33 Expertentipps zum zirkulären IT-Management

TCO Development, die Organisation hinter der Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte, TCO Certified, hat einen neuen Bericht veröffentlicht. Darin wird erläutert, wie jeder, der IT-Produkte kauft und nutzt, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten kann, indem nachhaltigere Praktiken zur Förderung eines zirkulären Wirtschaftskreislaufs angewendet werden.

 

»Zirkuläre Lösungen sind bereits verfügbar. Wir müssen sie jetzt nur nutzen«, betont Clare Hobby, Global Buyer Engagement Director bei TCO Development.

Der Bericht, Impacts and Insights: Circular IT Management in Practice, legt dar, wie der zirkuläre Wirtschaftskreislauf zur Lösung einer Vielzahl der dringendsten Herausforderungen in puncto Nachhaltigkeit beitragen kann, die mit dem Kauf und der Nutzung von IT-Produkten einhergehen [1].

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Lineare Wirtschaft

In einer linearen Wirtschaft werden frisch abgebaute Rohstoffe verwendet, um daraus Produkte herzustellen, die dann – oft schon nach relativ kurzer Zeit – wieder entsorgt werden, sobald sie nicht mehr benötigt werden. Dieser heutige, lineare Verbrauch verursacht erhebliche Kohlendioxidemissionen. Darüber hinaus sind die natürlichen Ressourcen endlich, und riesige Mengen an gefährlichem Elektroschrott fallen Tag für Tag an. Jedes Jahr summiert sich diese Menge weltweit auf mehr als 50 Millionen Tonnen, von denen nur 20 Prozent verantwortungsvoll entsorgt werden.

Kreislaufwirtschaft

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In einer Kreislaufwirtschaft wird hingegen mit Ressourcen verantwortungsvoller umgegangen. Ziel ist es, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und alle Materialien in den Kreislauf zurückzuführen, ohne dass dabei Abfall anfällt. Eine Kreislaufwirtschaft kann daher dazu beitragen, die Folgeschäden für unseren Planeten zu reduzieren. So zeigt der Bericht, dass Treibhausgasemissionen bei einem Notebook um fast 30 Prozent gesenkt werden können, wenn es sechs statt lediglich vier Jahre in Benutzung ist.

Im neuen Report von TCO Development, kommen insbesondere Experten in Sachen Zirkularität in Form von Interviews zu Wort. So auch Birgitte Krebs Schleemann, Projektmanagerin für nachhaltige Beschaffung bei der Stadtverwaltung Aalborg. Die Stadt Aalborg ist einer der Pioniere in diesem Bereich.

»Die Menge an CO2, die wir einsparen können, indem wir IT-Produkte länger nutzen, hat mich überrascht. Der Einsatz von Laptops für zusätzliche drei Jahre wird Emissionen einsparen, die denen für das Heizen und die Stromversorgung aller Gebäude der Kommune für ein ganzes Jahr entsprechen«, sagt Birgitte Krebs Schleemann.

Paradigmenwechsel

Der Übergang hin zu einem zirkulären Wirtschaftskreislauf ist ein Paradigmenwechsel, der sowohl große als auch kleine Anstrengungen erfordert. In dem Bericht geben Experten für Zirkularität und IT 33 konkrete Tipps, wie sich ein nachhaltigeres Handeln umsetzen lässt.

»Wir wollen mit unserem Bericht den Bereich der Theorie verlassen und praktische Hilfe für diejenigen anbieten, die den nächsten Schritt nach vorne machen wollen«, hebt Hobby hervor.

 

Einige Highlights aus den 33 Tipps des Berichts:

  • Eine längere Nutzung von IT-Produkten ist die wichtigste Maßnahme, um natürliche Ressourcen zu schonen und Treibhausgasemissionen zu reduzieren.
  • Durch die schrittweise Umsetzung zirkulärer Praktiken, etwa durch Rücknahmeprogramme, kann ein Wandel hin zu einem zirkulären Wirtschaftskreislauf vorangetrieben werden.
  • Insbesondere beim Kauf von IT-Produkten sollte ein zirkulärer Ansatz Verwendung finden. Hierfür sollten zirkuläre Kriterien herangezogen werden.
  • Eine verlängerte Lebensdauer von IT-Produkten wird durch einen Weiterverkauf gefördert.
  • Zirkularität lässt sich nur gemeinsam umsetzen. Sowohl die interne als auch die externe Zusammenarbeit ist daher entscheidend.

 

[1] Den gesamten Bericht, Impacts and Insights: Circular IT Management in Practice, finden Sie hier.

