Motivation hilft nur dann, wenn sie ausgelebt werden kann

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Unternehmen legen großen Wert auf motiviertes Personal und tun einiges dafür. Doch allzu oft ist der Effekt nur mäßig und kurzfristig. Vielleicht, weil der Ansatz falsch ist?

 

Motivationsmaßnahmen haben Hochkonjunktur, seien es nun Prämien, Wellness-Gratifikationen, Teambuildings, Tschakka-Trainings oder das Prädikat »Mitarbeiter des Monats« als berühmt-berüchtigte Metapher. Solche Aktivitäten und die dahinterstehenden Konzepte folgen häufig der Prämisse, dass Motivation von außen kommen muss: Menschen wollten, oder müssten, auf die ein oder andere Art motiviert werden. Sie übersehen dabei die uralte Erkenntnis, dass Menschen von sich aus agil, interessiert, neugierig und lernbegierig sind und ihre Motivation in erster Linie von innen kommt. Sie sind keine Esel, die einer Karotte hinterher traben. Kein Wunder also, dass Motivationsprojekte ihre selbst gesteckten Ziele nur selten nachhaltig erreichen, einfach weil der Anspruch falsch gewählt ist. Dabei würde es doch meist völlig ausreichen, die quasi naturgegebene intrinsische Arbeitsmotivation nicht zu bremsen. So wichtig Impulse von außen auch sein mögen, sie verpuffen schnell, wenn sie an den realen Bedingungen des Alltags zerschellen. Und genau das passiert in der gängigen Unternehmenspraxis ständig. Starre Strukturen und Abteilungsgrenzen sind ebenso typische Motivationskiller wie darauf ausgerichtete und konzipierte IT-Umgebungen.

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Demotivation ist die größte Bremse

Die logische Konsequenz: Wir sprechen nicht davon, wie Menschen motiviert werden können, sondern wie wir Demotivation beseitigen. Sprint statt Hürdenlauf, weg mit den selbst errichteten Barrikaden, keine Hürden, keine Fallstricke. Oder um im Bild zu bleiben: Halte dem Esel keine Karotte vor die Nase, sondern gib ihm einen leichter laufenden Wagen. Bezogen auf die Arbeitsorganisation ist das ein mühsamer Prozess, der aber sehr viel schneller in Gang kommt, wenn nicht große, umfassende Umstrukturierungspläne geschmiedet werden, sondern ganz pragmatisch zunächst dort die Axt angesetzt wird, wo lästige Hürden offensichtlich sind. Offen gesagt, einer dieser chronischen Motivationskiller ist die IT, insbesondere die Software, die den Mitarbeitern zugemutet wird. Dabei, und das ist die paradoxe Seite der IT, ist doch genau hier ein idealer Ansatzpunkt für motivationsfördernde – im besagten Sinne von »nicht motivationszerstörende« – Maßnahmen. Die Applikationen haben hier eine Doppelfunktion: Sie sind Schnittstelle und Werkzeug zugleich. Eine Optimierung muss daher an beiden Stellen ansetzen. Daraus ergibt sich ein konkretes Anforderungsprofil an die Software, mit der wir (fast) täglich arbeiten. Das beginnt bei der komfortablen Anmeldung und Authentifizierung und endet bei der Effizienz und dem Wohlfühlfaktor bei der Nutzung. Wobei Effizienz selbst von vielen Menschen als Wohlfühlfaktor empfunden wird, wenn am Ende des Tages die Mühe nicht umsonst war. Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit ist ein allzu oft unterschätzter Motivationsfaktor.

Fluid macht Mitarbeiter glücklich – und Unternehmen effizient

Aktuell ist die Anwendungslandschaft typischerweise ein Flickenteppich. Die jeweiligen Benutzerschnittstellen der eingesetzten Programme, also die Bedienoberflächen, unterscheiden sich je nach den Vorlieben, respektive Erkenntnissen der Anbieter. Die Einflussmöglichkeiten auf die Gestaltung sind von Programm zu Programm höchst unterschiedlich. Eine einheitliche, an die jeweiligen spezifischen Bedürfnisse angepasste Oberfläche ist so nicht möglich, und damit geht ein wesentlicher Motivationsfaktor verloren. Der nächste Schwachpunkt lauert quasi unter der Oberfläche, nämlich in der mangelhaften Interaktion der Applikationen untereinander. Dabei geht es nicht nur um den reibungslosen Austausch von Daten, sondern auch von Funktionen. Wer in einer Videokonferenz nicht gemeinsam an einem Dokument arbeiten kann, der hat das falsche, weil hinderliche Arbeitswerkzeug. Die moderne Applikationsentwicklung hat darauf mit dem Prinzip der fluiden Software geantwortet. Dahinter verbirgt sich die Idee eines modularen, flexiblen, agilen, aber gleichzeitig sowohl auf der Daten- als auch auf der Funktionsebene hochintegrierten Software-Stacks, der frei nach den eigenen Vorstellungen (oder denen eines Teams oder einer Unit) gestaltet und jederzeit verändert werden kann.

 

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und No-Code im Anflug

Die nahe Zukunft hält unter den Stichworten Low-Code und No-Code noch ausgefeiltere Werkzeuge zur Arbeitserleichterung und Motivationssteigerung bereit, natürlich KI-gestützt. Bislang werden sie auf speziellen Plattformen bereitgestellt. Es ist aber absehbar, dass sie direkt in den Software-Stack integriert werden, der die Kommunikation und Kollaboration im Unternehmen abdeckt. Damit wird es dann beispielsweise möglich sein, seinen Desktop und eigene Dashboards nach persönlichen Präferenzen zu gestalten oder bei Bedarf Analysen und Reports direkt aus einem CRM-Programm heraus zu erstellen – alles per Drag and Drop und teilautomatisiert. Mit dieser Modernisierung der Arbeitswerkzeuge verändert sich auch die Arbeitskultur. Sie ist in der Regel prägender als Wellness-Zuckerl, gemeinsame Feste oder Ausflüge. Mehr Raum für Kreativität, mehr Selbstbestimmung, mehr Spaß, mehr Effizienz, mehr Motivation, all das hat einen positiven Einfluss darauf, wie Zusammenarbeit funktioniert, wie leistungs- und ergebnisorientiert gearbeitet werden kann. In der Folge verändert sich die gesamte Unternehmenskultur.

Das Wettbewerbsumfeld bietet in der Regel genügend Fallstricke, warum sollte ein Unternehmen dann auch noch die Hindernisse kultivieren, die es sich selbst auferlegt? Oder anders gesagt: Statt die Mitarbeiter dazu zu treiben, höher zu springen, könnte man die Hürden einfach niedriger machen.

Andrea Wörrlein ist Geschäftsführerin von VNC in Berlin und Verwaltungsrätin der VNC AG in Zug. (Quelle: VNC)