Umfassende Low-Code-Automatisierungsplattform – Für Low-Code begeistern

Mit Low-Code erstellt man Anwendungen, quasi durch einfaches Zeichnen eines Diagramms in dem Mitarbeiter, Technologien und Daten in einem einzigen Workflow zusammengeführt werden. Der Entwicklungsprozess beschleunigt sich um das 10-fache und die Wartungskosten reduzieren sich um 50 Prozent.

Im Interview schildert Dirk Pohla, Area Vice President bei Appian Deutschland, warum eine umfassende Low-Code-Automatisierungsplattform zahlreiche weitere Vorteile – wie die automatische Identifizierung relevanter ESG-Vorschriften und -Richtlinien – bietet. Außerdem erklärt er, was hinter der Initiative LowCode4all, technisch affinen Interessierten einen einfachen und kostenfreien Zugang zu einer Low-Code-Ausbildung und -Zertifizierung zu ermöglichen, steckt.


Die Appian World 2022 fand nach zwei Jahren pandemiebedingtem Ausfall dieses Jahr wieder als Live-Event in Florida statt. Unter anderem war einer der Schwerpunkte das Thema ESG. 

Anzeige

 

Das ist richtig. ESG (Environment, Social, Governance – Umwelt, Soziales, Governance) ist ein für uns wichtiges Thema, da es hier um Daten, Prozesse und die Interaktion mit Menschen geht – unser Kerngeschäft sozusagen. Unternehmen sehen sich zunehmend mit der Erwartung von Kunden, Finanzaufsichtsbehörden, Investoren und Regierungen konfrontiert, ihre internen Lösungen im Bereich ESG zu optimieren. Mit Low-Code lassen sich ESG-Datenquellen schnell integrieren und an neue Vorschriften anpassen. Gleichzeitig sind Transparenz, Kontrolle und Nachprüfbarkeit gewährleistet sowie ESG in betriebliche Prozesse eingebettet. Allerdings wird das Thema sehr unterschiedlich in den verschiedenen Industrien diskutiert. Es scheint meiner Ansicht nach bis dato keinen Konsens zu geben, welche Bedeutung es tatsächlich für ein Unternehmen spielt.

 

Dirk Pohla,
Area Vice President bei
Appian Deutschland


In der Finanzindustrie beziehungsweise im Versicherungssektor scheint das Thema bereits eine wichtige Rolle zu spielen, richtig? 

Ja, das stimmt und ich habe mir auch bereits mehrfach die Frage gestellt, warum gerade in dieser Industrie. Letztlich ist es nur eine andere Vorgehensweise, ob man jetzt seinen Lieferanten oder Kooperationspartner anhand von Risikofaktoren beurteilt, misst und nachhält oder ob man dies anhand von umweltrelevanten Faktoren macht. Der Prozess ist ähnlich beziehungsweise vergleichbar – nur die Datenpunkte sind anders. Ich bin der Meinung, dass hier Banken und Versicherungen durch ihre vielen Regularien im Vergleich zu anderen Industrien sehr gut aufgestellt sind und daher diese Prozesse relativ schnell umsetzen können. Eine umfassende Low-Code-Automatisierungsplattform bietet daher alle Tools aus einer Hand, die Finanzinstitute benötigen, um relevante ESG-Vorschriften und -Richtlinien in verschiedenen Rechtsordnungen automatisch zu identifizieren. Deshalb habe ich tatsächlich den Eindruck, dass ESG in dieser Branche noch prominenter ist als in anderen Industrien.


In einer Pressemeldung von Appian stand, dass Legacy die IT behindert. Woran liegt das? Sind es möglicherweise veraltete Infrastrukturen, an denen Unternehmen festhalten, die aber die Digitalisierung nicht richtig vorantreiben? 

