Künstliche Intelligenz soll zuhören – nicht selbst reden

Umfrage: Mehrheit mag KI, die Sprache versteht – aber keine, die spricht.

 

Mit Hilfe künstlicher Intelligenz können Computer sowohl menschliche Sprache verstehen als auch selbst sprechen – teilweise sogar so gut, dass sie nicht nur einzelne Aussagen wiedergeben, sondern auch richtige Gespräche führen können. Zwei verwandte Fähigkeiten, die bei den Nutzern auf ein sehr unterschiedliches Echo treffen.

Spracherkennung wirkt geradezu begeisternd: 78 Prozent der volljährigen Arbeitnehmer in Deutschland finden es gut, wenn Computer mit Hilfe von KI Sprache erkennen können.

Für Computer, die selbst sprechen, kann sich hingegen nur eine Minderheit erwärmen: Lediglich 46 Prozent halten es für eine gute Idee, wenn sich Computer selbst zu Wort melden – und diese Zustimmung sinkt auf nur noch 42 Prozent, wenn es darum geht, die Rechner damit (einfache) Gespräche mit Menschen führen zu lassen.

 

Grafik: 78 % begrüßen künstliche Intelligenz, die Sprache erkennt – aber nur 46 % mögen es, wenn eine KI selbst spricht. Quelle: IMWF-Studie »Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz 2018«

 

Gute KI, schlechte KI:

78 Prozent der Arbeitnehmer ab 18 Jahren in Deutschland finden es gut, wenn künstliche Intelligenz Spracherkennung ermöglicht. Eine selbst sprechende KI hält hingegen weniger als die Hälfte von ihnen für eine gute Idee…

Das sind Ergebnisse der Studie »Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz 2018« des IMWF Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung und des Marktforschungsinstituts Toluna, für die 2.000 Arbeitnehmer ab 18 Jahren im April 2018 repräsentativ befragt wurden [1].

Was mag hinter dieser geteilten Meinung stecken? Meine Vermutung: Versteht der Computer meine Sprache, wird die Bedienung für mich (mutmaßlich) einfacher. Spricht aber der Computer selbst, führt gar Gespräche – dann kann das die Angst auslösen, getäuscht zu werden. Ein X für ein U vorgemacht zu bekommen, beziehungsweise eine Maschine für einen Menschen. Niemand will einen Turing-Test verlieren.

 

Was lehrt uns das für Corporate Social Media?

Software, die Texte in menschlicher Sprache nicht nur analysiert, sondern auch erzeugt und damit täuschend echte Gespräche führen kann, ist im Bereich Corporate Social Media aktuell vor allem in Form von Social Bots verfügbar.

Aufgrund der Umfrage-Ergebnisse empfehle ich: Setzen sie Chatbots in der Social-Media-Kommunikation Ihres Unternehmens nur zurückhaltend und mit Bedacht ein. Und vor allem: Wenn Sie Chatbots verwenden, identifizieren Sie diese dem Nutzer gegenüber klar als Bot. Nur so können Sie langfristig verhindern, dass sich die Nutzer von Ihnen verar-, äh, auf den Arm genommen fühlen und von Ihnen abwenden.

Außerdem sollten Sie vor dem Einsatz gründlichst überprüfen, ob die zugrundeliegende KI der Begegnung mit der Web-2.0-Öffentlichkeit wirklich gewachsen ist. Ansonsten droht Ihnen ein Desaster wie bei Microsofts Tay. Der Twitter-Chatbot lernte innerhalb weniger Stunden vor allem Boshaftes und Beleidigungen von seinen menschlichen Chatpartnern …

 

Dr. Roland Heintze und Michael Dick bloggen für Faktenkontor über Social-Media-Trends und Digital-Themen aus strategischer Sicht.

 

[1] https://imwf.de/pdf/IMWF%20180523%20PI%20IMWF-KI%20%20Angst%20am%20Arbeitsplatz_QS.pdf

 

 


 

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