Risiko Sitzkrankheit: Arbeitgeber müssen Gesundheit am Arbeitsplatz fördern

Studie zeigt: 81 % der deutschen Arbeitnehmer sitzen mindestens 6 Stunden am Tag und 75 % legen Pausen wegen belastender Symptome durch die sitzende Tätigkeit ein.

Illustration: Absmeier, Hassan

Arbeitgeber sind zu mehr Achtsamkeit bei Gesundheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter und bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes aufgerufen. Denn die Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag des internationalen Technikmöbel-Herstellers Ergotron unter 1000 Angestellten allein in Deutschland führt zu folgenden Ergebnissen: 81 % der deutschen Arbeitnehmer verbringen Dreiviertel ihres Arbeitstags sitzend und dies mindestens sechs Stunden täglich. Dabei macht weit über die Hälfte (58 %) zwei bis fünf Pausen am Tag, weitere 17 % noch häufiger, um sich von Symptomen wie Unruhe, Erschöpfung, Schmerzen und Benommenheit zu erholen, die durch die überwiegend sitzende Tätigkeit verursacht wird.

Was ist die Sitzkrankheit?

Die Umfrage-Ergebnisse des Ergotron JustStand-Index, der in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA erstellt wurde, bieten Einblick in Haltungen und Einstellungen zur sitzenden Tätigkeit im Büro und möglichen gesundheitlichen Risiken wie der Sitzkrankheit. Der von Wissenschaftlern geprägte Begriff beschreibt eine Reihe schädlicher Auswirkungen aufgrund körperlicher Inaktivität auf den Stoffwechsel, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und vorzeitigem Tod in Verbindung gebracht werden. Im besten Fall wird langes Sitzen mit Muskel-Skelett-Erkrankungen und chronischen Rückenschmerzen in Verbindung gebracht, im schlimmsten Fall mit einem erhöhten Sterberisiko.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist »unzureichende körperliche Aktivität (…) einer der größten Risikofaktoren für die Sterblichkeit weltweit und nimmt in vielen Ländern zu. Dies erhöht die Belastung durch nicht übertragbare Krankheiten und hat weltweit Folgen für die Bevölkerungsgesundheit. Das Sterberisiko von Personen, die sich nicht genug bewegen, ist um 20 bis 30 % höher als das ausreichend aktiver Personen. (…) Die Abnahme körperlicher Aktivitäten ist teilweise durch fehlende Bewegung in der Freizeit sowie durch übermäßiges Sitzen in der Arbeit und zu Hause bedingt.«

 

Wichtige Ergebnisse des JustStand-Index für Deutschland

  • 85 % der befragten deutschen Angestellten waren der Ansicht, dass es eine Verbindung zwischen übermäßigem Sitzen und früher Sterblichkeit gibt.
  • 48 % der Befragten befürchteten durch die Sitzkrankheit gefährdet zu sein.
  • 58 % der Befragten gaben an, dass sie zwei bis fünf Pausen am Tag machten, um sich von Symptomen wie Unruhe, Erschöpfung, Schmerzen und Benommenheit zu erholen, die mit sitzender Arbeit in Zusammenhang gebracht werden. Mehr als 17 % der Befragten legten noch mehr Pausen pro Tag ein.
  • 94 % wären bereit, weniger Stunden pro Tag zu sitzen, wenn dies ihre Lebenserwartung oder Lebensqualität erhöhen würde.
  • Auf die Frage, welche Opfer sie bringen würden, um »bei der Arbeit weniger zu sitzen«, gaben fast 15 % an, dass sie einen ganzen Urlaubstag opfern würden. Weitere 15 % würden auf Zugang zu Social Media verzichten.
  • 52 % der Befragten gaben an, nicht zu wissen, was die Sitzkrankheit ist, und weniger als ein Viertel von ihnen betrachteten sich als gefährdet, obwohl sie angaben, mindestens 75 % ihres Arbeitstags sitzend zu verbringen.

 

»Die Krankheitskosten für Mitarbeiter betragen inzwischen 10–15 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung.«

 

»Die Krankheitskosten für Mitarbeiter betragen inzwischen 10–15 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung, und diese Zahl wird weiter steigen, wenn Arbeitgeber weiterhin Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz als ›Zusatz‹ betrachten. Stattdessen sollten Unternehmen diese Ziele in ihrer Grundstruktur verankern«, so Pete Segar, CEO von Ergotron. »Die aktuelle Studie zeigt, dass zwar das Wissen um die zahlreichen gesundheitlichen Probleme weit verbreitet ist, die durch langes Sitzen bei der Arbeit entstehen können, aber viele Arbeitskräfte in Deutschland, Großbritannien und Frankreich dennoch den Begriff »Sitzkrankheit« nicht kennen, obwohl sie im Durchschnitt 75 % ihres Arbeitstags sitzend verbringen. Meiner Meinung nach liegt dies an einer Kombination daraus, dass Arbeitgeber immer noch keine Steh-Sitz-Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter bereitstellen, sowie schlechtem ergonomischem Design für diejenigen, die über Steh-Sitztische verfügen. Wir bei Ergotron konzentrieren uns darauf, erschwingliche, ergonomische Steh-Sitz-Arbeitsplätze bereitzustellen, bei denen es bequem und mühelos möglich ist, zwischen Sitzen und Stehen zu wechseln.«