Das ist eine sehr komplexe Frage. Meiner Meinung nach sind das firmenpolitische Dinge, an denen auch noch Verbindlichkeiten hängen. Zudem glaube ich, dass das Legacy-Thema die Banken- und Versicherungsbranche vor besondere Herausforderungen stellt. Im genossenschaftlichen und im Sparkassenumfeld zum Beispiel herrscht immer noch ein hoher Grad an Legacy-Systemen und die Innovationskraft wird dem tatsächlich untergeordnet. Denn, wenn man beispielsweise bei einem komplexeren Kreditprozessantrag Änderungen vornehmen will, sind diese nicht einfach durchführbar. Wenn man sich Online-Banking mal von einer modernen europäischen Großbank anschaut und in Relation zur Filiale einer Bank setzt, sieht man tatsächlich Unterschiede – und das liegt nicht an der mangelnden Kreativität.


Stichwort Fachkräftemangel – was muss ich mir unter Ihrer Initiative LowCode4all vorstellen? 

Die Idee hinter der Initiative ist, dass wir technisch affinen Interessierten einen einfachen und kostenfreien Zugang zu einer Low-Code-Ausbildung und -Zertifizierung ermöglichen möchten. Um hier ein möglichst breites Spektrum an potenziellen Teilnehmern anzusprechen, haben wir die Einstiegshürde in dieses Programm niedrig gelegt. Im Prinzip kann sich jeder registrieren und dieses Programm durchlaufen, es ist sehr anschaulich und professionell aufgebaut. Der Teilnehmer wird dort komfortabel durchgeführt und macht dann am Ende seine Tests. Diese fungieren als eine Art Filter – denn, wenn die Tests entsprechend gute Resultate liefern, zahlen wir die Zertifizierung.

Ich begrüße diese Initiative sehr, da ich aus eigener Erfahrung aus meiner Universitätszeit weiß, wie viel Mehrwert eine derartige Aktion Unternehmen bringen kann. Zu meiner Zeit waren es SAP und IDS Scheer, die sehr früh an die Universitäten gegangen sind. Mir schwebt für die DACH-Region etwas ähnliches vor: Ich würde sehr gerne bei diesem Programm mit Universitäten und Fachhochschulen zusammenzuarbeiten, um Studierende schon viel früher für das Thema Low-Code zu begeistern – allerdings ist das momentan noch in der Planungsphase. 


Nun gab es ja bereits im März eine neue Version der Appian Low-Code Plattform. Welche Vorteile bringt diese mit sich?

Wie Sie sicherlich wissen, bringen wir jedes Quartal eine neue Version unserer Plattform heraus. Im März war es die Version 22.1 und jetzt haben wir auf der Appian World bereits die 22.2 angekündigt, die aber noch im Early Access ist. Mit jedem neuen Release aktualisieren wir den Funktionsumfang der Software in den Bereichen Funktion, Administration, Benutzerfreundlichkeit und Integration.

Bereits vor anderthalb Jahren haben wir den RPA-Anbieter Jidoka übernommen, dessen Produkt wir mit der letzten Version komplett in die Plattform integriert haben – dies ist nun eine Komponente, die sich wie alle anderen Funktionsbausteine nutzen lässt. Die Komponente heißt Appian RPA. Gemeinsam mit den Low-Code-Tools lassen sich nun im Zusammenspiel mit den BPM und Case Management Komponenten komfortabel und recht einfach Bots konfigurieren. 

Gleiches gilt für Process Mining. Process Mining ist ein wichtiger Bestandteil der Automatisierung. Denn, bevor man anfängt seinen Prozess zu verbessern, sollte man erst einmal verstehen, an welchen Stellen der Prozess nicht sauber läuft. Um dies herauszufinden, bietet sich die Process-Mining-Technologie an. Seit dem 1. April dieses Jahres sind Lana Labs und Appian nun komplett integriert. Spricht man über den Stellenwert von Process Mining bei Unternehmen, dann bekommt man schnell den Eindruck, dass dies ein durchaus sehr prägendes Thema ist. 


Aber die Unternehmen sehen schon die Vorteile von Low-Code. Denn man spart ja Kosten, wird agiler und schneller.

