Neue WLAN-Standards bieten mehr als nur verbesserte Leistung

Warum die Wahl des jeweils neusten WLAN-Standards nicht mehr automatisch das beste Ergebnis bringt, und was Unternehmen stattdessen beachten sollten.

In vielen Bereichen der IT gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen neuen Produkten und höherer Leistung. Das Mooresche Gesetz sagt den schnellen und scheinbar unaufhaltsamen Fortschritt voraus. Wer bei einer Neuanschaffung das beste Ergebnis will, muss auf die jüngste Produktgeneration setzen. Doch beim WLAN ist diese Faustregel mit Vorsicht zu genießen. Nicht jede Iteration des IEEE 802.11-Standards wird in jedem Szenario das perfekte Ergebnis bringen. Auch angesagte und schon verfügbare Technologien wie MESH sind für bestimmte Einsatzgebiete vielleicht gut geeignet, für andere aber die falsche Wahl. Das führt bisweilen zu Verwirrung.

Sicherheit und Zuverlässigkeit. Wie bei allen Netzwerkgeräten sollte die Sicherheit ein zentrales Kriterium bei der Wahl sein. Dies betrifft nicht nur die Integration modernster Technologie etwa im Bereich Verschlüsselung, sondern auch die nicht-technischen Faktoren: ist der Hersteller etabliert und vertrauenswürdig? Ist sichergestellt, dass auftretende Sicherheitslücken durch Updates auch langfristig geschlossen werden können? So hat beispielsweise LANCOM als erster Hersteller den neuen WLAN-Sicherheitsstandard WPA3 implementiert. 

Ein gut eingeführter Anbieter mit einem breiten Partner- und Service-Netzwerk vor Ort unterstützt weiterhin dabei, dass auch langfristig die Sicherheit von Unternehmensnetzwerken gewährleistet bleibt. Endkunden sollten sich also durchaus die Frage stellen, ob sie mit einem Produkt »Made in Germany« nicht die bessere Wahl in puncto Security treffen.

Technische Kriterien: Geschwindigkeit ist nicht alles. Bei der Planung des WLAN-Netzwerks kommen zudem weitere Überlegungen zum Tragen. Die reine Übertragungsgeschwindigkeit eines Access Points oder WLAN-Routers ist dabei oftmals nicht entscheidend. Vielmehr gewinnt die Frage der unkomplizierten Einrichtung und Anpassung an Bedeutung, die Zahl der unterstützten Geräte, die räumliche Verteilung von Access Points und Clients, der Stand der technischen Entwicklung, ja sogar die Art der Endgeräte.

Für ein häufiges Szenario, nämlich das Netzwerk in einem kleinen Büro, ist meist ein einziges Gerät für alle ausreichend: ein WLAN-Router. Wer nach einem geeigneten Modell Ausschau hält, sollte sich an Markengeräte halten. Bei speziellen Anforderungen, etwa dem Fernzugriff per VPN, kommt man an »Business-Geräten« nicht vorbei. Bei aktuellen Geräten sollten Netzwerke mit 2,4 und 5 GHz genutzt werden. Ältere WLAN-Clients (Laptops, Drucker o. ä.), die den Betrieb bei 5  GHz nicht unterstützen, funken dann im 2,4er-WLAN und bremsen die moderneren Geräte nicht aus. 

Sollten häufige Ortswechsel nötig sein oder die verwinkelte Architektur etwa in einem Altbau die Funkübertragung stören, bieten MESH-Netzwerke eine gute Alternative. Hier »sprechen« die einzelnen Geräte miteinander und arbeiten zusammen, um auch die hintersten Ecken anzubinden, die im Funkschatten stehen. Für die »Absprache« der Geräte wird aber ein Teil der Brutto-Bandbreite aufgebraucht, steht damit nicht mehr für den Nutzverkehr zur Verfügung. Je mehr Geräte im MESH-Netzwerk verbunden sind, desto höher ist dieser Bandbreitenverlust. Ab einer gewissen Zahl an Geräten, üblicherweise um die sechs, sind MESH-Architekturen deswegen nicht mehr effektiv.

