5G und Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?

Illustration: Absmeier, Blende12

Digitalisierung kann die schlechte CO2-Bilanz vieler Industrien verbessern. 

 

Dass 5G die Digitalisierung vorantreibt, ist unbestritten. Wie aber wirkt sich der neue Mobilfunkstandard auf die Umwelt aus? Kann 5G dazu beitragen, eine nachhaltigere Zukunft zu gestalten? NTT liefert Antworten.

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5G steht für schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten, niedrigere Reaktionszeiten und deutlich höhere Kapazitäten. Mehr Mobilität, bessere Versorgung und eine smarte Industrie werden im gleichen Atemzug genannt. Sobald aber die Rede von »schneller«, »mehr« und »besser« ist, stellt sich automatisch die Frage nach der Nachhaltigkeit. Denn jede Art von Digitalisierung wirkt sich wegen des Ressourcen- und Energieverbrauchs bei Herstellung und Betrieb zunächst einmal negativ auf die Ökobilanz aus. Allerdings haben Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz, Internet of Things und Edge Computing erst in Kombination mit 5G das Potenzial, die dringenden Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen.

5G kann sich aus Sicht von NTT in folgenden Bereichen des täglichen Lebens positiv auswirken:

  • Virtuelles Arbeiten statt Reisen. Digitalisierung erlaubt mehr Homeoffice und Remote Work, wodurch unnötige Fahrten vermieden werden. Das gilt nicht nur für die klassischen Office-Angestellten. Mit einer Augmented-Reality-Brille beispielsweise lassen sich interaktive 3D-Projektionen in der realen Umgebung darstellen. Damit können Servicetechniker Mitarbeitende vor Ort anleiten und die Wartung einer Maschine aus der Ferne steuern. Fällt die Anreise per Auto oder sogar Flugzeug weg, werden CO2-Emissionen eingespart. Zwar verbraucht die Produktion der AR-Brille genauso wie die Implementierung der Infrastruktur und das Aufsetzen des Service zunächst einmal Energie, auf Dauer jedoch verbessert sich die CO2 -Bilanz spürbar. Ein anderes Paradebeispiel für den Einsatz von 5G ist die Telemedizin: Ein Arzt, der beispielsweise mit Hilfe von Wearables die Vitalfunktionen seiner Patienten zuverlässig aus der Ferne überwachen kann, ist in der Lage, bei gesundheitsgefährdenden Abweichungen schnell eine Therapie einzuleiten, ohne dass der Patient regelmäßig in die Praxis muss.
  • Mehr Sicherheit statt Staus. Verkehr ist ein weiterer Bereich, in dem die Digitalisierung große Auswirkungen haben kann – immerhin steht er auf Platz 3 der CO2-Verursacher Deutschlands. Der jüngste Mobilfunkstandard ermöglicht eine Echtzeit-Kommunikation zwischen Fahrzeugen sowie mit der Infrastruktur wie Schildern und Ampeln. Autonomes Fahren erhöht die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und reduziert Staus. Im Flottenmanagement von Logistikern ist eine punktgenaue Steuerung möglich – die Lkws wählen notfalls eine Ausweichroute, um die Produktion weiter mit Material zu versorgen. In Innenstädten wiederum sorgt die Parkplatzsuche für eine unnötige CO2-Belastung: Mit Hilfe intelligenter Systeme kann ein Fahrzeug im Vorbeifahren freie Parkflächen am Straßenrand erkennen und diese Daten anonymisiert über die Cloud anderen Autofahrern zur Verfügung stellen. Somit wird der Fahrer, der gerade auf der Suche nach einem Parkplatz ist, ohne Umweg zur nächsten Lücke geführt. Noch mehr Verkehr lässt sich mit smarten Mobilitätskonzepten reduzieren, indem beispielsweise der öffentlichen Personennahverkehr nach Bedarf gesteuert wird.
  • Weniger Verbrauch statt hoher Kosten. Der Einsatz von 5G und modernen Sensoren ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung, Steuerung und Automatisierung des Gebäudemanagements, allen voran der HLK-Steuerungssysteme (Heizung, Lüftung und Klimaanlage). So lassen sich der Verbrauch optimieren und die Kosten reduzieren. Bestenfalls tritt ein Gamification-Effekt ein – das heißt, mit den Kennzahlen im Blick sind die Nutzer motiviert, ihren Strom- und Wasserverbrauch zu reduzieren. Ein anderer Anwendungsbereich für 5G sind Smart Grids. Diese intelligent gesteuerten Stromnetze sorgen dafür, dass zu jeder Zeit die exakt benötigte Menge Strom erzeugt wird – im Idealfall bis auf das Watt genau. Voraussetzung ist, dass die unzähligen, räumlich weit verteilten Sensoren, Geräte und Systeme in Echtzeit vernetzt sind, was mit der 5G-Technologie möglich ist.
  • Saubere Landwirtschaft statt zu viel Dünger. In der Landwirtschaft kann 5G dabei helfen, die Effizienz zu steigern und gleichzeitig die Umweltbelastung zu reduzieren: Mithilfe von autonomen Landwirtschaftsmaschinen, Sensoren, GPS-Kameratechnik oder Drohnen lassen sich Änderungen von Pflanzengesundheit, Bodenqualität und Feuchtigkeit erkennen und bei Bedarf die exakte Menge an Pestiziden, Wasser oder Dünger ausbringen. Ein großer Teil des Düngers beispielsweise, der bei der Herstellung viel Energie braucht, landet auf nicht bepflanzten Flächen oder wird ausgespült. Auch beim Einsatz von Pestiziden sieht es nicht besser aus: Anstatt der befallenen Stellen wird normalerweise das komplette Feld besprüht. 5G hilft, die Auswirkungen des Agrarsektors auf den Klimawandel zu verringern und gleichzeitig künftige Herausforderungen der Lebensmittel- und Süßwasserknappheit anzugehen.

»Die 5G-Technologie an sich bedeutet nicht automatisch ein Plus an Nachhaltigkeit. Die superschnelle Mobilfunkgeneration muss immer in Kombination mit anderen Schlüsseltechnologien gesehen werden. Industrie und Verbraucher sind zudem gleichermaßen gefordert, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Richtig eingesetzt kann 5G dann aber zum entscheidenden Hebel für den Klimaschutz werden«, erklärt Kai Grunwitz, Geschäftsführer der NTT Ltd. in Deutschland.