Software Revival – »Kleinere IT-Dienstleister sind teilweise die bessere Wahl«

IT-Dienstleister aus dem KMU-Sektor setzen Projekte zu einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis meist pragmatischer und praxisnäher um. Das hilft der Deutsche Post DHL bei der Vielzahl von kleineren und mittelgroßen Projekten enorm. Welche weiteren Pluspunkte die Zusammenarbeit mit Avision hat, erklärt Dr. Andreas Neubeiser, Senior Vice President für den Geschäftsbereich IT-Systeme Produktion & Plattformen bei Deutsche Post DHL im Interview.


Warum hat sich ein großer Konzern wie Deutsche Post DHL für die Zusammenarbeit mit Avision, einem Mittelständler mit gut hundert Mitarbeitern, entschieden? Welche Vorteile bringt das?

Wir arbeiten nicht grundsätzlich nur mit großen Beratungshäusern und IT-Dienstleistern zusammen, sondern auch mit einigen kleineren – nicht nur mit Avision. Ich weiß, dass andere Konzerne das anders halten, aber ich finde den Mix sehr vernünftig, weil man nicht auf jedes Thema mit dem großen Geschütz zielen muss. Manchmal ist ein kleinerer IT-Dienstleister einfach die bessere Wahl, weil er Dinge pragmatischer und praxisnäher umsetzen kann. Zudem bietet uns Avision auch ein sehr vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

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Allerdings ist die Zusammenarbeit durchaus aus einer speziellen Situation entstanden, da Avision aus der damaligen Münchner Niederlassung der DPDHL IT Services hervorgegangen ist, die vor gut zehn Jahren zur Disposition stand. Mit dem umfangreichen Wissen über die Deutsche Post und der langjährigen Projekterfahrung haben die ehemaligen Kollegen als Avision zunächst die DPDHL IT Services und später uns direkt unterstützt. Inzwischen befinden wir uns in einem ganz normalen Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis – die Zusammenarbeit in neuen Projekten kommt ganz klassisch über Ausschreibungen zustande. 

 

Dr. Andreas Neubeiser,
Senior Vice President für den Geschäftsbereich
IT-Systeme Produktion & Plattformen
bei Deutsche Post DHL


In welchen Bereichen arbeiten Sie zusammen und wie unterstützt Sie Avision bei ihrer Digitalisierungsstrategie?

Avision unterstützt uns als Entwicklungsdienstleister bei der Neu- und Weiterentwicklung von IT-Anwendungen entlang der gesamten Logistikkette, übernimmt den Applikationssupport und kümmert sich als Wartungsdienstleister darum, dass die Anwendungen reibungslos laufen. Viele Unternehmen setzen in diesen Bereichen auf verschiedene Anbieter, aber für uns hat es sich bewährt, alles aus einer Hand zu beziehen. Unabhängig davon, ob es sich um Anwendungen aus dem Transportbereich oder um Infrastrukturanwendungen handelt – Avision übernimmt alles vom Coding und der Umsetzung fachlicher Anforderungen bis hin zum Applikationsbetrieb und der Bearbeitung von Tickets im Rahmen der Wartung. Wir verantworten in meinem Bereich rund 100 IT-Systeme, von denen Avision viele rundum betreut.


Begegnen Sie in der Logistikbranche oder in der Zusammenarbeit mit Partnern und Kunden häufig veralteter Software? Welche Probleme ergeben sich daraus?

Da mein Bereich für die Produktionssysteme verantwortlich ist, gibt es hier nur wenig direkte Integrationen mit Kunden und Partnern und dementsprechend kaum Probleme mit älterer Software auf Kunden- und Partnerseite. In anderen Bereichen sieht das anders aus, speziell bei den Frontend-Systemen, die wir über APIs in die Logistiksysteme von Kunden einbinden müssen. Wir arbeiten mit sehr vielen Geschäftskunden zusammen, und diese sind mitunter sehr verschieden: Einige sind technisch extrem fortschrittlich – andere müssen wir vom Datenaustausch via SFTP erst überzeugen. Da wir mit den Kunden Geschäfte machen wollen, machen wir ihnen möglichst wenige Vorgaben. Stattdessen versuchen wir, unsere Lösungen so zu entwickeln, dass möglichst alle Kunden diese leicht einsetzen können. Dabei stellen wir stets sicher, dass die Schnittstellen abgesichert sind.

