Frauen haben mit KI nichts am Hut

Deutschland ist zwar führend bei den KI-Fachkräften, aber die Frauen sind in diesem Zukunftsmarkt stark unterrepräsentiert. Deutschland mit Polen sind auf dem letzten Platz in der EU.

Illustration: Geralt Absmeier

Linkedin zeigt globale Entwicklungen am Arbeitsmarkt: KI-Fähigkeiten gehören zu den am schnellsten wachsenden Fähigkeiten. International liegt Deutschland in der Spitze auf Platz drei, wie eine Untersuchung von Linkedin ergeben hat. Anhand der Angaben von KI-bezogenen Kompetenzen in den Mitgliederprofilen liegen nur die USA und Indien vor Deutschland. Wenn es um Repräsentation von Frauen im KI-Bereich geht, liegt Deutschland allerdings nur auf dem drittletzten Platz vor Brasilien (14 Prozent) und Mexiko (15 Prozent). EU-weit teilt sich Deutschland sogar den letzten Platz mit Polen.

Die Auswertung wurde für den jährlich erscheinenden Gender Gap Report des World Economic Forum (WEF) durchgeführt [1]. Im Zuge dessen wurden die Fähigkeiten von Linkedin-Mitgliedern in 20 Ländern analysiert. Die Auswertung zeigt auch, dass Frauen mit KI-Fähigkeiten spärlich vertreten sind. Nur 16 Prozent aller KI-Fachkräfte in Deutschland sind weiblich. Weltweit liegt die Frauenquote bei KI-Fachkräften nur bei 22 Prozent.

»Unsere Daten zeigen, dass Frauen mit KI-Kenntnissen stark unterrepräsentiert sind, weltweit und in Deutschland ganz besonders,« sagt Kristin Keveloh, Manager Economic Graph bei Linkedin. »Es ist kein Geheimnis, dass es allgemein weniger weibliche IT-Fachkräfte gibt, doch in diesem Fall ist das Problem besonders relevant, da künstliche Intelligenz in vielen Bereichen immer wichtiger wird. Momentan wird KI hauptsächlich von Männern entwickelt. Eine Frage, die sich dabei stellt, ist ob hauptsächlich von Männern entwickelte KI auch spezifisch männliche Denkmuster annimmt. Über solche Fragen sollten wir uns Gedanken machen und dafür sorgen, dass hinter der Ausarbeitung von künstlicher Intelligenz ein möglichst repräsentativer Ausschnitt der Gesellschaft steht, der die KI in Zukunft dienen soll. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass Frauen in diesem Bereich aufholen können, denn je grösser der Bereich wird, desto schwieriger wird dies.«

Frauen drohen, weiter zurückzufallen

Das Tempo, in dem Männer und Frauen KI-Fähigkeiten erlangen, ist weltweit sehr ähnlich. In den vergangenen vier Jahren ist die Anzahl der auf den Profilen angegebenen KI-Fähigkeiten bei Männern und Frauen gleichermaßen gestiegen. Das bedeutet, dass Frauen zwar mithalten, aber nicht aufholen.

Des Weiteren sind Männer stärker in der Entwicklung von KI beschäftigt, während Frauen vor allem in Anwendungsbereichen wie Datenanalyse und Lehre vertreten sind. Männer hingegen geben vermehrt Deep Learning und neuronale Netzwerke als Fähigkeit an. Somit gestalten Männer die Zukunft von KI stärker mit, wodurch die Gefahr besteht, dass Frauen künftig noch stärker zurückfallen.

 

[1] The Global Gender Gap Report vom World Economic Forum: Seit 2006 analysiert das WEF die Gleichstellung von Männern und Frauen in den Bereichen wie Wirtschaft, Bildung und Politik. Die oben beschriebene Linkedin-Analyse ist Teil des Global Gender Gap Reports 2018.

 


 

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