 

[1] Der Ergotron JustStand Index wurde vom unabhängigen Panelforschungsinstitut Opinion Matters vom 21. bis 28. Dezember 2016 erhoben. Die Antworten wurden aus einer Umfrage unter 1000 Deutschen ermittelt, die sich als Angestellte in Vollzeit bezeichneten. Alle Teilnehmer waren mindestens 18 Jahre alt und lebten in Deutschland.
Wichtige Index-Ergebnisse für die deutschen Teilnehmer:
  • 52 % kennen den Begriff »Sitzkrankheit«.
  • 48 % gehen davon aus, dass sie von der Sitzkrankheit gefährdet sein könnten.
  • 85 % sind der Ansicht, dass übermäßiges Sitzen zu einem vorzeitigen Tod führen kann.
Dies ist die erste Ergotron Umfrage auf dem europäischen Markt zur Wahrnehmung langen Sitzens am Arbeitsplatz durch Büroangestellte. Der erste Index wurde 2013 in den USA erstellt, dabei befragte man 1000 Vollzeitbeschäftigte in den USA dazu. 2015 wurde dies in einer zweiten Befragung wiederholt. Diese Ergebnisse finden Sie unter Juststand.org/Sindex.
Weitere Informationen dazu, wie man sitzend verbrachte Zeit reduzieren kann, finden Sie auf der Themenwebsite www.juststand.org, über die Sie auch mehr über die Produkte und Services von Ergotron erfahren können.

 


 

Präsentismus: Mehr als die Hälfte der deutschen Beschäftigten geht krank zur Arbeit

Eine aktuelle Forschungsstudie zeigt, dass Präsentismus eine der größten Gefahren für die Arbeitsproduktivität in Deutschland darstellt.

Präsentismus in Deutschland kristallisiert sich zu einem wachsenden Problem. Das geht aus der aktuellen, europaweiten Studie hervor, die von dem globalen Büroartikel-Hersteller Fellowes in Auftrag gegeben und von dem unabhängigen Marktforschungsunternehmen Loudhouse durchgeführt wurde. Fellowes veröffentlichte am Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (https://www.un.org/en/events/safeworkday/ ) die Studienergebnisse und fordert die Führungskräfte dazu auf, das Problem des Präsentismus in Deutschland zu bekämpfen.

Mehr als die Hälfte (52 %) der deutschen Arbeitnehmer geht arbeiten, wenn ihre Leistung durch arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme beeinträchtigt wird – und ein Viertel (24 %) der Arbeitnehmer gibt an, dass sie aufgrund der nachteiligen Auswirkungen ihres Arbeitsplatzes auf ihre Gesundheit sogar erwogen haben, die Arbeitsstelle zu wechseln.

Aus krankheitsbedingten Fehlzeiten wurde Präsentismus

Beschäftigte, die krank zur Arbeit gehen, mögen die besten Absichten haben, aber sie tragen damit zur Zunahme von Präsentismus in Deutschland bei. Wenn Mitarbeiter anwesend sind, aber ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, dann beeinträchtigt das die Produktivität. Die meisten Beschäftigten arbeiten trotz krankheitsbedingter Leistungseinschränkung weiter anstatt sich auszukurieren und verzögern so den Genesungsprozess.

Für Unternehmen wirkt sich das nachteilig auf die Arbeitsqualität und die Produktivität aus, was dann wiederum negative Folgen für das Geschäftsergebnis hat.

Die Untersuchungen zeigen, dass die Beschäftigten in Deutschland von allen Europäern am häufigsten unter Rückenschmerzen (43 %) und auch regelmäßig unter Nackenschmerzen (38 %) und Schulterverspannungen (34 %) leiden, die eine direkte Folge ihrer Arbeitsweise sind. Zusätzlich treten bei nahezu jedem Vierten (23 %) Augenreizungen und Kopfschmerzen (ebenfalls 23 %) aufgrund von mangelndem Wohlbefinden am Arbeitsplatz auf.

Wenn man die Ursachen dieser gesundheitlichen Probleme analysiert, fällt auf, dass bei vielen das Bewusstsein dafür fehlt, was gute Arbeitsweisen sind. Bei der Frage nach schlechten Gewohnheiten am Arbeitsplatz nennen die Deutschen am häufigsten falsche Sitzhaltung (57 %) sowie zu langes ununterbrochenes Sitzen (49 %) und bei der Arbeit nicht genug trinken (46 %) – europaweit sind das die höchsten Werte. Leider reduzieren derartige gesundheitliche Probleme die tägliche Arbeitsproduktivität und mehr als ein Fünftel (21 %) der Beschäftigten gibt an, dass sie deshalb regelmäßig Überstunden machen oder am Wochenende arbeiten – was eine weitere Reduzierung des Mitarbeiterengagements und Konzentrationsverlust zur Folge haben kann.

