4 Sicherheitsrisiken, die CIOs bei der Nutzung von Krypto-Technologien oft unterschätzen

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Krypto-Technologien haben sich vom Nischenexperiment zu einem strategischen Thema entwickelt. Für viele Unternehmen geht es dabei weniger um Spekulation, sondern um Infrastrukturfragen: digitale Identitäten, tokenisierte Prozesse oder neue Zahlungswege. Genau hier entstehen Risiken, die im Managementalltag leicht untergehen.

2026 stehen CIOs und CISOs vor einer paradoxen Situation. Einerseits wächst der Druck, sich mit Krypto-Technologien auseinanderzusetzen. Andererseits fehlt oft eine klare Einordnung, wie sich diese Technologien sicher und regelkonform in bestehende IT- und Governance-Strukturen einfügen lassen.

  1. Unklare Governance bei Krypto-Projekten

In vielen Organisationen starten Krypto-Initiativen als Innovationsprojekte ohne klar definierte Zuständigkeiten. Wer entscheidet über Wallet-Modelle, Schlüsselverwaltung oder Schnittstellen zu Drittsystemen? Häufig bleibt das offen, was Sicherheits- und Haftungsfragen verschärft.

Das zeigt sich auch beim Blick auf externe Ökosysteme: Selbst ein Vergleichsartikel zu Krypto-Casinos betont, dass »Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit die wichtigsten Auswahlkriterien für Plattformen sind« (Quelle: https://www.coinspeaker.com/de/krypto-casinos/). Übertragen auf Unternehmen wird deutlich, wie problematisch fehlende Governance ist, wenn technische und regulatorische Verantwortung nicht klar verankert sind. Ohne feste Leitplanken entstehen Grauzonen, die später nur schwer zu schließen sind.

  1. Schatten-IT durch private Wallets

Ein unterschätztes Risiko entsteht dort, wo Mitarbeitende privat mit Krypto-Technologien umgehen und diese Erfahrungen unkontrolliert in den Arbeitsalltag einfließen. Private Wallets, Browser-Erweiterungen oder mobile Apps können schnell zur Schatten-IT werden, besonders wenn sie auf Unternehmensgeräten genutzt werden.

Wie real diese Gefahr ist, zeigt eine Kaspersky-Studie: Laut der Untersuchung waren 48,6  % der Krypto-Besitzer in Deutschland bereits mit Cyberbedrohungen konfrontiert. Für Unternehmen bedeutet das, dass individuelle Risiken einzelner Nutzer unmittelbar auf die Unternehmenssicherheit durchschlagen können. Klassische Awareness-Programme greifen hier oft zu kurz, weil Krypto-Nutzung außerhalb etablierter IT-Prozesse stattfindet.

  1. Neue Angriffsflächen durch Schnittstellen

Krypto-Technologien entfalten ihren Nutzen erst durch Integration. Genau darin liegt jedoch ein zentrales Problem. APIs zu Wallet-Diensten, Smart-Contract-Plattformen oder externen Verwahrstellen erweitern die Angriffsfläche erheblich.

Viele dieser Schnittstellen entziehen sich den etablierten Sicherheitsmechanismen in Unternehmen. Sie werden nicht immer in Penetrationstests einbezogen und sind selten Teil zentraler Monitoring-Konzepte. Das erhöht das Risiko von Manipulationen oder Datenabflüssen, ohne dass Sicherheitsverantwortliche frühzeitig reagieren können. Für CIOs stellt sich hier weniger eine technische als eine strukturelle Frage: Wie lassen sich neue Krypto-Komponenten in bestehende Sicherheitsarchitekturen integrieren, ohne blinde Flecken zu erzeugen?

  1. Regulatorische Grauzonen im Unternehmenskontext

Ein weiterer Bremsklotz ist die regulatorische Unsicherheit. Viele Unternehmen beobachten den Markt, scheuen aber den operativen Einsatz von Krypto-Technologien. Das belegt auch eine Bitkom-Erhebung, nach der nur 2  % der deutschen Unternehmen aktuell Zahlungen mit Kryptowährungen abwickeln.

Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar, birgt aber ein eigenes Risiko. Wer Krypto vollständig ausklammert, entwickelt keine internen Kompetenzen. Kommt es dann zu regulatorischen Klarstellungen oder externem Druck durch Partner, fehlt die organisatorische und sicherheitstechnische Vorbereitung. Regulierung wird so nicht zum Schutzschild, sondern zum Stressfaktor.

Handlungsfelder für CISO und CIO

Am Ende laufen viele Risiken in einer Kernfrage zusammen: Sind Sicherheitsstrategien ausreichend auf neue Bedrohungsmodelle vorbereitet? Der Blick auf die allgemeine Cyberlage spricht eine deutliche Sprache. Laut PwC waren 89  % der deutschen Unternehmen in den letzten drei Jahren von Datendiebstahl oder -missbrauch betroffen.

Für CISO und CIO bedeutet das, Krypto-Technologien nicht isoliert zu betrachten. Governance, Schulung, Schnittstellensicherheit und regulatorische Bewertung gehören in eine gemeinsame Strategie. Wer Krypto nur als Randthema behandelt, riskiert, dass sich neue Angriffsvektoren unbemerkt etablieren. Entscheidend ist weniger die Frage, ob Krypto genutzt wird, sondern wie kontrolliert und vorbereitet Unternehmen damit umgehen.