Deutsche haben Print noch nicht abgeschrieben und fordern Kennzeichnungen für KI-generierte Texte

  • 49 % der Befragten stehen automatisiert erstellten Nachrichten skeptisch/kritisch gegenüber.
  • Deutsche fordern: Mittels künstlicher Intelligenz (KI) entstandene Nachrichten sollten gekennzeichnet werden.
  • Mehr als die Hälfte der Deutschen (57 %) glaubt, dass Printmedien überleben werden.
  • In autonomen Pkw werden Unterhaltung und Nachrichten-Konsum im Fokus stehen.

 

Ein schneller Blick aufs Smartphone ersetzt oft die Lektüre der Tageszeitung, ein schnelles Web-Video die 20 Uhr-Nachrichten. Wohin führt uns die Digitalisierung und welche Auswirkungen hat sie auf den Medienkonsum? Dieser Frage ist Statista mit einer repräsentativen Studie im Auftrag von nextMedia.Hamburg im Vorfeld des scoopcamp 2018 auf den Grund gegangen [1]. Die jüngste Studie ergab gute Nachrichten für die klassischen Medien: Eine knappe Mehrheit der Deutschen glaubt, dass Printprodukte eine Zukunft haben.

Besonders die Altersgruppe über 30 Jahre glaubt weiter an einen Fortbestand der altbewährten Tageszeitung. Die jüngeren Befragten, wenn auch knapp, prognostizieren eher eine baldige Ablösung durch Smartphone und Co. Besonders lohnenswert ist ein Blick auf die Vielfalt der Print-Produkte. Gerade Fachmagazine sollen bei den Deutschen auch in zehn Jahren noch hoch im Kurs stehen. 53 Prozent der 18- bis 29-Jährigen glaubt an ihren Fortbestand; bei der Tageszeitung sind es immerhin noch 44 Prozent. Die älteren Altersgruppen schließen sich dieser Prognose weitestgehend an, für sie bleiben aber auch lokale Zeitungen und Magazine relevant. Andere Print-Produkte wie Nachrichtenmagazine, Boulevardzeitungen oder Kundenmagazine werden, da sind sich alle Befragten einig, wahrscheinlich nicht überleben. Lediglich 9 Prozent aller Befragten glauben, dass in zehn Jahren überhaupt kein Print-Produkt mehr relevant sein wird.

Print-Medien werden in den Augen der meisten Deutschen, ihre Daseinsberechtigung behalten.

Dabei müssen sie sich ihre Zielgruppe jedoch mit neuen Medien wie etwa Virtual Reality teilen. Zwar haben erst 15 Prozent der Deutschen Nachrichtensendungen mit VR oder AR gesehen, doch sie wissen genau, welche Medienbereiche sie gern in Virtual Reality erleben möchten: 67 Prozent der Befragten wollen Inhalte zu Natur-Themen über VR erleben. Bei den über 50-Jährigen sind es sogar 72 Prozent. Etwa die Hälfte der Befragten interessiert sich hier für Sport oder Wissenschaft. Nur ein Drittel kann sich für Kultur oder Politik über VR begeistern. Natur-Content sollte laut Studie am besten als Dokumentation (72 Prozent) oder Reportage (62 Prozent) aufbereitet werden. Auch Live-Formate kommen gut an: 56 Prozent wollen direkt dabei sein, wenn etwas Aufregendes passiert, denn der Mehrwert von VR liegt laut Befragten hauptsächlich in der besseren Erlebbarkeit. Lediglich 24 Prozent sehen keinerlei Mehrwert in VR-Inhalten; bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar nur zehn Prozent. Neben Virtual Reality gewinnen übrigens auch Podcasts und Messenger-Dienste immer mehr Bedeutung in der (Medien-)Berichterstattung – das zeigt die nextMedia.Hamburg-Studie »Messenger-Dienste, Podcasts und VR/AR« sehr deutlich.

Künstliche Intelligenzen halten immer weiter Einzug in den Journalismus.

Dennoch sind 45 Prozent der Deutschen der Meinung, dass sich diese Technologie nicht durchsetzen wird. Entsprechend skeptisch stehen sie automatisierten Nachrichten gegenüber: 49 Prozent sind hier eher kritisch, 28 Prozent lehnen diese News ganz ab. Nur drei Prozent halten Roboterjournalismus für sinnvoll. Diese Einschätzungen spiegeln sich in der Bewertung der Glaubwürdigkeit automatisierter Nachrichten wider: 43 Prozent halten diese Meldungen für unglaubwürdig, nur 18 Prozent schenken diesem Content Glauben, die restlichen 39 Prozent können die Glaubwürdigkeit gar nicht einschätzen. Entsprechend nachvollziehbar: 91 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine Kennzeichnung von automatisiert erstellten Artikeln aus.

