprägung der Digitalisierung, sind für Unternehmen insbesondere die Bereiche Datenauswertung und -analyse, Prozessmanagement und zunehmendes Prozess-Know-how sowie interdisziplinäres Denken und Handeln von hoher Bedeutung. Auch der Führungskompetenz des Managements kommt eine besondere Relevanz zu. So gilt es, die betriebliche Aus- und Weiterbildung an die Industrie 4.0 anzupassen. Die Qualifizierung der Belegschaft ist ein entscheidender Faktor für die Gestaltung der Industrie 4.0 und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Die neuen digitalen Methoden bieten dafür entsprechende Möglichkeiten. Die Voraussetzung dafür ist, die Arbeits- und Prozessorganisation anzupassen sowie entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.

 

Chancen für Bildungsanbieter

Hier liegen insbesondere auch die Chancen für Bildungsanbieter, Beschäftigten mit bedarfsorientierten, formalen und non-formalen Angeboten die entsprechenden Kompetenzen zu vermitteln. Mit neuen Beratungsleistungen, individualisierten und situationsbezogenen Angeboten, produktspezifischen Weiterbildungen oder Ansätzen für Skill- und Gap-Analysen können Bildungsanbieter ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln und näher auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen. Ihnen kommt eine besondere Bedeutung in der Kompetenzentwicklung im digitalen Zeitalter zu. Denn sie haben die Chance, sich schneller anzupassen und Lösungen zu entwickeln, als dies aufgrund von Abstimmungsvorgängen von staatlicher Seite erreicht werden kann.

 

Wissenstransfer der Fraunhofer Academy

Die Fraunhofer Academy gibt durch ihre Weiterbildungsformate aktuelles Forschungswissen und Kompetenzen der Fraunhofer-Institute an die Wirtschaftsunternehmen zur bestmöglichen Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter. Die Fraunhofer Academy ist die Weiterbildungseinrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft. Sie wurde 2006 gegründet, um den Wissenstransfer aus der Forschung der Fraunhofer-Institute in die Wirtschaftsunternehmen voranzutreiben.

Dr. Andreas Heindl, stellvertretender Leiter der Geschäftsstelle der Plattform Lernende Systeme bei acatech

 

Veranstaltungshinweis

Neben Weiterbildungsformaten setzt die Fraunhofer Academy auch auf Plattformen für den Austausch. So findet am 12. Dezember 2018 zum zweiten Mal die Veranstaltung Open Discussion zum Thema Digitalisierung in der Arbeitswelt #digitalistbesser statt. Schwerpunkt ist die Frage, was und wie Menschen für den Job der Zukunft lernen können. Dort erwartet Interessierte unter anderem im Impulse Circle der Vortrag mit anschließender Diskussion »Wie sieht das Lernen der Zukunft aus?« des Autors.

 


 

Fortbildungswege: Praxisnähe ist entscheidend

Quelle: Fraunhofer Academy

Durch die digitale Transformation und den Fachkräftemangel wird klar, dass Weiterbildung bereits eines der entscheidenden Themen ist und auch in den kommenden Jahren bleiben wird. Und dass Unternehmen auch aus eigenem Interesse dafür Sorge tragen müssen, ihre Mitarbeiter fortzubilden. Die Untersuchung »Digitale Kompetenzen – Anspruch und Wirklichkeit« hat gezeigt, dass 29 Prozent der Befragten nicht an Weiterbildungen teilnehmen. Die Hauptgründe sind fehlende Zeit (42 Prozent), gefolgt von der Tatsache, dass ihr Unternehmen keine Weiterbildung anbietet beziehungsweise unterstützt (28 Prozent) oder dass die Befragten andere kostenlose Möglichkeiten nutzen, ihr Wissen zu erweitern (26 Prozent). Zu wenig Praxisbezug und mangelhafte Flexibilität in Bezug auf Ort und Zeit der Fortbildung nennen je 16 Prozent.

»Unternehmen sind gut beraten, ihren Mitarbeitern den nötigen Raum für Weiterbildungen zu schaffen«, sagt Dr. Roman Götter, Leiter der Fraunhofer Academy. »Wenn kritisiert wird, dass sie dafür keinen Plan haben, ist das ein Alarmzeichen. Wenn es um inhaltliche Kritik geht, dann ist die Wahl der richtigen Weiterbildungsmaßnahmen entscheidend.«

Was die Weiterbildung bremst

Die jeweils gewählten Fortbildungswege hängen auch mit der Unternehmensgröße zusammen. Während in kleinen Unternehmen (unter 50 Beschäftigte) der Austausch mit Kollegen und im eigenen Netzwerk dominiert (41 Prozent), setzen mittlere und große Firmen stärker auf konkret auf ihr Unternehmen zugeschnittene Angebote (33 Prozent). Bei den kleinen Unternehmen zeigt sich zudem am stärksten das Phänomen, dass Strukturen für die Weiterbildung fehlen: Fast ein Viertel hat keine organisierte Planung für den Aufbau neuer Kompetenzen.