Absolut. Aber es dauert manchmal ein wenig, bis man den Kunden davon überzeugt hat. Wenn Unternehmen eine klare Vorstellung und Beschreibung dessen haben, was sie möchten, dann sind wir in der Lage, innerhalb von acht und oder zehn Wochen eine Anwendung zu erstellen. Und man braucht eine Vorstellung, was man mit Low-Code machen möchte. Was will ich erreichen? Man muss nicht ein Lastenheft bis zum kleinsten Bit definiert haben, so wie das früher war. Das kann auch wachsen. Hier jedoch ist dann ein Konzept oder eine Struktur notwendig. Wenn man dann noch die richtigen Personen aus dem Fachbereich und der IT für das Projekt identifiziert hat, ist es möglich, die vorab definierten Ziele innerhalb von kürzester Zeit zu erreichen. Und hier erklärt sich vielen auch der Mehrwert – auch den meisten ITlern. Wenn man selbst mit seiner Arbeit ein Ergebnis innerhalb von wenigen Tagen erreichen kann, für das man früher Monate brauchte, ist dies doch auch für einen sehr technisch verliebten Programmierer aus meiner Perspektive viel befriedigender.


Stichwort Sicherheit oder Security – ein wichtiger Faktor im Entwicklungsprozess – insbesondere vor der immer größer werdenden Bedrohungslage von außen und auch von innen.

Hier spielen sie auf Datensicherheit und -schutz an, richtig? Sicherlich spielt das auch bei uns in der Produktentwicklung eine zentrale Rolle, steht aber in vertrieblichen Situationen nicht so im Mittelpunkt, wie man es möglicherweise erwartet. Das liegt vielfach auch an unseren Kunden: Wir sind bei nahezu allen militärischen Bereichen der USA im Einsatz, was per se schon einmal hohe Sicherheitsstandards an unsere Lösung mit sich bringt. Wenn wir bei großen Unternehmen im Gespräch sind, sitzen in diesen Runden selbstverständlich auch Datenschutz- und Datensicherheitsexperten. Wir machen dann meistens eine gesonderte Session und zeigen dort genau, wie diese Themen in unsere Plattform integriert sind und dass wir die Sicherheitsstandards in einem hohen Maße erfüllen. Zudem sind wir in der Lage, die entsprechenden Auditierungen vorzuweisen.


Wie sehen Sie denn die Entwicklung gerade bei Low-Code? Ich habe kürzlich einen Satz gelesen, dass Low-Code auch für das Internet der Dinge geeignet sei. Wo führt uns denn diese Technologie hin?

Ich bin der Meinung, dass die Programmierung immer mehr auf eine obere Ebene gelegt werden wird. Was das Erstellung von hübschen Benutzeroberflächen angeht, ist die Branche schon generell weit. Das nächste Thema wird die Integration sein – sozusagen die Realisierung von komplexen Integrationen durch Point & Click & Track oder Drag & Drop sowie die Orchestrierung der unterschiedlichen in Teilen regelbasierten Geschäftsabläufe.

Denn, die Themen und Anwendungen werden nicht weniger komplex; vielmehr handelt es sich um ein vielfältiges Gebinde: Welche Systeme muss ich anbinden? Woher kommen sie? Aus welchem System fließt was ein, wie soll dies auf der Benutzeroberfläche dargestellt werden? Wie soll es geschützt werden? Welcher Arbeitsschritt kommt als nächstes? – und so weiter. Um diese Komplexität zu managen, benötigt man das entsprechende Abstraktionsvermögen. Das bedeutet, es sind entsprechend geschulte Leute notwendig, die über entsprechende Erfahrungen verfügen, um diese vielfältigen Dimensionen in Zukunft gemeinsam mit künstlicher Intelligenz zu managen. 

Und dann kommen wir wieder zu dem Thema, das wir genau diese Leute suchen und ihnen anbieten, unser LowCode4All-Programm zu absolvieren. 

Vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch.

 


Illustrationen: © Nubefy/shutterstock.com