Neue Chancen für den IT-Standort Deutschland – Unternehmen setzen wieder auf »IT made in Germany«

Jürgen Walter – Fujitsu

Die deutlich erhöhte Sensibilität der IT-Entscheider bezüglich Sicherheit und Datenschutz sorgt für eine wachsende Nachfrage nach IT-Dienstleistungen aus deutschen Rechenzentren. Doch auch bei IT-Lösungen punktet der Entwicklungs- und Produktionsstandort Deutschland.

Im Interview mit »manage  it« spricht Jürgen Walter, Senior -Vice President und Head of Central Europe bei Fujitsu sowie Vorsitzender der Geschäftsführung der Fujitsu Technology Solutions GmbH Deutschland über veränderte Kundenanforderungen, die Vorteile von »IT made in Germany« für Unternehmen sowie hierzulande entwickelte gänzlich neue IT-Sicherheitskonzepte.

Herr Walter, der IT-Standort Deutschland wurde unter anderem aufgrund vergleichsweise hoher Löhne, weitreichender Umweltschutzauflagen in der Produktion und strikten Datenschutzauflagen schon oft totgesagt. »IT made in Germany« scheint aber wieder verstärkt nachgefragt zu werden. Was veranlasst IT-Entscheider zu diesem Umdenken?

Sie haben in Ihrer Frage bereits den im internationalen Vergleich sehr konsequenten Datenschutz hierzulande angesprochen. Dieser ist aus meiner Sicht kein Nachteil, sondern ein klarer Standortvorteil für Deutschland. Denn Unternehmen, die auf einen konsequenten Schutz vor dem unberechtigten Zugriff auf ihr geistiges Eigentum setzen, fragen zunehmend stärker nach IT-Dienstleistungen, die aus hochsicheren Rechenzentren in Deutschland heraus erbracht werden. Für unsere Kunden erbringen wir – ungeachtet unserer starken globalen Fähigkeiten – auf Wunsch daher alle IT-Services aus unseren Rechenzentren hierzulande.

Ein weiterer Aspekt, der für »made in Germany« spricht, sind beispielsweise kurze Lieferfristen auch bei individuell konfigurierten Systemen.

Ist angesichts der zunehmenden Standardisierung der IT-Infrastrukturen die kundenindividuelle Anpassung von Geräten tatsächlich noch relevant?

Eindeutig ja. Für unsere Kunden spielen nicht nur kurze Lieferzeiten, sondern maßgeschneiderte Konfigurationen eine wichtige Rolle – sei es bei Servern und Storage-Systemen oder auch bei Endgeräten. Angesichts dieser Anforderung kommen die Stärken des IT-Standorts Deutschland zum Tragen: Durch unsere hiesige Produktion können kundenindividuelle Anforderungen rasch umgesetzt und innerhalb weniger Tage geliefert werden. Dies reicht bis hin zu vorkonfigurierten Endgeräten bei denen die jeweilige Software ab Werk komplett installiert ist und mit denen die Mitarbeiter des Kunden direkt nach Erhalt der Geräte arbeiten können. Die Bedeutung dieses »Customizing« zeigt die Anzahl von rund 2.500 neuen Konfigurationen und Modifikationen, die wöchentlich in unserem Werk in Augsburg umgesetzt werden.

Viele produzierende Unternehmen in Deutschland ächzen unter strikten Umweltschutzauflagen sowie Arbeits- und Energiekosten, die im internationalen Vergleich kaum wettbewerbsfähig erscheinen. Sind Kunden tatsächlich bereit, dafür Mehrkosten in Kauf zu nehmen?

Mehrkosten werden nur dann akzeptiert, wenn sie auch mit Mehrwert verbunden sind – etwa durch das eben angesprochene Customizing. Doch wir sind aufgrund konsequenter Effizienzverbesserungen über viele Jahre hinweg auch mit hierzulande entwickelten und produzierten Systemen preislich wettbewerbsfähig.

Allerdings verzeichnen wir eine Tendenz, wonach Faktoren wie eine faire und umweltfreundliche Produktion verstärkt bei der Einkaufsentscheidung berücksichtigt werden und bei inhaltlich vergleichbaren Angeboten das »Zünglein an der Waage« sind. Dies zeigt sich übrigens auch am deutlich gestiegenen Interesse an Führungen durch Forschung, Entwicklung und Produktion im Werk Augsburg oder unser Recyclingcenter in Paderborn, bei denen sich IT-Entscheider von den Arbeitsbedingungen und Umweltschutzmaßnahmen vor Ort informieren können.

Das Megathema der IT-Branche schlechthin ist derzeit die Sicherheit. Welche Entwicklungen beobachten Sie hier bei Ihren Kunden?

Alle IT-Verantwortlichen stehen vor der Aufgabe, ihre IT-Infrastrukturen abzusichern und unberechtigte Datenzugriffe – durch wen auch immer – zu verhindern. Dabei müssen sie den Spagat zwischen Sicherheit einerseits und einfacher Handhabbarkeit für die Anwender andererseits bewältigen. Vor diesem Hintergrund wächst die Bedeutung der sicheren Authentifizierung per Biometrie. Wir verzeichnen eine rasant wachsende Nachfrage nach PalmSecure, der von uns entwickelten Benutzererkennung per Infrarot-Handvenenscan. Es ist das derzeit sicherste biometrische Verfahren.

Die andere große Herausforderung für Unternehmen bei IT-Sicherheit ist der immer höhere administrative und finanzielle Aufwand, der angesichts der Vielzahl an Bedrohungen und möglichen Angriffspunkten notwendig ist. Deshalb sind gänzlich neue Ansätze bei der IT-Security gefragt. Fujitsu verfolgt dabei ein Konzept, das durch einen umfassenden Ansatz eine bislang nicht erreichte, höchstmögliche Sicherheit für besonders sensible Daten bietet: Eine vollständige Kapselung schutzbedürftiger Programme und Inhalte vom Rest der Infrastruktur ermöglicht dabei sichere Anwendungen innerhalb einer per se unsicheren IT-Umgebung, sodass bestehende Hardware und Netzwerk-Infrastrukturen weiterhin genutzt werden können. Erste Komponenten dieses Konzepts, wie etwa Hochsicherheitsracks, zeigen wir dieses Jahr auf der CeBIT.

Angesichts der Schäden, die Unternehmen durch Datenverluste oder dem Diebstahl geistigen Eigentums drohen und der fortschreitenden Vernetzung und damit Angreifbarkeit der unterschiedlichsten Systeme wird die IT-Sicherheit auch die nächsten Jahre ein dominierendes Thema bleiben.

 

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