Unternehmensspezifische Weiterbildungen bieten zahlreiche Vorteile: Der Zuschnitt auf den Unternehmenskontext erlaubt Praxisnähe und Fallbeispiele, die mit dem Arbeitsalltag tatsächlich in Verbindung stehen. So wird das Wissen nicht nur konkretisiert, sondern auch schneller anwendbar. Das ist auch für den nachhaltigen Lernerfolg ein bedeutender Punkt.

https://www.academy.fraunhofer.de/de/newsroom/blog/2018/11/fortbildungswege–praxisnaehe-ist-entscheidend.html

Kritikpunkten wie denen mangelnder Flexibilität müssen Bildungspartner selbstverständlich Rechnung tragen. »Wir sind stolz auf unsere flexiblen, modularen Angebote und den Erfolg der Blended-Learning-Konzepte, in denen Präsenz- und onlinebasiertes Lernen den Teilnehmenden möglichst viel Spielraum gewähren. Eine interne Befragung zeigt, dass das auch die Gründe sind, warum Menschen uns auswählen: 80 Prozent nennen das Format des Programms, 74 Prozent die zeitliche Flexibilität«, führt Dr. Götter aus.

76 Prozent der Befragten bestätigen, dass sie neue und relevante Kompetenzen in hohem bis sehr hohem Maße aufbauen konnten. 36 Prozent berichten, dass sie das Erlernte in hohem bis sehr hohem Maße unmittelbar im Beruf umsetzen konnten.

Weiterbildungs-Netflix bietet hohe Flexibilität

Entsprechend flexible, praxisnahe Weiterbildungsangebote sind der Schlüssel für erfolgreiche Fortbildung. Das sieht offenbar auch der Arbeitskreis »Zukunft der Arbeit« der Unionsfraktion so. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat, schlägt der Arbeitskreis eine Weiterbildungswende vor, deren Konzept MILLA für »Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle« steht. Die Süddeutsche Zeitung nennt dies »eine Art Bildungs-Netflix für alle«. Der Vorschlag einer Internetplattform, auf der Menschen flexibel Onlinekurse für Zusatzqualifikationen abschließen können, liegt sehr nah an einem Zukunftsszenario, das die Fraunhofer Academy vergangenes Jahr vorgestellt hat. Im Rahmen eines Foresight-Prozesses hat die Fraunhofer Academy vier Szenarien entwickelt, wie die technologieorientierte Weiterbildung sich bis 2026 verändern könnte. Eines der Szenarien war das Weiterbildungs-Netflix. Die Fraunhofer Academy glaubt daher nicht nur an den Sinn einer zentralen digitalen Lernplattform. Sie ist auch gern bereit, an einem derartigen Projekt mitzuwirken.

Unternehmen stehen bereits heute umfangreiche Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Was für ihren erfolgreichen Einsatz wichtig ist: Wer die digitale Transformation plant, sollte den Kompetenzaufbau direkt mitplanen und definieren, welche Kompetenzen notwendig sind, um sie umzusetzen. Aus neuen Prozessen, Geschäftsmodellen oder dem Einsatz neuer Technologie folgen Anforderungen an Kompetenzen, damit sie nicht nur eingeführt, sondern auch operativ erfolgreich umgesetzt werden können. Daher sollte eine Transformationsstrategie mit abdecken, welche Kompetenzen für ihre erfolgreiche Umsetzung nötig sind – und deren Aufbau planen.

 


 

Wissenstransfer im Fokus: Lernlabore sorgen für mehr IT-Sicherheit

https://www.academy.fraunhofer.de/de/newsroom/blog/2018/11/welche-fach–und-managementkompetenzen-den-transformationserfolg.html

Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Kryptowährungen wie Bitcoin: Die Fülle und Geschwindigkeit digitaler Innovationen ist schwer überschaubar. Gleichzeitig entstehen neue Angriffsflächen für die IT-Sicherheit. Ganz aktuell macht beispielsweise das Phänomen Kryptojacking vielen Unternehmen zu schaffen: Dabei nutzen Hacker die Rechenleistung fremder Server und Rechner, um Kryptowährungen wie Bitcoin oder Monero zu generieren. Noch Ende letzten Jahres war diese Methode nahezu unbekannt. Schon im ersten Quartal 2018 wurde, laut einer Analyse des Sicherheitsunternehmens McAfee, mehr als 2,9 Millionen Mal Malware aus dem Umfeld von Krypto-Mining identifiziert.

