Colocation liegt im Trend – aber warum eigentlich?

Illustration: Absmeier

Der Bau und Betrieb von Rechenzentren ist aufwändig, doch Colocation bietet Unternehmen über Zeit- und Kosteneinsparungen hinaus zahlreiche Vorteile.

 

Mit der schnell voranschreitenden Digitalisierung wächst die Abhängigkeit der Unternehmen von ihren digitalen Infrastrukturen. Einzelne Server oder kleine Server-Räume vermögen die hohen Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit oft nicht mehr zu erfüllen – gebraucht werden vollwertige Rechenzentren, die gut geschützt und äußerst zuverlässig sind. Viele Unternehmen wollen den Bau und Betrieb dieser Rechenzentren allerdings nicht selbst stemmen und mieten Räumlichkeiten bei spezialisierten Anbietern an. Bereits 40 Prozent der gesamten Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland entfallen auf solche Colocation Services, Tendenz steigend. Der Geschäftsbereich Global Data Centers von NTT Ltd. erklärt, welche Vorteile die Unterbringung der eigenen Server- und Speichersysteme bei einem externen Partner bietet:

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  • Zeit- und Kostenersparnis:
    Der Bau eines Rechenzentrums ist kostenintensiv und dauert mehrere Jahre – nicht zuletzt wegen der komplexen und zeitraubenden Genehmigungsverfahren in Deutschland. Da Unternehmen die neuen Kapazitäten meist zeitnah benötigen, ist die Anmietung bei einem Colocation-Anbieter oft die schnellere und zudem günstigere Alternative. Zumal viele Unternehmen keine geeigneten Grundstücke für ein Rechenzentrum besitzen und der Erwerb entsprechender Liegenschaften weitere Kosten und Verzögerungen verursacht.
  • Professioneller Betrieb:
    Nur wenige Unternehmen sind tatsächlich in der Lage, den reibungslosen 24/7-Betrieb eines Rechenzentrums zu gewährleisten. Die Mehrheit operiert aufgrund fehlender Fachkräfte mit dünner Personaldecke und vermag bei Problemen häufig nicht umgehend zu reagieren. Colocation-Anbieter verfügen sowohl über ausreichend hochqualifizierte Mitarbeiter als auch über jahrelang erprobte und stetig verbesserte Konzepte für den Betrieb und Schutz der Anlagen.
  • Hohe Verfügbarkeit:
    Fallen IT-Systeme aus, stehen interne Abläufe still und Online-Shops oder andere Digitalangebote sind für Kunden nicht mehr erreichbar. Um die damit verbundenen Umsatz- und Reputationsverluste zu vermeiden, sind Unternehmen auf eine hohe IT-Verfügbarkeit angewiesen. Rechenzentrumsdienstleister schaffen mit umfangreichen technischen und organisatorischen Maßnahmen, zu denen etwa redundante Kühlsysteme, leistungsstarke Brandschutzanlagen und eine zuverlässige Notstromversorgung zählen, die Basis dafür. In eigenen Rechenzentren erreichen Unternehmen nur selten vergleichbare Verfügbarkeitswerte.
  • IT-Compliance:
    Viele Branchen müssen hohe regulatorische Auflagen hinsichtlich Ausfallsicherheit und Schutz ihrer digitalen Infrastrukturen erfüllen. Eigene Rechenzentren entsprechend zu gestalten und die benötigten Zertifizierungen zu erwerben, ist ein langwieriger Prozess. Rechenzentrumsdienstleister besitzen die branchenüblichen Zertifizierungen bereits und bieten Unternehmen damit Planungssicherheit, falls sich beispielsweise durch neue Geschäftsmodelle oder digitale Services die Anforderungen für sie ändern. Zudem tun sich Unternehmen mit Colocation deutlich leichter, Disaster-Recovery-Strategien mit Rechenzentren an räumlich getrennten Standorten umzusetzen.
  • Hohe Flexibilität:
    Durch die Digitalisierung interner Prozesse und den Aufbau digitaler Geschäftsmodelle verändern sich die Anforderungen an die IT-Infrastrukturen von Unternehmen schnell. Dank Colocation können sie auch kurzfristig auf höheren Leistungsbedarf und wachsende Datenmengen reagieren und neue Server- und Speichersysteme in geeigneten Räumlichkeiten unterbringen. Da die Anbieter größtenteils mehrere Rechenzentren betreiben, lässt sich ein Standort in der Nähe eigener Niederlassungen oder denen wichtiger Kunden wählen, um Netzwerk-Latenzen zu minimieren.
  • Hervorragende Connectivity:
    Colocation-Rechenzentren sind üblicherweise nicht nur mehrfach redundant ans Internet und große Internetknoten angebunden, sondern besitzen oft auch eine direkte Verbindung zu führenden Cloud-Providern, Telekommunikationsnetzanbietern und IT-Service-Providern. Die garantierten Bandbreiten und Latenzen erleichtern Unternehmen die Einführung von SaaS-Diensten und die Umsetzung von Hybrid-Cloud-Konzepten. In eigenen Rechenzentren lässt sich eine solche Connectivity nur schwer herstellen und ist in der Regel mit Grabungsarbeiten für die Verlegung neuer Leitungen verbunden.
  • Nachhaltigkeit:
    Der Bau mehrerer kleiner Rechenzentren verschlingt mehr Ressourcen als der Bau einer großen Anlage mit ähnlichen Kapazitäten. Die Einrichtungen der Colocation-Anbieter sind daher meist nachhaltiger als die Rechenzentren von Unternehmen. Das gilt auch für den Betrieb, wo Skalierungseffekte beispielsweise für eine effizientere Kühlung und Notstromversorgung sorgen. Zudem optimieren die Dienstleister den Betrieb kontinuierlich und investieren dafür auch in Forschung und Entwicklung, was sich für ein einzelnes Unternehmen mit eigenem Rechenzentrum normalerweise nicht lohnt. Mit Colocation können Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele somit deutlich leichter erreichen.

 

»Der Bau und Betrieb eines Rechenzentrums ist aufwändig und setzt umfangreiche Expertise voraus. Selbst die Modernisierung oder Erweiterung einer bestehenden Anlage kann immense Kosten verursachen und lange dauern«, betont Konstantin Hartmann, Vice President Sales & Commercial der Global Data Centers Division von NTT Ltd. in EMEA. »Mit Colocation können Unternehmen finanzielle Risiken vermeiden und von der hohen Verfügbarkeit sowie hervorragenden Anbindung der spezialisierten Dienstleister profitieren. Sogar große Cloud-Provider wollen diese Vorteile nutzen und verlassen sich vielfach auf Colocation. Dabei muss es auch nicht immer ein Entweder-oder sein: Colocation kann das eigene Rechenzentrum ergänzen, wenn dessen Kapazitäten nicht mehr ausreichen oder ein zweiter Standort für georedundante Hochverfügbarkeit gebraucht wird.«