Natürlich haben auch wir intern einige Legacy-Anwendungen, bei denen wir überlegen, ob sich die Weiterentwicklung lohnt, ob es Zeit für ein Refactoring ist oder ob wir komplett neu entwickeln sollten. Aber vor solchen Fragestellungen steht jedes Unternehmen – das ist nicht typisch für die Logistikbranche. Früher mag unsere Branche etwas zurückhaltender in IT investiert haben, doch im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung gehört das zumindest bei uns längst der Vergangenheit an.


Wie begegnen Sie gemeinsam mit Avision den Veränderungen der schnelllebigen IT-Branche?

Wir befruchten uns gegenseitig, weil wir einen unterschiedlichen Blickwinkel haben. Während Avision eher die IT-Perspektive einnimmt, sehen die Fachbereiche bei der Deutschen Post DHL vor allem ihre fachlichen Anforderungen. Und mein Bereich bildet die Brücke zwischen diesen Sichten und stellt sicher, dass die fachlichen Anforderungen mit der richtigen Technik umgesetzt werden. 

Bei der Umsetzung hilft uns dann, dass Avision die Spezifikationen schnell versteht und über flache Hierarchien sowie kurze Entscheidungswege verfügt. Das läuft dann sehr pragmatisch, was uns gerade bei der Vielzahl von kleineren und mittelgroßen Projekten enorm hilft. 


On-site oder Nearshore: Welches Modell schätzen Sie in der Projektarbeit? 

Ich bin generell ein großer Freund von On-site, insbesondere in großen Projekten. Aber auch die haben immer einen Nearshore-Anteil, weil das klassische Coding nicht bei uns vor Ort erfolgen muss. Vor Ort arbeiten vor allem die Spezialisten, die die Lösung entwickeln, die unsere Anforderungen fachlich und technisch erfüllt – und die dann Nearshore umgesetzt wird.

Avision ist in dieser Hinsicht ein wenig die Ausnahme, weil die Kollegen in der Regel nicht On-site arbeiten. Das liegt daran, dass Nadine Riederer und Jürgen Bernert, die beiden Gründer, sich so gut mit unseren Anwendungen auskennen, dass wir mit ihnen auf fachlicher Ebene jederzeit über alle Themen sprechen können. Da muss nicht die ganze Mannschaft vor Ort sein.


Was wünschen Sie sich für die Zukunft – sei es in der Zusammenarbeit mit Avison oder mit anderen IT-Dienstleistern?

Speziell von Avision wünsche ich mir an einigen Stellen mehr Skalierungsfähigkeit, damit wir in den Projekten flexibler sind. In der Vergangenheit sind wir da schon an Grenzen gestoßen – aber ich weiß, dass Avision daran arbeitet und Fortschritte macht.

Außerdem möchte ich mit DPDHL gerne den technischen Wandel weiter vorantreiben. Inzwischen nutzen wir beispielsweise für die Cloud ein attraktives Modell für die meisten Anwendungen, mit hoher Sicherheit und niedrigeren Kosten. Wir haben nur eine überschaubare Zahl von Partnern, mit denen wir vor allem in den zurückliegenden zwei bis drei Jahren viel gelernt haben. Das Zusammenspiel wird immer besser. Da freue ich mich auf eine weiterhin gute und enge Zusammenarbeit, um auf die kommenden Herausforderungen noch schneller reagieren zu können.

 


Illustrationen: © Huza Studio/shutterstock.com