 

Solche Attacken schwächen die IT: Server und angeschlossene PCs arbeiten langsamer als zuvor, die Betriebskosten steigen, die Produktivität wird beeinträchtigt. Manchmal zerstören die Hacker die Rechner sogar komplett. Die erhöhte Rechenleistung schlägt mit etwa einem Euro pro Stunde zu Buche. Was aufs Erste wenig klingt, kann bei 100 infizierten Geräten einen Schaden in Höhe von mehr als einer halben Million Euro pro Monat verursachen.

Diese und andere Cyberangriffe fordern die IT-Sicherheitskräfte stets aufs Neue heraus. Doch gerade im Bereich IT-Sicherheit herrscht ein akuter Fachkräftemangel. Weiterbildungen, beispielsweise in den Lernlaboren Cybersicherheit der Fraunhofer Academy, können hier gegensteuern.

 

Markt für Fachkräfte praktisch leergefegt

Vor dem Hintergrund der ständig neuen IT-Sicherheitsangriffe verwundert es nicht, dass die Halbwertszeit von IT-Fachwissen bei nur eineinhalb Jahren liegt. So schnell digitale Innovationen entstehen, so schnell ziehen Cyberkriminelle mit neuen Taktiken nach. Zum Vergleich: Bei betrieblichem Fachwissen beträgt die Halbwertszeit vier Jahre. IT-Security-Fachwissen ist laut der Global Information Security Workforce Study von Frost & Sullivan aus dem Jahr 2017 generell rar: So sehen 67 Prozent aller befragten Unternehmen aus dem DACH-Raum einen Mangel an Fachkräften, die sie zur Umsetzung der neuen Sicherheitsanforderungen bräuchten. Ohne berufliche Weiterbildung können IT-Security-Standards folglich nicht gewährleistet werden. Insbesondere der Transfer des erlernten Wissens nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Wenn dieser gelingt, können Unternehmen und Organisationen ihre Struktur nachhaltig verändern: Sie kennen und verstehen mögliche Angriffsvektoren und Sicherheitslücken. Infolgedessen sind sie in der Lage, passende Sicherheitsmaßnahmen im eigenen Unternehmen einzuführen, anzuwenden und aktuell zu halten, um schnell auf neue Angriffsarten zu reagieren. Dazu trägt der Aufbau und die Art der Wissensvermittlung maßgeblich bei.

 

Aus der Forschung in die Praxis

Die Fraunhofer Academy bietet mit dem Lernlabor Cybersicherheit ein modulares, berufsbegleitendes Weiterbildungskonzept an. So forschen beispielsweise Fraunhofer-Institute an neuen Abwehrtechnologien gegen Hackerangriffe und geben die gewonnenen Erkenntnisse im Lernlabor an Fach- und Führungskräfte weiter. Dabei findet die Weiterbildung im Fraunhofer-Hochschul-Laborverbund statt. Dort werden aktuelle IT-Sicherheitstrends und -herausforderungen aufgegriffen, wie etwa in den aktuellen Seminaren »Ermittlungen im Darknet« oder »Blockchain«: Programme, die in das Thema Darknet einführen beziehungsweise einen Einblick in die Funktionsweise der Blockchain-Technologie und Kryptowährung geben.

Die Nähe zur aktuellen Forschung gewährleistet, dass Trends und Entwicklungen aufgenommen und in die Lernpraxis übertragen werden. Das didaktische Konzept der Seminare zielt explizit auf die praxisorientierte Anwendung ab, die nachhaltige Wirkung auf das Unternehmen oder die Organisation des Teilnehmers zeigt. In verschiedenen Themenfeldern erlernen Seminarteilnehmer praxisorientiertes Wissens zum Thema IT-Security für ihren jeweiligen Bereich.

