Architecture as a Service – Ein Plädoyer

Der Markt braucht AaaS, um die zahlreichen Technologie-Klumpen mit Mikro-Services, die in Summe zu einer nicht gewünschten Diversität, Komplexität und Kostenineffizienz in der Architektur führen, wieder zu harmonisieren.

In der IT haben wir uns mittlerweile daran gewöhnt, dass so ziemlich alles als »as a service«, oder kurz »XaaS«, vermarket werden kann, wobei X für jedwede Schicht stehen kann, also für Infrastruktur, Plattform, Software. Hauptgedanke hierbei ist jeweils, sich keine größeren Gedanken über das Design des jeweiligen Service machen zu müssen, also alle Elemente standardisiert zu bekommen und demnach keine Spezialisten für die einzelnen Services mehr im eigenen Haus vorhalten zu müssen, sondern nur noch entsprechende Service Manager oder Vertragsspezialisten, die entsprechend die Dienstleister hierfür auswählen und steuern müssen. Auf die einzelnen Schichten bezogen haben sich standardisierte Angebote am Markt etabliert, ein Wachstumsmarkt. 

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Jeder Service für sich gesehen funktioniert in seinem geschlossenen Universum gut, Kunden müssen sich tatsächlich nicht mehr um einzelne Details kümmern, sondern können je nach Bedarf den Service in der entsprechenden Qualität beziehen. Herausfordernd wird es erst, wenn aus mehreren Services ein neuer Service zusammengesetzt werden muss. Schnittstellen sind nicht immer zueinander kompatibel oder die benötigte Schnittstelle ist im schlimmsten Fall gar nicht vorhanden. Hier befinden sich diejenigen Unternehmen in einer guten Position, die über einen fähigen Enterprise-Architekten verfügen, der sowohl Richtlinien und Vorgaben ausarbeitet als auch seine Richtlinienkompetenz wahrnimmt und über die Einhaltung der Architektur wacht. 

Viele Unternehmen haben aber nun gerade diesen Architekten nicht im Hause und werden große Schwierigkeiten haben, diesen in Zukunft auch einstellen zu können. Der Arbeitsmarkt ist ein Angebotsmarkt, sprich, es gibt viel mehr offene Stellen als Bewerber. Und die wenigen Bewerber, die auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sind, können die Bedingungen diktieren, was dazu führt, dass wenige Unternehmen diese Konditionen bedienen können. Dies führt insbesondere in Zeiten, in denen Digitalisierungsinitiativen nicht mehr aus der IT heraus betrieben werden, sondern in den Fachabteilungen zu verorten sind, nicht unbedingt zu einer homogenen, strategiefähigen Architektur. Als Folge ergeben sich dann Technologie-Klumpen, in denen sich auf gleichartigen Basistechnologien aufbauende Mikro-Services anlagern, die aber insgesamt zu einer nicht gewünschten Diversität, Komplexität und Kostenineffizienz in der Architektur führen.

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Mit der geschilderten Personalmisere einerseits und den vielen angebotenen Standardservices auf dem Markt anderseits scheint es doch recht verwunderlich, dass sich noch kein »AaaS«, also Architecture as a Service, etabliert hat, weder als Begriff noch als wahrnehmbares Angebot am Markt. Es gibt zwar vereinzelt Unternehmen, beispielsweise in Belgien oder Kanada, die AaaS bewerben, aber Marktdurchdringung sieht anders aus. 

Welche Vorteile könnten nun von AaaS erwartet werden, wenn es das Angebot denn gäbe? Der erste Vorteil liegt natürlich auf der Hand: Um Architekten muss nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt gebuhlt werden – die Leistung wird bedarfsgerecht als Service eingekauft. Der zweite Vorteil liegt ebenfalls auf der Hand: Die Zeiten, in denen ein IT-Architekt sich in wirklich allen Architekturen auskannte, sind vorbei – vermutlich schon seit dem Zeitpunkt, als Konrad Zuses Ingenieursbüro nicht mehr der einzige Ort war, in dem Elektronenrechner zusammengebaut wurden. Ein einzelner IT-Architekt wird also immer weiße Flecken auf seiner Wissenslandkarte haben. Unter dem Paradigma, dass keine Einzelperson AaaS anbieten würde, würden demnach mit jedem weiteren Architekten des Service-Anbieters weiße Flecken reduziert werden können und die Auswahl an Serviceleistungen mithin steigen. Dies führt zum dritten Vorteil: der Service-Anbieter wird also für die oben beschriebene Implementierung von Mikro-Services zu einem Gesamtservice bereits standardisierte Modelle vorliegen haben, die einfach adaptiert werden können. Die Modelle werden somit nicht mehrfach erfunden, sondern mehrfach genutzt – ganz im Sinne von XaaS. 

Dem Markt würde AaaS guttun und für die geplagten IT-Verantwortlichen, die bislang ohne die Unterstützung eines Architekten auskommen mussten, ist zu hoffen, dass sie bald auf einen entsprechenden Service bauen können.

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Christoph Lüder,
Director, LEXTA Consultants Group
www.lexta.com/de

 

 

Illustration: © Elymas /shutterstock.com

 

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