Bildungshunger in Asien – Trägheit in Deutschland

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Es besteht ein großer Nachholbedarf beim Erwerb digitaler Fähigkeiten. So gibt eine Mehrheit aller Befragten einer repräsentativen Studie in neuen Ländern an, dass ihre derzeitigen digitalen Fähigkeiten künftig nicht für ihren Beruf ausreichen werden. Dies sehen vor allem Menschen in Asien so. Zudem stellen Arbeitgeber in Asien ihren Angestellten wesentlich mehr Zeit zur Weiterbildung digitaler Qualifikationen zur Verfügung als Arbeitgeber in Europa und den USA.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie (»The Tech Divide: Industrie und Arbeit«) im Auftrag des Vodafone Instituts, umgesetzt durch das Meinungsforschungsinstitut Ipsos.

 

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Weniger Zeit zur Weiterbildung in Europa

So können 40 Prozent der Chinesen zwischen einer und fünf Stunden der Arbeitszeit pro Woche zur Weiterbildung nutzen, 23 Prozent sogar mehr als fünf Stunden. In Deutschland sind es dagegen nur 19 beziehungsweise 6 Prozent.

Auch die Bereitschaft, sich in der Freizeit weiterzubilden, ist im asiatischen Raum wesentlich ausgeprägter. Rund 50 Prozent der Befragten in China und Indien sind bereit, sich bis zu fünf Stunden pro Woche in ihrer Freizeit weiterzubilden, davon über 20 Prozent sogar mehr als fünf Stunden. In Europa ist der Grad der Bereitschaft signifikant niedriger. In Italien und Spanien würden 40 Prozent beziehungsweise 41 Prozent der Befragten bis zu fünf Stunden pro Woche investieren, 13 beziehungsweise 11 Prozent mehr als fünf Stunden. In Deutschland und Schweden sind es sogar nur 35 beziehungsweise 26 Prozent (bis zu fünf Stunden) und je 6 Prozent (über fünf Stunden).

 

Diskrepanz zwischen Europa und Asien

Hintergrund der Studie ist die zunehmende Diskrepanz zwischen Europa und den USA beziehungsweise China bei der Akzeptanz neuer Technologien. Die Studie untersucht, ob diese Unterschiede auch mit der tatsächlichen Einstellung repräsentativer Teile der Bevölkerung korrelieren. Hierfür wurden insgesamt über 9.000 Menschen in neun Ländern per Online-Umfrage befragt. »Industrie und Arbeit« ist der zweite Teil der Technologieakzeptanz-Studien »The Tech Divide«. Der dritte Teil erscheint Mitte Februar zum Summit »The Future of Made in Europe« am 19. Februar in Berlin. Dieser dient als Plattform für Debatten und den Austausch hochrangiger Vertreter aus Wirtschaft und Politik für eine EU-Vision für das digitale Zeitalter. Die Keynote hält Bundeskanzlerin Angela Merkel.

 

Deutsche sehen den Digitalisierungsgrad ihres Landes besonders kritisch. USA, China und Schweden werden von den Befragten als digitale Elite-Nationen eingeschätzt. Mehrheit aller Befragten sieht Arbeitsplätze durch Digitalisierung gefährdet. Weniger Bereitschaft zur digitalen Weiterbildung in Europa. Arbeitgeber stellen weniger Zeit zur Verfügung.

 

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Die Deutschen sehen den Digitalisierungsgrad ihres Landes besonders pessimistisch. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie (»The Tech Divide: Industrie und Arbeit«) im Auftrag des Vodafone Instituts, umgesetzt durch das Meinungsforschungsinstitut Ipsos. 59 Prozent der befragten Deutschen stimmen der Aussage zu, dass ihr Land bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Dies ist der höchste Wert aller befragten Länder, noch vor Indien (57 Prozent) und Bulgarien (55 Prozent). Am wenigsten pessimistisch sehen sich in dieser Hinsicht China (27 Prozent) und Schweden (16 Prozent). Auch im direkten Vergleich der Nationen beziehungsweise Kontinente gelten USA, China und Schweden als digitale Elite-Nationen.

 

Weckruf an Politik und Wirtschaft

»Dass eine Mehrheit der Deutschen ihr Land digital abgehängt sieht, ist ein Weckruf an Politik und Wirtschaft. Deutsche nutzen rund um die Uhr ihr Smartphone, kaufen online ein oder streamen Filme – im eigenen Unternehmen, beim Arztbesuch oder im Rathaus hingegen erleben viele Menschen Deutschland noch als weitgehend analog. Digitalisierungsstrategien in Politik und Wirtschaft werden nur greifen, wenn Menschen konkrete Verbesserungen in ihrem Alltag erfahren«, erläuterte Inger Paus, Geschäftsführerin des Vodafone Instituts, die Ergebnisse der Studie.

