Demografie: Wie stark steigt der Altenquotient bis 2050?

Der Altenquotient wird in den kommenden Jahrzehnten weltweit deutlich steigen. Das zeigt die Statista-Infografik auf Basis einer Prognose der Vereinten Nationen. Besonders stark fällt der erwartete Anstieg in Südkorea aus: Der Wert klettert von 31,2 im Jahr 2026 auf 75,6 im Jahr 2050. Auch Italien erreicht mit einem Sprung von 40,7 auf 70,4 ein sehr hohes Niveau. Die Infografik auf Basis dieser Prognose verdeutlicht damit die Dynamik der globalen Alterung.

Im Vergleich dazu entwickelt sich der Altenquotient in klassischen Industrieländern wie den USA moderater und steigt von 29,3 auf 37,9. China holt mit einem deutlichen Anstieg von 21,6 auf 52,3 stark auf. Länder wie Indien bleiben hingegen trotz Zuwächsen deutlich jünger.

Deutschland gehört zu den Ländern mit einem bereits hohen Ausgangsniveau und weiter steigender Belastung. Der Altenquotient erhöht sich von 39,2 im Jahr 2026 auf 53,5 im Jahr 2050. Damit rückt Deutschland näher an besonders stark alternde Gesellschaften heran, bleibt aber hinter den Extremwerten etwa in Südkorea oder Italien zurück.

Der Altenquotient beschreibt die Zahl der Menschen im Alter von 65 Jahren und älter je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren. Die Prognosen basieren auf Annahmen zu Geburtenraten, Lebenserwartung und Migration. Sollten diese Trends anhalten, würde die Alterung vieler Gesellschaften den Druck auf Arbeitsmärkte und Sozialsysteme erhöhen und wirtschaftspolitische Anpassungen erforderlich machen.

Matthias Janson

https://de.statista.com/infografik/36210/prognose-zur-entwicklung-des-altenquotienten-nach-laendern/?lid=dydd0nlajglc

 

Bevölkerungsschrumpfung: Deutschlands Bevölkerung reduziert sich ab sofort

Die Bevölkerung Deutschlands wuchs im Jahr 2024 um knapp 100.000 Menschen. Das vermeldete das Statistische Bundesamt am Anfang des Jahres. Es könnte auf absehbare Zeit das letzte Mal gewesen sein, dass die Anzahl der Menschen in Deutschland wächst, denn laut aktueller Bevölkerungsvorausberechnung ist in allen Szenarien bereits in diesem Jahr mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechnen [1].

Grund dafür ist neben dem Saldo aus Geburten und Sterbefällen, der bereits seit Jahren negativ ist, ein Rückgang der Nettozuwanderung. So war das Geburtendefizit zuletzt drei Jahre in Folge höher als 300.000 Personen, wurde jedoch jeweils durch höhere Nettozuwanderung mehr als ausgeglichen. Das wird in diesem Jahr voraussichtlich nicht länger der Fall sein, so dass der bereits seit längerem erwartete Bevölkerungsrückgang 2025 beginnen dürfte.

Bis zum Ende des aktuellen Vorausberechnungszeitraumes im Jahr 2070 wird die Bevölkerung in Deutschland aller Voraussicht nach schrumpfen. Einzig bei zwei der 27 Szenarien würde die Bevölkerung bis 2070 leicht wachsen und dafür müsste neben einem hohen Wanderungssaldo die Geburtenrate deutlich ansteigen – ein Szenario, das aktuell sehr unwahrscheinlich erscheint.

Bei einer moderaten Entwicklung der drei relevanten Faktoren Geburtenrate, Lebenserwartung und Wanderungssaldo hätte Deutschland laut aktueller Prognose im Jahr 2070 74,7 Millionen Einwohner – knapp 9 Millionen weniger als Ende 2024. Bei moderater Entwicklung von Geburten- und Sterberate und starker Zuwanderung läge die Bevölkerung in 45 Jahren noch knapp über 80 Millionen, während niedrige Zuwanderung die Bevölkerung sogar unter 70 Millionen Menschen fallen lassen könnte.

Besonders problematisch ist dabei der erwartete Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Bei moderater Nettozuwanderung wird die Erwerbsbevölkerung bis 2070 um fast 20 Prozent von 51,2 Millionen auf 41,2 Millionen sinken – was bei gleichzeitigem Anstieg der Menschen im Rentenalter zu einer erheblichen Mehrbelastung führen würde. Felix Richter

https://de.statista.com/infografik/35616/bevoelkerungsprognose-fuer-deutschland/?lid=go2mctzbwhde
[1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_446_12.html

 

Demografischer Wandel: Wachsende »Versorgungslast« der erwerbsfähigen Bevölkerung

Bereits 2035 wird jede vierte Person in Deutschland 67 Jahre oder älter sein. Zu diesem Ergebnis kam das Statistische Bundesamt bei der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung, wonach in zehn Jahren mehr als 20 Millionen Menschen im Rentenalter in Deutschland leben werden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es 16,7 Millionen Personen 67-Jährige und Ältere, was einem Anteil von knapp 20 Prozent an der Gesamtbevölkerung entsprach.

