Wie Unternehmen Top-Talente trotz Krisen kostengünstig halten können

Illustration: Absmeier – Pixabay

Noch vor einigen Jahren konnten Betriebe die qualifizierteste Person aus einer Masse von Bewerbern auswählen. Heute hat sich diese Situation in einigen Branchen komplett gewandelt: Der Arbeitsmarkt ist wie leergefegt. Um Talente anzuziehen und zu halten, müssen Unternehmen zunehmend auf ein aggressives Employer Branding, einem wichtigen Aspekt des Personalmarketings, und digitale Rekrutierungsstrategien setzen. Benefits spielen bei der Jobsuche eine entscheidende Rolle: Jungen Menschen sind flexible Arbeitszeiten und Homeoffice inzwischen wichtiger als das Gehalt – eine unausgeglichene Work-Life-Balance gilt als Kündigungsgrund. Führungskräften, die aufgrund der aktuellen Krisen keine Gehaltserhöhungen bieten können, fehlen anderweitig attraktive Vorteile für Angestellte. Welche Leistungen sind für Teammitglieder besonders reizvoll und bieten über materiellen Wert hinaus attraktive Vorteile?

 

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Organisationen präsentieren sich durch ihre Kultur und Vorzüge für Teammitglieder als attraktive Arbeitgebende. Diese Vorteile sind nicht immer finanzielle Leistungen: Sie sollen die Produktivität der Beschäftigten fördern und somit die der Firma. Eine Studie zur Personalvermittlung im Jahr 2022 des BAP (Verbandsbereich Personalvermittlung) zeigt, dass flexible Arbeitszeiten zu den drei wichtigsten Jobauswahlfaktoren potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten zählen. Eine gute Work-Life-Balance schafft ein positives Klima und steigert das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeitenden. Vielen Unternehmen ist dies bewusst und sie passen das Angebot der Nachfrage an.

Bei einem Report von Kenjo zur mentalen Gesundheit von Mitarbeitenden, gaben 48 Prozent der befragten Personen an, sich flexible Arbeitszeiten zu wünschen. Vermehrt werden diese und Gleitzeitmodelle in Stellenanzeigen integriert. Folgen der Krise lassen Geschäftsführende laut einer aktuellen Umfrage der Karriere-Plattform Linkedin dennoch umdenken: Drei Viertel der Befragten haben bei den Mitarbeiter-Benefits bereits Kürzungen vorgenommen oder beabsichtigen, entsprechende Pläne umzusetzen. Ebenso viele Führungskräfte befürchten dadurch negative Effekte wie Unzufriedenheit und mangelnde Motivation.

»Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen, wie viel Aufklärungsbedarf in der Chef-Etage noch besteht«, sagt David Padilla, der CEO und Mitbegründer der All-In-One HR-Software Kenjo. Mitarbeiter-Benefits seien laut ihm heutzutage die Währung, um Talente zu binden. Besonders, da aktuell viele Branchen aufgrund der Inflation, des Krieges und der Energiekrise vor Herausforderungen stehen. »Am eigenen Team zu sparen, wird sich negativ auf die Produktivität auswirken und sendet ein falsches Signal an Arbeitnehmer:innen«, warnt Padilla.

 

Gleitzeit führt zu weniger Fehltagen: Der entscheidende Vorteil

Flexible Zeiteinteilung, Homeoffice und hybride Modelle haben weltweit die Work-Life-Balance verbessert und zählen zu den absoluten Spitzenreitern bei Stellenausschreibungen. Diese Maßnahmen kosten Firmen nichts – außer Vertrauen. »Die Mitarbeiter-Benefits haben auch einen positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit«, betont Padilla. Diese ist inzwischen nicht nur generell, sondern auch im Job ein ungemein wichtiges Thema. Burnout und stressbedingte Fehltage sind die zweithäufigste Ursache für Krankschreibungen. »Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden war für Unternehmen zu lange keine Priorität«, mahnt Padilla. Nun werden sie zum Handeln gezwungen, denn Jobsuchende in Deutschland legen immer größeren Wert auf entsprechende Angebote. »Um dem nachzukommen, bieten wir jedem Mitarbeitenden unter anderem eine kostenlose und unbegrenzte psychologische Therapie an«, erklärt der Kenjo-Mitbegründer. Auch ein jährliches Budget für Fortbildungen und berufliche Entwicklung sei auf dem heutigen Berufsmarkt nicht mehr wegzudenken. Zufriedene Menschen sind wesentlich produktiver und engagierter: Die Fehlerquote sinkt, die Qualität des Kundenservice steigt. Laut der WHO erzielt jeder in die Gesundheit der Mitarbeiter investierte Euro einen Produktivitätsgewinn von vier Euro. »In das mentale Wohlbefinden von Talenten zu investieren, hilft nicht nur dabei, die Arbeitgeberattraktivität zu steigern, sondern trägt langfristig auch zur Wettbewerbsfähigkeit bei«, so David Padilla.

 

Die attraktivsten Alternativen zu mehr Gehalt

»Es ist empfehlenswert, Mitarbeitenden die Möglichkeit anzubieten, die derzeit hohen Inflationsraten beispielsweise durch Sozialleistungen auszugleichen«, rät der Geschäftsführer von Kenjo. Dabei handelt es sich nicht um finanzielle Zuschüsse. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können aus mehreren Angeboten wählen, was am besten zu ihnen passt. »Wir bieten unter anderem ein Sportangebot in Zusammenarbeit mit Urban Sports an, Essensgutscheine, sowie Zuschüsse für öffentliche Verkehrsmittel und Kinderbetreuung«, ergänzt er. Viele dieser Vorteile sind von der Einkommenssteuer befreit und können so bei der Auszahlung des Gehalts flexibilisiert werden. »Durch regelmäßige Umfragen zur Arbeitszufriedenheit haben wir festgestellt, dass diese Benefits sich nicht nur finanziell auswirken und einen Teil der Kosten abfedern, sondern auch die Wahrnehmung des Unternehmens verbessern«, sagt Padilla. Dieses Engagement zahlt sich aus. In Deutschland hat Kenjo dieses Jahr erneut die »Great Place To Work« Zertifizierung erhalten. Diese basiert auf der Meinung der Mitarbeitenden über die Organisation. »Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass sich Maßnahmen wie diese positiv auswirken: finanziell, aber auch auf das Wohlbefinden und das Engagement der Mitarbeitenden bei der Arbeit«, so der Unternehmer abschließend.