»Angesichts der weit verbreiteten Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Digitalisierung braucht es aber auch mehr Eigeninitiative in puncto lebenslanges Lernen: Nicht nur Staat und Unternehmen sind für die Vermittlung von Kompetenzen für eine digitale Welt verantwortlich, sondern jeder Einzelne auch selbst. Das haben viele Deutsche im Vergleich zu Menschen in China und Indien noch nicht verinnerlicht.«

Weit über die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage zu, dass Digitalisierung und neue Technologien zum Verlust von Arbeitsplätzen führen werden. Vor allem in Großbritannien (70 Prozent), den USA (66 Prozent) und Deutschland (65 Prozent) wird dies so gesehen. Nur in China (45 Prozent) findet sich für diese These keine Mehrheit.

 

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Download »The Tech Divide: Industrie und Arbeit« (deutsche Zusammenfassung): https://www.vodafone-institut.de/wp-content/uploads/2018/11/VFI_Industrie_und_Arbeit_Tech_Divide.pdf

 

Stimmen zur Studie:

 

Prof. Luciano Floridi, Professor of Philosophy and Ethics, University of Oxford

»Die besten Richtlinien und Innovationsstrategien sind immer faktenbasiert. Diese Umfrage bietet einige sehr hilfreiche und unverzichtbare Informationen, um einen besseren Überblick über die Einstellungen der Menschen und damit über die zu ergreifenden Maßnahmen zu erhalten, damit die digitale Innovation berechtigten Erwartungen gerecht werden, vernünftige Bedenken ausräumen und realistische Erwartungen erfüllen kann.«

 

 

Prof. Christoph Igel, Principal Researcher, Deutsches Forschungszentrum für künstliche Intelligenz

»Wir erleben durch die Digitalisierung eine grundlegende Veränderung. In Europa geht das einher mit Ängsten vor Automatisierung beziehungsweise Jobverlust. Diese Grundangst haben Sie in weiten Teilen Asiens nicht. Im Gegenteil: Durch die Digitalisierung sind viele Jobs überhaupt erst entstanden. Dementsprechend optimistisch schaut man in die Zukunft.«

 

 

Inger Paus, Geschäftsführerin, Vodafone Institut:

»Unsere Studie zeigt, dass viele Europäer den vermeintlich sicheren Status Quo bedroht sehen. Den westlichen Industrienationen ist offenbar der Fortschrittsglaube abhandengekommen. Hier müssen Politik und Wirtschaft klar aufzeigen, dass die Digitalisierung das Potenzial hat, die Gesellschaft nachhaltig zu verbessern. Wenn wir diesen Weg nicht endlich beherzter beschreiten, kann das Gefühl der Abgehängtheit schnell zur Realität werden.«

 

 

Lifeng Liu, CEO, Ipsos China

Früher waren Infrastrukturen und Gesellschaftssysteme in Asien sehr schlecht. Die Menschen haben jetzt das Gefühl, dass die Vorteile der neuen Technologien und die Gewinne durch die Akzeptanz neuer Technologien auf dem asiatischen Markt höher sind. Deshalb sind sie eher bereit, die Regierungspolitik anzunehmen. Allein das mobile Bezahlen, das hier praktisch jeder nutzt, hat gewaltige Vorteile gebracht. Zudem herrscht gerade in China ein kollektiver Geist. Das Land und die Familie stehen über dem Individuum. Das hilft, die Digitalisierung voranzutreiben.

 

 

Parijat Chakraborty, Executive Director, Ipsos India

»In Indien können sich die Menschen inzwischen schnell auf neue Technologien einstellen. Mobile Unternehmen und andere Akteure des Ökosystems haben eine phänomenale Arbeit geleistet, indem sie erschwingliche Technologien für viele Herausforderungen des täglichen Lebens entwickelt haben. Die Mehrheit der Inder hatte vor zehn Jahren noch nicht einmal Zugang zu Festnetztelefonen. Heute können sie auf eine Vielzahl von Technologien zurückgreifen. Es ist eine neue und fortschrittliche Welt, die sich plötzlich vor ihnen öffnet. Die jüngste Demonetisierung hat beispielsweise auch die einfachen Menschen gezwungen, eine finanzielle Transaktion über technische Endgeräte zu übernehmen. All dies macht die Menschen in Indien offen für neue Technologien.«

 

 


 

Digitalisierung – Asien euphorisch, Europa skeptischer

 

Die unterschiedliche Wahrnehmung der Digitalisierung in Europa, Asien und den USA. Wie stehen Menschen zu neuen Technologien? Ein Studie in neun Ländern zeigt gravierende Unterschiede.