Eines der Trend-Themen in Sachen Zukunft von Content ist autonomes Fahren.

Das Mehr an Zeit, das durch Mitfahren statt Selbstfahren entsteht, wollen immerhin 22 Prozent nutzen, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren. Ein Drittel der Befragten möchte die Zeit allerdings lieber mit Entertainment verbringen: Musik hören, Serien oder Filme schauen oder ein Buch lesen sind hier die Favoriten. Nur etwa jeder Fünfte würde arbeiten, soziale Kontakte pflegen oder sich erholen.

[1] Diese repräsentative Studie wurde im Vorfeld des scoopcamp am 27. September 2018 von Statista im Auftrag von nextMedia.Hamburg zwischen dem 17. und 24. Mai 2018 durchgeführt. Das scoopcamp ist die Innovationskonferenz für Onlinemedien. Unter den hochkarätigen Speakern sind in diesem Jahr Nonny de la Peña (Emblematic Group) und Marius Thorkildsen (Schibsted) sowie der Scoop Award Preisträger Jochen Wegener (ZEIT ONLINE). Seit 2009 lädt Hamburg@work – und seit 2014 nextMedia.Hamburg – jährlich zusammen mit der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH mehr als 250 Experten, Entscheider und Innovatoren der IT- und Medienbranche zur Diskussion über Trends und aktuelle Themen an der Schnittstelle zwischen Redaktion, Programmierung und Produktentwicklung ein. Im Fokus stehen Themen wie »Data Journalism«, »Social Media« und »New Storytelling« in digitalen Medien. www.scoopcamp.de

 


 

Printmedien: Die Hälfte glaubt an die Relevanz von Fachmedien

Wie es mit der Zukunft der Printmedien aussieht, wollte nextMedia.Hamburg wissen. Statista ist dieser Frage im Auftrag der Standortinitiative der Hamburger Medien- und Digitalwirtschaft nachgegangen. Demnach stimmen 44 Prozent der Befragten (eher) der Aussage zu, dass gedruckte Presseerzeugnisse in zehn Jahren tot sein werden. Andererseits werden Fachmagazine beziehungsweise Tages- oder Wochenzeitungen für mehr als jeden Zweiten als Print-Produkte weiter relevant bleiben. nextMedia.Hamburg zeigt sich in einem Blogpost [1] überzeugt, dass Printmedien, wenn auch nicht flächendeckend, ihre Daseinsberechtigung behalten werden. »Sie müssen sich den Platz im metaphorischen Zeitungsständer, aber mit deutlich neueren Medien wie etwa Virtual Reality teilen.« Mathias Brandt

[1] http://www.nextmedia-hamburg.de/content/blog-detail/artikel/print-vs-online-traditionelle-medien-geniessen-vertrauen-bei-den-deutschen/ 

 

https://de.statista.com/infografik/15032/umfrage-zur-zukunft-von-printmedien/

 


 

Print vs. Online: Traditionelle Medien genießen Vertrauen bei den Deutschen

 

Behauptet ist vieles ganz schnell. Dass Print tot ist, zum Beispiel. Dass dem nicht so ist, zeigt die repräsentative Studie, die Statista im Auftrag von nextMedia.Hamburg durchgeführt hat. Vor welchen Herausforderungen die Kreativbranche steht und wohin die Reise für Medien gehen soll, lest ihr in diesem Artikel. Quo vadis, Media?

Kaum eine andere Branche wandelt sich im Zuge der Digitalisierung so rasant wie die Kreativindustrie. Vor rund 40.000 Jahren lernte der Mensch sprechen und es dauerte etwa 35.000 Jahre, bis er diese Sprache auf Stein oder Holz festhalten konnte. Bis zu Gutenbergs Bibeldruck vergingen weitere 10.000 Jahre; und das ist erst rund 500 Jahre her. Jetzt beinhaltet »Medien« von Radio über Fernsehen bis zur Tageszeitung auch noch das World Wide Web. Nun scheint uns ein erneuter Paradigmenwechsel bevorzustehen.

Mit zunehmendem Fortschritt des Wandels glauben viele Experten nicht an ein Überleben des Print-Mediums. Zu verstaubt, nicht messbar und gerade deswegen unprofitabel seien die gedruckten Inhalte. Im Gegenzug liegen die Vorteile von »Everything is digital« auf der Hand: Dank Datenerfassung der User haben Online-Publisher die Möglichkeit, ihre Inhalte passgenau an ihre Zielgruppe zu spielen. Wer jedoch in Zeiten von Instant-Journalismus im hart umkämpften Markt wahrgenommen werden will, muss auch schneller und lauter sein. Ein ökonomischer Zwang, der das journalistische Ethos der Sorgfalt, Kritik und Aufdeckungsfunktion gefährdet – mit schwerwiegenden Folgen. Seit rund zwei Jahren steckt die Medienwelt in einer tiefen Vertrauenskrise, die durch die gezielte Streuung von Fake News befeuert wird. Laut des Edelman Trust Barometers 2018 haben beinahe 70 Prozent der Leser weltweit Angst vor Falschmeldungen.