 

Problemorientierung und multipler Kontext fördern Wissenstransfer

Ein zentrales Ziel der Lernlabore ist es, das erlernte Wissen mittel- und längerfristig in den Arbeitskontext zu übertragen. Deshalb gestaltet die Fraunhofer Academy ihre Weiterbildungsangebote nach dem Konzept der Problemorientierung: Gelernt wird in einem authentischen Kontext, dem Lernlabor als Lernfeld, das möglichst ähnlich zur tatsächlichen Arbeitssituation gestaltet ist. Dort können die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer ihr Wissen in einer unkritischen Umgebung praktisch anwenden und ausprobieren.

Weiterhin liegt das Prinzip der multiplen Kontexte zugrunde: die Teilnehmer schlüpfen innerhalb des Seminars in verschiedene Rollen, beispielsweise die der Angreifer oder Verteidiger. Der Perspektivenwechsel hilft, das Wissen flexibel zu gestalten. Darüber hinaus interagieren sie mit den anderen Teilnehmern, die, wie auch im tatsächlichen Arbeitskontext, aus verschiedenen Fachbereichen stammen. Dieses Setting erhöht die Transferwahrscheinlichkeit deutlich. So treffen hier zum Beispiel Mitarbeiter aus der Produktion auf Kollegen aus der IT-Abteilung. Der soziale Kontext, also das Arbeiten im Team und der Austausch mit Fraunhofer- und Hochschul-Experten, ist ebenfalls fester Bestandteil des Konzepts. Referenten und Coaches stehen den Teilnehmern mit ihrem Fachwissen unterstützend zur Verfügung und liefern bei den Aufgaben im Lernlabor entsprechende Hilfestellungen.

 

Befragungen belegen den Erfolg

Um den Wissenstransfer sicherzustellen und weiterzuentwickeln, setzt die Fraunhofer Academy verstärkt auf Befragungen. So gab die Mehrheit der befragten Seminarteilnehmer an, die in der Weiterbildung erworbenen Kenntnisse auch häufig in ihrer täglichen Arbeit zu nutzen. Zudem äußerte sich die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer sehr positiv zu der Veranstaltung: Die Teilnehmer waren beispielsweise sehr zufrieden mit den Inhalten, den Trainern sowie der Lernumgebung im Lernlabor. Was den Wissenstransfer anbelangt, geht ein Großteil davon aus, das neu erworbene Wissen in der Praxis anwenden und von der Veranstaltung auch im Berufsalltag profitieren zu können.

Weitere Untersuchungen werden die Effekte über die Zeit betrachten. Bereits jetzt gibt es jedoch Hinweise, dass nicht nur die Gestaltung der Weiterbildung für den Wissenstransfer in der IT-Sicherheit relevant ist, sondern natürlich auch die Arbeitsumgebung. Das umfasst zum Beispiel die technische Ausstattung und die Unterstützung durch Kollegen und Führungskräfte. Weiterbildung und aktuelles Fachwissen der Mitarbeiter sind also notwendig, aber längst nicht hinreichend für mehr IT-Sicherheit in Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft.

 Dr. Raphaela Schätz, Sandra Hildebrand

 

Autorinnen: Dr. Raphaela Schätz, Qualitäts- und Programm-Management bei der Fraunhofer Academy, und Sandra Hildebrand, wissenschaftliche Mitarbeiterin E-Learning an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH)

 


 

Welche Fach- und Managementkompetenzen den Transformationserfolg entscheiden

 

Um die digitale Transformation erfolgreich zu meistern, benötigen Unternehmen nicht nur die richtige Geschäftsstrategie und die richtige Technologie. Es sind auch Fach- und Managementkompetenzen gefragt.

 

Mit der Studie »Digitale Kompetenzen – Anspruch und Wirklichkeit« hat die Fraunhofer Academy untersucht, wie gut Unternehmen darauf eingestellt sind. Welche Kompetenzen halten sie für besonders relevant? Und was tun sie, um diese bei den Mitarbeitern zu entwickeln und abrufbar zu haben? Das Marktforschungsunternehmen Skopos hat dazu Mitarbeiter von 150 Unternehmen befragt, was für sie die größten Herausforderungen bei der Digitalisierung sind und welche Kompetenzen sie erfordert. Dabei waren sowohl kleine Unternehmen (10 – 49 Mitarbeiter), mittlere (50 – 249 Mitarbeiter) als auch große vertreten (ab 250 Mitarbeiter). Zudem wurde ein breites Branchenfeld von der Fertigung über die Logistik bis hin zur IT abgedeckt.

https://www.academy.fraunhofer.de/de/newsroom/blog/2018/11/welche-fach–und-managementkompetenzen-den-transformationserfolg.html

 

Ein Drittel der Unternehmen verfügt über zu wenig Kompetenzen

Die zentrale Erkenntnis: Einer Reihe von Management- und Fachkompetenzen wird zwar eine große Relevanz für den Erfolg zugesprochen. Der Grad, zu dem die Unternehmen sie bereits in ihrer Belegschaft verankert haben oder als Organisation leben, fällt aber weit geringer aus.