Noch drastischer fällt der demografische Wandel ins Gewicht, wenn man die älteren Menschen ins Verhältnis zu denen im erwerbsfähigen Alter setzt. Dieser sogenannte Altenquotient wird laut mittlerer Prognose zwischen 2024 und 2035 von 32,7 Älteren pro 100 Erwerbspersonen auf 43,1 steigen. Statt drei erwerbsfähigen Personen pro Leistungsempfänger wären es dann nur noch 2,3 potenzielle Einzahler. Diese Entwicklung könnte sich bis 2070 weiter zuspitzen, denn bis dahin könnte der Altenquotient bei sich normal entwickelnden Geburten- und Sterberate auf über 50 steigen.

»Die Generation der Babyboomer befindet sich mitten im Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand. Auf sie folgen deutlich kleinere Jahrgänge«, so Karsten Lummer, Leiter der Abteilung Bevölkerung im Statistischen Bundesamt. »Im ungünstigsten Fall mit einer dauerhaft niedrigen Geburtenrate und niedriger Nettozuwanderung könnte der Altenquotient [bis 2070] sogar auf 61 steigen. Damit würde sich der Wert im Vergleich zu fast verdoppeln.«

Während die »Versorgungslast« im Hinblick auf ältere Personen voraussichtlich deutlich ansteigen wird, bleibt das Verhältnis aus zu versorgenden Kindern und Jugendlichen und erwerbsfähigen Personen nahezu konstant. So lag der sogenannte Jugendquotient im vergangenen Jahr bei 30,4 Kindern und Jugendlichen unter 20 pro 100 Erwerbsfähigen. Im Jahr 2070 wird er laut mittlerer Prognose auf 30,2 geschätzt. Der Gesamtquotient, also die Summe aus Jugend- und Altenquotient läge dann bei 81,2 zu versorgenden Menschen pro 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Felix Richter

 

https://de.statista.com/infografik/35617/alten-und-jungenquotient-in-deutschland/?lid=x33t2hbb6i3q

 

Kaufkraft der Rente: Wo ist die Rentenkaufkraft am höchsten?

Illustration Absmeier foto freepik

Die Kaufkraft der Rente schwankt regional um bis zu 70 Prozent. Das geht aus einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor [1]. So stehen Rentnerinnen und Rentner im Eifelkreis Bitburg-Prüm preisbereinigt nur 856 Euro zur Verfügung. In der thüringischen Stadt Gera hingegen – dem Ort mit dem bundesweit höchsten ökonomischen Lebensstandard für Rentner – sind es 1.437 Euro. Dabei steht dieses Beispiel stellvertretend für das Phänomen, dass die Rentenkaufkraft im Osten höher als im Westen ist. Am ungünstigsten ist das Zusammenspiel aus regionaler Rentenhöhe und Kaufkraft in Süddeutschland – von den fünf Kreisen mit der niedrigsten Rentenkaufkraft liegen jeweils einer in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und drei in Bayern. »Für die Auswertung hat Prognos die regionalen Lebenshaltungskosten und Rentenhöhen in 400 Landkreisen und kreisfreien Städten miteinander verglichen. Ob die Älteren zusätzlich noch Kapital- und Mieteinkünfte haben oder private Renten beziehen, blieb unberücksichtigt.« Mathias Brandt

https://de.statista.com/infografik/32103/durchschnittliche-rentenkaufkraft-in-deutschland-nach-bundeslaendern/?lid=ajvn8hms0a18
 
[1] https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/bundesweiter-vergleich-kaufkraft-der-rente-schwankt-regional-um-bis-zu-70-prozent–162908

 

 

Das Demografie- und Wirtschaftsproblem des Ostens

Bei der Altersstruktur und der Wirtschaftsleistung belegen ostdeutsche Bundesländer die hinteren Ränge. Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg weisen im Vergleich mit westdeutschen Ländern alle einen höheren Altersquotienten auf. Dieser bildet die Anzahl der ab 65-Jährigen je 100 Personen im Alter von 20- bis 65 Jahren ab. Auch bei der Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen belegen ostdeutsche Bundesländer – mit Ausnahme von Brandenburg – hintere Ränge. Das zeigt die Statista-Infografik mit Daten der Statistische Ämter des Bundes und der Länder.

Um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, sind die ostdeutschen Bundesländer also in besonderem Maße auf Zuzüge und Zuwanderung angewiesen. Wenn demnächst Angehörige der Babyboomer-Generation in Rente gehen, könnte sich die Problematik noch einmal verschärfen und unter anderem zu einem noch höheren Fachkräftemangel führen.

Bei der Wirtschaftsleistung weisen die ostdeutschen Bundesländer mit Ausnahme von Brandenburg ein Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen von unter 80.000 Euro auf. Sieben Länder liegen zwischen 80.000 und 90.000 Euro, sechs Länder über 90.000 Euro. Spitzenreiter ist Hamburg mit über 110.000 Euro. Hamburg weist zudem auch den niedrigsten Altersquotienten aller Bundesländer auf. Auch bei anderen wirtschaftlichen Kennzahlen liegt der Osten noch hinter dem Westen.

Die letzten Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen könnten dafür sorgen, dass Zuzüge, Zuwanderung und Neuansiedlung von Unternehmen zusätzlich gebremst werden. Migranten könnten ostdeutsche Länder aus Sorge vor Ausgrenzung und Verfolgung meiden, Unternehmer könnten zum Beispiel aus Sorge vor einem Imageverluste davon absehen, in Ostdeutschland zu gründen oder zu investieren. Matthias Janson

https://de.statista.com/infografik/32958/altenquotient-und-das-bruttoinlandsprodukt-je-erwerbstaetigem-nach-bundeslaendern/?lid=buoyoup9fqjz