 

Print-Medien behalten Daseinsberechtigung

Die wachsende Unsicherheit scheint gleichzeitig eine Chance für das Print-Medium zu sein. Das zumindest deutet eine repräsentative Statista-Umfrage an, die nextMedia.Hamburg im Vorfeld des scoopcamp 2018 in Auftrag gab. Demnach bestreitet die Hälfte der Deutschen die Aussage, dass Print in zehn Jahren tot sei. Besonders die Altersgruppe über 30 Jahre glaubt weiter an einen Fortbestand des Gutenbergschen Erbes. Die jüngeren Befragten, wenn auch knapp, prognostizieren eher ein baldiges Ableben. Etwas anders sieht es aus, wenn man die einzelnen Print-Produkte betrachtet. Gerade Fachmagazine stehen hier auch in zehn Jahren noch hoch im Kurs. 53 Prozent der 18- bis 29-Jährigen glaubt an deren Fortbestand; bei der Tageszeitung sind es immerhin noch 43 Prozent.

Print-Medien werden also, wenn auch nicht flächendeckend, ihre Daseinsberechtigung behalten. Sie müssen sich den Platz im metaphorischen Zeitungsständer, aber mit deutlich neueren Medien wie etwa Virtual Reality teilen. Allerdings haben erst 15 Prozent der Deutschen Reportagen oder Nachrichten mit VR oder AR gesehen. Dies kann einerseits an einem Mangel von passender Hardware liegen, aber auch am Content, der angeboten wird: 67 Prozent der Befragten wollen Inhalte zu Natur-Themen über VR erleben. Bei den über 50-Jährigen sind es sogar 72 Prozent.

 

Skepsis bei Robotor-Journalismus

Auch künstliche Intelligenzen halten immer weiter Einzug in den Journalismus. 45 Prozent der Deutschen allen Alters sind aber der Meinung, dass sich diese Technologie hier nicht durchsetzen wird. Entsprechend skeptisch stehen sie automatisierten Nachrichten gegenüber. 49 Prozent sind hier eher kritisch, 28 Prozent halten diese News für schlechten Content. Nur drei Prozent halten Roboterjournalismus für sinnvoll. Diese Einschätzung wirkt sich auch auf die Glaubwürdigkeit aus: 43 Prozent halten diese Meldungen für unglaubwürdig, 18 Prozent schenken diesem Content Glauben. Immerhin 39 Prozent können die Glaubwürdigkeit hier nicht einschätzen. Nachvollziehbar: 91 Prozent der Deutschen wollen eine Kennzeichnung von automatisiert erstellten Artikeln.

Ob die gesellschaftliche Akzeptanz von Artificial Storytelling steigen oder die Mehrheit zukünftig doch lieber zur analogen Zeitung greifen wird, ist derzeit noch ungewiss. Sicher ist nur: Die Printbranche steht mit dem digitalen Wandel vor der großen Herausforderung, die sinkenden Auflagen von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften wirtschaftlich wieder aufzufangen. Am Ende könnte der Königsweg aus der Krise auch in der Verschmelzung von Online und Print liegen. Was sich daraus für neue Monetarisierungsmöglichkeiten entwickeln können, zeigt DIE ZEIT. Die digitale Ausgabe der Zeitung verkauft sich jede Woche 26.000 Mal, mit den Einnahmen kann die gedruckte Version zum Teil refinanziert werden.

So oder so: Die Zukunft der Medien in Deutschland bleibt weiterhin spannend. Das Distributionsfeld wird zunehmend größer. Klassische Medienformen bleiben relevant, müssen sich den Platz an der Sonne jedoch mit den »jungen Wilden« der Technologie teilen. Neben Virtual Reality gewinnen übrigens auch Podcasts und Messenger-Dienste immer mehr Bedeutung – das zeigt die nextMedia.Hamburg-Studie »Messenger-Dienste, Podcasts und VR/AR« sehr deutlich. Wie wir die Zukunft des Medienwandels mitgestalten können, diskutieren wir am 27. September 2018 auf dem scoopcamp.

 

Textquelle: http://www.nextmedia-hamburg.de/content/blog-detail/artikel/print-vs-online-traditionelle-medien-geniessen-vertrauen-bei-den-deutschen/

 


 

 

 

 

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