Standard 802.11ac Wave 2. Für hochleistungsfähige WLAN-Netzwerke eignet sich deswegen der Standard 802.11ac Wave 2 besser. Er ist die nächste Evolutionsstufe von 802.11ac und bietet eine höhere Bandbreite. Durch die Option, Funksignale gerichtet zu versenden und damit verschiedene Endgeräte auf dem gleichen Kanal anzusprechen, erreicht er außerdem höhere Geschwindigkeiten. Mobile Endgeräte, die meist nur über eine einzige Antenne verfügen, profitieren zusätzlich davon, dass diese Technik auch größere Reichweiten und höhere Signalqualität bringt.

Standard 802.11ax. In Internet-of-Things-Szenarien setzen viele Entscheider dagegen auf den Standard 802.11ax. Er erlaubt die Anbindung einer großen Zahl von Endgeräten. Diese Eignung in sogenannten »High Density Umgebungen«, also Gebieten mit einer hohen Anzahl von WLAN-Geräten, macht ihn auch für Stadien und andere öffentliche Plätze interessant. Erste Geräte, die dieses Jahr auf der CES präsentiert wurden, erreichen theoretische Geschwindigkeiten von 11 Gbit/s. Doch der neue Standard ist noch nicht einmal verabschiedet – die IEEE plant seine Finalisierung erst Ende 2019. Das kann für Enterprise-Kunden zum Problem werden, wenn diese früh angebotenen ax-Produkte nicht mit »echten« ax-WLAN Access Points und Routern zusammen funktionieren. Der Gradmesser sollte für die Unternehmens-IT nicht sein, wie hip eine Technologie ist, sondern wie ausgereift sie ist.

Fazit. Genauso allgegenwärtig wie WLAN heutzutage ist, genau so vielfältig sind seine Einsatzgebiete. Ebenso groß ist die Bandbreite technischer Lösungen, die jeweils das beste Ergebnis bringen. Dennoch findet sich mit etwas Sorgfalt der richtige Standard für jeden Anwendungsfall.

 

Vor- und Nachteile aktueller WLAN-Standards


802.11s
Auch: MESH

Pro: Gut für die unkomplizierte, schnelle Einrichtung in kleinem Rahmen oder für verwinkelte Gebäude mit schlechter Funk-Durchdringung.

Kontra: Ab sechs Geräten erhebliche Leistungseinbußen.

Geeignet für: Kleine Büros, etwa in Altbauten, Pop-up-Stores.


802.11ac Wave 2
Auch: Wi-Fi 5

Pro: Mehr Bandbreite und hohe Geschwindigkeit, Multi-User MIMO -(Multiple Input, Multiple Output) erlaubt räumlich gerichtete Funkkanäle zur besseren Auslastung und Reichweite sowie zur besseren Signalqualität bei Mobilgeräten, bis zu 3,47 Gbit/s Maximaldurchsatz

Kontra: Für die volle Leistung reicht »Standard-Gigabit-Ethernet« auf dem Netzwerkkabel nicht aus. Gegebenenfalls ist eine Neuverkabelung einschließlich neuer Switches nötig.

Geeignet für: Professionelles WLAN zu Arbeitszwecken.


802.11ax
Auch: HEW – High Efficiency Wireless, Wi-Fi 6

Pro: Perfekt für Bereiche mit sehr hoher Anzahl an WLAN-Clients und Geräten (IoT), High Density Umgebungen.

Kontra: Standard ist noch nicht final (erwartet: Ende 2019); deswegen -drohen beim Kauf bereits angebotener Geräte spätere Inkompatibilitäten.

Geeignet für: IoT-Szenarien oder den Einsatz in Stadien und öffentlichen Plätzen.

 


Jan Buis,
Vice President
Wireless LAN und Switches,
LANCOM Systems GmbH

 

 

 

Illustrationen: © FotoIdee /shutterstock.com

 


 

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