Ein vorbeugender Ansatz ist dringend notwendig

Für deutsche Führungskräfte stellt Präsentismus ein zunehmendes Problem dar. Die Untersuchungen belegen sogar, dass die Schaffung eines gesünderen Arbeitsplatzes für Manager in Deutschland (45 %) einen höheren Stellenwert einnimmt als in anderen Teilen Europas. Der Verbesserung der Moral (46 %) und Steigerung der Produktivität (38 %) wurde ebenfalls hohe Priorität eingeräumt, gleichzeitig wissen nur 35 % der Beschäftigten, dass ihr Arbeitgeber Anreize für Gesundheit und Wohlbefinden anbietet, um in diesen Bereichen Fortschritte zu erzielen. Außerdem gibt fast die Hälfte der deutschen Beschäftigten (42 %) an, dass sie nicht glauben, ihr Arbeitgeber setze sich genug für ihr allgemeines Wohlbefinden ein.

Um sich diesem wachsenden Problem zu stellen, müssen Arbeitgeber einen langfristigen, vorbeugenden Ansatz bei der Durchsetzung einer gesunden Arbeitsweise verfolgen anstatt auf kurzfristige Lösungen zurückzugreifen.

Wenn 47 % der Beschäftigten angeben, dass sie länger bei einem Unternehmen arbeiten würden, wenn mehr für ihr Wohlbefinden getan würde, liegt die Lösung auf der Hand. Für Arbeitgeber besteht ein enormer Anreiz darin, die Ursachen der aktuellen arbeitsbedingten Gesundheitsprobleme zu bekämpfen und den Weg für eine glücklichere, engagiertere und letztendlich produktivere Belegschaft zu bahnen.

Andrea Cantong, Marketing Manager DACH/BLX bei Fellowes, sagt: »Unsere Erkenntnisse lassen auf ernste Probleme schließen, wie Unternehmen mit Wohlbefinden und Produktivität am Arbeitsplatz umgehen. Sie deuten auf einen Mangel an Bewusstsein hin, was die Ursachen und Auswirkungen einer Kultur des Präsentismus im Büro betrifft.

Europäische Unternehmen verlieren bereits 73 Milliarden Euro jährlich [2] aufgrund von krankheitsbedingten Fehlzeiten und deshalb können Arbeitgeber das sich verschärfende Problem des Präsentismus nicht länger vernachlässigen. Zufriedene und gesunde Mitarbeiter arbeiten nicht nur besser, sondern auch mehr und deshalb dürfen die Auswirkungen unter dem Strich nicht einfach ignoriert werden.«

Europaweit sind 74 % der Manager davon überzeugt, dass sich durch Initiativen zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden bessere Mitarbeiter anwerben ließen. Ein Beispiel dafür wäre die Einführung ergonomischer Produkte, die die natürliche Körperhaltung beim Arbeiten am Schreibtisch unterstützen, wie Fußstützen, Rückenstützen, Handgelenkauflagen und Monitorständer. Fast zwei Drittel (65 %) der Manager sind ebenfalls davon überzeugt, dass ihre Teams motivierter und engagierter wären, wenn ihr unmittelbares Arbeitsumfeld durch Sitz-Steh-Arbeitsplätze verbessert würde. Darüber hinaus geben sie an, dass dadurch Fehlzeiten reduziert werden könnten (58 %), weil sich die Beschäftigten im Arbeitsalltag mehr bewegen und deshalb gesünder sind.

»Die Mittel zur Bekämpfung des Präsentismus sind vorhanden, mit denen sich die weitverbreiteten gesundheitlichen Probleme am Arbeitsplatz und deren Folgen verhindern lassen. Manager müssen hier eine Führungsrolle übernehmen und die potenziellen Auswirkungen erkennen und nutzen«, so Cantong weiter.

 

[1] Die von Fellowes in Auftrag gegebene internationale Studie wurde vom Marktforschungsunternehmen Loudhouse durchgeführt. Dafür fanden im Februar 2017 europaweit 4033 Online-Interviews mit Mitarbeitern sowie 526 Online-Interviews mit Arbeitgebern/Entscheidungsträgern statt. Die Teilnehmer kamen aus fünf Ländern: Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und Spanien. Außerdem wurden 25 telefonische Tiefeninterviews mit Einkäufern, Einflussnehmern und Experten für ergonomische Produkte realisiert. Um herauszufinden, welche Vorteile Sitz-Steh-Lösungen für Ihr Unternehmen bieten, klicken Sie hier (https://bit.ly/2oYcnkc).[2] Fellowes Studie: Februar 2016

 

 

 


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