 

Reif für die Tonne? Reparieren statt wegwerfen wird wieder zum Trend

Elektronische Geräte werden immer kürzer genutzt und zunehmend als Wegwerfartikel betrachtet. Das hat Folgen für Mensch und Umwelt, wie auch die wachsenden Berge an Elektroschott belegen. Nicht nur die Notwendigkeit, aus aktuellem Anlass nach Verdienstausfällen und Kurzarbeit zu sparen, sondern auch ein wachsendes Umweltbewusstsein könnte diese Einstellung jedoch langsam ändern. Erlebt das Reparieren von Geräten eine Renaissance?

 

Die Umstellung auf Home Office und Online-Unterricht haben den Laptop oder Computer in den meisten Haushalten unerlässlich gemacht. Für viele Familien, in denen sich bisher mehrere Personen ein Gerät geteilt haben, war dies plötzlich nicht mehr ausreichend. Angesichts der geringen PC-Ausstattungsquote von Schülern aus Haushalten mit geringerem Einkommen, hat die Bundesregierung sogar beschlossen, bedürftigen Schülern einen Zuschuss von 150 Euro für die Anschaffung von Laptops und anderen Geräten zu zahlen (i). Generell ist jedoch die Anschaffung neuer Geräte für Viele in Zeiten von Kurzarbeit und Verdienstausfällen eine Herausforderung.

Eine kostengünstige Alternative zum Kauf eines neuen, möglichst günstigen Geräts ist die Investition in Ersatzteile für die Reparatur von gebrauchten Geräten. »Häufig genügt es den Akku zu ersetzen, um die Lebensdauer des Geräts zu verbessern. Der Kauf eines Akkus, einer Tastatur, einer SSD-Festplatte oder eines Ladegeräts ist wesentlich günstiger als der Kauf eines neuen Geräts«, erklärt Rafał Jędrzejek, Chief Sales Officer bei Green Cell. Nach Ansicht von Experten, kann bei vielen Laptops durch den Austausch dieser Schlüsselkomponenten die ursprüngliche Leistung wiederhergestellt oder die Effizienz des Geräts sogar noch weiter gesteigert werden. Eine längere Nutzungsdauer von Elektrogeräten hätte zudem auch positive Auswirkungen auf die Umwelt.

Renovierte Ausrüstung auch für Unternehmen

Auch für Unternehmen und Institutionen ist es oft finanziell sinnvoller ältere, noch funktionsfähige Geräte zu reparieren, anstatt sie mit neuen, möglichst kostengünstigen Modellen zu ersetzen.

Als Folge der aktuellen Krise treten viele Firmen auf die Kostenbremse und verschieben die Neuanschaffung von Geräten. Ein weiterer Grund für Unternehmen, ihre alten Geräte zu reparieren und wiederzuverwenden, ist ein steigendes Umweltbewusstsein. 95 Prozent der deutschen Unternehmen haben Richtlinien für Nachhaltigkeit (Corporate Social Responsibility – CSR) etabliert. Diese beinhalten üblicherweise Vorgaben über das Recycling von ausgedienten Geräten und Equipment. Allerdings zeigen Studien (ii), dass trotz dieser CSR-Vorgaben bisher nur bei 24 Prozent der Firmen ausgemusterte Geräte recycelt oder einer Wiederverwendung zugeführt werden. Bei den meisten Firmen füllt alte Hardware jahrelang Lagerräume bis sie schließlich verschrottet wird.

Vielleicht könnte die aktuelle Kostenbremse für Neuanschaffungen in Firmen also auch einen positiven Trend zur Reparatur vorhandener Geräte auslösen, der nicht nur den Finanzen, sondern auch der Umwelt zugutekommt.

Recht auf Reparatur

Ab 2021 tritt eine EU-Richtlinie in Kraft, nach der die Hersteller von Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten Produkte mit längerer Lebensdauer und einfacherer Reparatur als bisher liefern müssen (iii). Ziel ist es, die Verbraucher sogenannter »großer Elektronik« zu ermutigen, das häufige Ausmustern von Geräten zu vermeiden. Die Verfügbarkeit von Komponenten und der Reparaturmarkt in Deutschland bieten eine breite Palette von Möglichkeiten, auch kleinere Geräte zu renovieren.

Nicht nur Laptops und Computer haben die Chance auf ein zweites Leben. Auch viele Haushaltsgeräte wie Kameras und Camcorder, Telefone, aber auch Akkuschrauber, Staubsauger und die immer beliebter werdenden Drohnen lassen sich oft mit geringem Aufwand reparieren.