Das Bild bei den erforderlichen Kompetenzen fiel recht klar aus:

Vier Fünftel der Befragten hielten

  • Lernbereitschaft,
  • die Fähigkeit, übergreifende Prozess- und Systemzusammenhänge zu erkennen,
  • die Fähigkeit zur Lösung komplexer Probleme,
  • Kenntnisse in agilem Projektmanagement und
  • das Fokussieren auf kundenorientierte Lösungen

für sehr oder weitgehend relevant für den Erfolg.

Die Lernbereitschaft sowie das Erkennen von übergreifenden Prozess- und Systemzusammenhängen stellen dabei mit jeweils 86 Prozent die Kompetenzen dar, die von den meisten als sehr oder weitgehend relevant eingestuft wird. Das gilt für Großunternehmen wie auch kleinere Firmen. Gelebt werden sie in den Unternehmen jedoch nur mäßig. Rund 30 Prozent der Befragten sagen jeweils, dass die entsprechenden Kompetenzen weder voll und ganz noch weitgehend gelebt werden. Damit sind entscheidende Voraussetzungen nur mäßig gegeben.

Die Situation bei den Fachkompetenzen fällt vergleichbar aus: Cybersicherheit und digitale Souveränität sind für 71 Prozent sehr oder weitgehend relevant, genau wie Datenanalyse und Data Science. Bei jeweils mehr als einem Drittel der Unternehmen sind sie aber nur mittelmäßig vorhanden. Bei Datenanalyse und Data Science ist es sogar fast jeder vierte Befragte. Besonderen Nachholbedarf haben 55 Prozent der befragten Unternehmen bei dem Themenfeld Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen.

 

Breit gefächerte Angebote der Fraunhofer Academy

Wie Unternehmen in den besonders relevanten Bereichen Kompetenzen weiterentwickeln können, lässt sich am Beispiel des Angebots der Fraunhofer Academy illustrieren. Als Fort- und Weiterbildungsspezialist steht die Fraunhofer Academy den Unternehmen als Partner zur Seite und unterstützt sie beim notwendigen Kompetenzaufbau. Gerade bei den Fachkompetenzen sind auch im kommenden Jahr zahlreiche Veranstaltungen geplant: Das Wochenseminar »Weiterbildung zum zertifizierten Usability Engineer« etwa dient dazu, praxisnah Konzepte, Methoden und Vorgehensweisen des Usability Engineering zu vermitteln. Im Zentrum stehen Methoden, mit denen sich interaktive Produkte und deren Entwicklung anhand anerkannter Usability-Normen gestalten und überprüfen lassen. Die Fraunhofer Academy geht aber noch über die von der Deutschen Akkreditierungsstelle entwickelten Zusammenstellungen hinaus, um auch international anerkannte Grundsätze zu vermitteln. Für die datenbasierte Zukunft generell eignen sich Fortbildungen wie die zum »Data Scientist Basic Level«, um sich für eine Rolle in Data Science Teams zu qualifizieren.

 

Das Themenfeld Cybersicherheit deckt die Fraunhofer Academy umfangreich ab: Erstmalig im März 2019 wird das Seminar »Maschinelles Lernen für mehr Sicherheit« angeboten. Gerade für Unternehmen aus der Sicherheitsbranche, denen noch der richtige Zugang zu dem Thema fehlt, stellt das Eintagesseminar einen geeigneten Einstieg dar. Hier wird vermittelt, wie sich Maschinelles Lernen und Data Mining einsetzen lassen und wie mit ihnen Anomalie-Erkennungen modelliert werden können. Denn in der Informationsflut kann das Trendthema eine spürbare Hilfe darstellen, Bedrohungen schneller zu erkennen und einzudämmen. Weitere Aspekte rund um die IT-Sicherheit werden im Lernlabor Cybersicherheit mit vielen weiteren Seminaren zu aktuellen Trendthemen abgedeckt.

 

Mit ihrem breit gefächerten Angebot besetzt die Fraunhofer Academy einen guten Teil der Fachkompetenzen, die besonders gefragt sind. Und die hohe Praxisorientierung dient dazu, schnell nutzbares Wissen aufzubauen.

 


 

 

 

 

 

 

Weitere Artikel zu