 

Deutsche stehen der Digitalisierung und Zukunftstechnologien im Allgemeinen weit weniger optimistisch gegenüber als Menschen in Asien. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des Vodafone Instituts. Hierfür wurden insgesamt über 9.000 Menschen in 9 Ländern per Online-Umfrage befragt. Hintergrund der Studie ist die zunehmende technologische Diskrepanz zwischen Europa und den USA beziehungsweise China. Die Studie soll untersuchen, ob diese Unterschiede auch mit der tatsächlichen Einstellung repräsentativer Teile der Bevölkerung korrelieren.

 

Laut Studie ist eine Mehrheit der Menschen in den meisten befragten Ländern der Digitalisierung gegenüber positiv eingestellt. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Nationen in Westeuropa und die USA sind weit weniger euphorisch (nur um die 50 Prozent) als wirtschaftlich aufstrebende Nationen wie China, Indien oder Bulgarien (um die 80 Prozent).

 

Während es bei den aufstrebenden Nationen praktisch keine geschlechterspezifischen Unterschiede gibt, sind in Europa Frauen in Bezug auf Digitalisierung weit weniger euphorisch als Männer. In Großbritannien und Deutschland sind jeweils nur rund 25 Prozent der Frauen positiv eingestellt.

 

Den größten Nutzen der Digitalisierung sehen die Befragten im Sparen von Ressourcen durch smarte Systeme und in Verbesserungen der Verkehrssysteme. Dem Einsatz von Robotern wird dagegen weit weniger Potenzial zugeschrieben.

 

Deutliche Mehrheiten in China und Indien gehen davon aus, dass durch die Digitalisierung ältere Menschen mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Vor allem in Europa findet sich für diese These allerdings keine Mehrheit.

 

»People and Society« ist der erste Teil der Technologieakzeptanz-Studien. Der zweite Teil »Industry” wird im November veröffentlicht. Der dritte Teil »Governance« erscheint parallel zum Digitising-Europe-Summit »The Future of Made in Europe« am 19. Februar in Berlin. Dieser dient als Plattform für Debatten und den Austausch hochrangiger Vertreter aus Wirtschaft und Politik für eine EU-Vision für das digitale Zeitalter. Dabei wird u.a. Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Agenda für die Digitalisierung in Europa vorstellen.

 


 

OECD-Bildungsbericht: Deutschland gibt gemessen am BIP vergleichsweise wenig für Bildung aus

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) untersucht jährlich, wie es um die Bildung in den Mitgliedsländern steht. In Deutschland entwickelt sich dem aktuellen Bericht zufolge die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung positiv, die meisten jungen Erwachsenen verlassen die Schule mindestens mit einem Abschluss des Sekundarbereichs II und nur etwa jeder zehnte 15- bis 29-Jährige befindet sich weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung. Zudem steigen die Zugangsquoten im Tertiärbereich, immer mehr junge Menschen nehmen also ein Studium auf.

Allerdings müssen all jene ohne Schulabschluss große Nachteile in Kauf nehmen und unter denjenigen, die im Ausland geboren sind, ist der Anteil, der sich nicht in Beschäftigung oder Ausbildung befindet, deutlich höher.

Auffällig ist zudem, dass in Deutschland die Bildungsausgaben in absoluten Zahlen hoch sind, gerechnet auf das Bruttoinlandsprodukt des Landes, sind sie allerdings unterdurchschnittlich, wie die Grafik von Statista zeigt. Demnach liegen die Ausgaben im OECD-Durchschnitt bei 5,03 Prozent, Deutschland kommt auf 4,22 Prozent und liegt damit deutlich hinter Ländern wie Frankreich (5,2 Prozent), den USA (6,09 Prozent) und Spitzenreiter Norwegen (6,38 Prozent). Hedda Nier

 

https://de.statista.com/infografik/15423/bildungsausgaben-gemessen-am-bip/

 


 

 

 

Weiterbildung hat in Unternehmen großen Stellenwert

 

 

 

 

 

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