Werden wir aufhören, Geräte als reine Wegwerfartikel zu betrachten? »Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob sich dieser Retro-Trend durchsetzt. Einige Monate wirtschaftlicher Unsicherheit scheinen uns jedoch daran erinnert zu haben, dass Wegwerfen nicht die einzige Option ist, sondern dass es sich lohnt vorhandene Geräte zu reparieren oder aufzurüsten. Wir von Green Cell verfolgen diesen Wandel mit großem Interesse und helfen unseren Kunden gerne, ihren Geräten ein zweites Leben zu schenken.« resümiert Rafał Jędrzejek.

 

Weitere Informationen rund um das Thema Mobile Devices gibt es auch unter https://greencell.global/de/about
(i) https://www.heise.de/newsticker/meldung/Coronahilfen-beschlossen-Computer-Zuschuss-fuer-Schueler-mehr-Kurzarbeitergeld-4708185.html
(ii) https://ap-verlag.de/nachhaltigkeit-von-unternehmen-beim-thema-elektroschrott-und-cybermuell-strategie-ja-umsetzung-nein/59912/
(iii) https://www.zeit.de/news/2019-10/01/neue-regeln-fuer-haushaltsgeraete-reparieren-statt-wegwerfen

 


 

Zirkuläre Wirtschaft: Das neue Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?

Die steigende Ressourcenknappheit macht deutlich: Die heutige Wegwerfgesellschaft wird nicht mehr lange funktionieren. Was wäre, wenn alle eingesetzten Stoffe über den Lebenszyklus der Waren hinaus in einem geschlossenen Kreis der Nutzung blieben? Das neue Konzept der zirkulären Wirtschaft (Circular Economy) geht weit über das klassische Recycling hinaus, bei dem meist das Produkt an Qualität verliert.

In einer »Circular Economy« verbleiben die eingesetzten Stoffe über den Lebenszyklus von Waren hinaus in einem Stoffkreislauf. Abfälle und Emissionen sollten soweit wie möglich verringert werden. Zentral ist dabei, dass Waren wieder- und weiterzuverwenden sind, ohne dass die Qualität der Produkte nachlässt. Der Energieverbrauch sollte aus erneuerbaren Ressourcen gedeckt, Stoffe, die nicht im Kreis zu führen sind, energetisch verwertet werden. Ob dies möglich ist und wo die Chancen und Grenzen einer solchen zirkulären Wirtschaft für die chemische Industrie liegen, hat das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT im Auftrag des VCI NRW in einer Studie anhand von Produkten beispielhaft untersucht [1]. Dazu analysierten die Forscher drei Stoffströme: Reifen, Rotorblätter aus Windkraftanlagen und LCD-Bildschirme.

Benötigte Produkteigenschaften können zu Zielkonflikten führen

»Die Studie hat gezeigt, dass eine Circular Economy gerade für die chemische Industrie als Enabler von Lösungen Chancen bietet. Bei der Umsetzung treten allerdings oft Zielkonflikte auf, die beachtet werden müssen. Zudem wird es darum gehen, in Zusammenarbeit mit der gesamten jeweiligen Wertschöpfungskette ökonomisch sinnvolle Wege zu entwickeln«, so Hans-Jürgen Mittelstaedt, Geschäftsführer VCI NRW.

Zielkonflikte liegen beispielsweise in benötigten Produkteigenschaften. So können bei Autoreifen benötigte Fahreigenschaften oder gewünschte Verbrauchseigenschaften eine zirkuläre Verwendung erschweren. Bei Windrädern, die groß, leicht und sehr belastbar sein müssen, machen diese Eigenschaften eine zirkuläre Verwendung ebenfalls nicht leichter.

»Die Studie zeigt die Notwendigkeit und die Chancen einer Transformation unseres Wirtschaftssystems zu einer Circular Economy auf, aber auch die heute bestehenden Herausforderungen und Grenzen. Es liegt ein langer Weg vor uns, aber es können sich spannende neue Produktentwicklungen und Geschäftsmodelle (u. a. im Leasing oder Sharing-Bereich) ergeben«, sagt Dr.-Ing. Markus Hiebel, Projektleiter der Studie und Abteilungsleiter Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement bei Fraunhofer UMSICHT.

 

Studie steht zum Download bereit

[1] Die Studie soll aufzeigen, wo Chancen und Potenziale liegen, ohne die Grenzen einer zirkulären Wirtschaft außer Acht zu lassen. Auf der Internetseite des Verbandes kann die Studie ab sofort eingesehen und heruntergeladen werden.Weitere Informationen

 

 

 

 

 

 


 

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