Staatliche Förderung von KI-Projekten – Man muss nicht durch die Höhle der Löwen

Frank Thelen ist wohl Deutschlands bekanntester Venture Capitalist. Die TV-Show »Höhle der Löwen« dient dem Self-made-Millionär zur Rekrutierung zukunftsträchtiger Startups für seine Investments. Manche davon gehen durch die Decke, andere floppen. So ist das mit technologischen Neuerungen. In seinem Buch » Startup DNA – hinfallen, aufstehen, die Welt verändern « prangert Thelen an, dass es in Deutschland an der staatlichen Förderung technischer Innovationen fehle. Dabei gibt es hierzulande mehr als 2.500 Förderprogramme für Unternehmen. Welche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in der IT haben besonders gute Chancen auf Subventionierung?

Schaut man sich die Liste der weltumspannenden Tech-Giganten an, stehen Google, Facebook, Microsoft, Apple, Samsung, Dell, Huawei und Alibaba ganz oben. Gerade einmal zwei europäische Unternehmen spielen im Ranking der digitalen Supermächte eine Rolle: der schwedische Streaming-Dienst Spotify und die altehrwürde SAP. Deutschland und Europa, so scheint es, überlassen den USA und Asien ohne Gegenwehr das Feld der Informationstechnologie. Frank Thelen führt diesen Innovations-Gap auf die schwache Investment-Kultur in Europa zurück. Insbesondere der Staat fördere Forschung und Entwicklung sowie die Gründung innovativer Firmen zu wenig, so sein Vorwurf.

Zu selten genutzt: Fördergelder für KI-Projekte. Das sieht Daniel Krüger-Gawin, Senior IT Technology Consultant beim Beratungsunternehmen Leyton, anders. Ihm zufolge erhalten gerade IT-Projekte zur digitalen Transformation hohe nationale Fördermittel und EU-Subventionen. Neben Zuschüssen, zinsvergünstigten Darlehen, öffentlichen Bürgschaften und Beteiligungen ist die Forschungszulage für FuE-Vorhaben relativ neu und besonders interessant. Über sie erhält ein förderungswürdiges Projekt bis zu einer Million Euro. Pro Jahr. Krüger-Gawin berät insbesondere IT-Unternehmen bei der Beantragung dieser Gelder. Ihm zufolge wissen viele Firmen gar nicht, dass es dieses lukrative Refinanzierungsinstrument gibt. Und selbst wenn: »Staatliche Unterstützung zu beantragen ist ein Prozess, den kleinere Unternehmen und Startups personell oft nicht stemmen können.«

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Da lohnt es, Experten wie die von Leyton ins Boot zu holen. Sie machen oftmals überhaupt erst auf das finanzstrategische Instrument der Fördergelder und Forschungszulagen aufmerksam und wissen, was förderfähig ist. »Wir erkennen den Innovationsgrad eines Projekts und seine Chance auf Genehmigung meist nach einer ersten groben Skizzierung«, sagt Krüger-Gawin. Dann folgen die Festlegung der Prüfkriterien und eine Beratung darüber, welche Stellschrauben vor Antragstellung gedreht werden müssen. Nur etwa drei Stunden zeitlicher Aufwand liegen beim Kunden, den Rest übernimmt das Beratungshaus. Dabei geht das antragstellende Unternehmen nicht einmal ein finanzielles Risiko ein: Vergütet wird nur im Erfolgsfall.

 

 

Welche Projekte werden gefördert? Daniel Krüger-Gawin verrät, für welche Innovationsvorhaben er in letzter Zeit die Forschungszulage für seine Klienten »herausgeholt« hat: »In der industriellen Fertigung beispielsweise werden oft Einzelteile verbaut, für die es weltweit nur wenige Hersteller gibt. Für eine KI-gestützte Online-Plattform, die ähnlich wie ein Dating-Portal hilft, durch Eingabe der Anforderungen den passenden Dienstleister zu identifizieren, konnten wir Fördergelder für Forschung und Entwicklung erwirken. Genauso für eine Wissens-App, die Konzernen die Suche nach internem Know-how ermöglicht. Mithilfe von KI ermittelt sie in Sekundenschnelle, welche Mitarbeitenden Wissensträger für ein spezielles Fachgebiet sind. Auch im Straßenbau hält Digitalisierung Einzug – und wird mit der Forschungszulage gefördert.«

Daniel Krüger-Gawin berichtet von Anwendungsfällen, in denen der digitale Zwilling einer Baustelle erstellt wird. Per Computer kann nun bestimmt werden, wann und von wo die Baustelle am effektivsten zu beliefern ist. Dazu werden beispielsweise historische Daten, Verkehrsdaten, Wetterprognosen und Informationen über die nächstgelegenen Baustoff-Lieferanten verknüpft, um Anlieferungen optimal zu planen.

Die Liste der Anwendungen mit Chancen auf Genehmigung der Forschungszulage ließe sich beliebig fortsetzen. Man kann Unternehmen nur empfehlen, sich bei anstehenden F&E-Projekten mit staatlicher Förderung zu befassen. Es in »Die Höhle der Löwen« zu schaffen, kann den schnellen Durchbruch bringen – und ganz sicher einen hohen Bekanntheitsgrad. Realistischer jedoch ist es, über die Forschungszulage der BSFZ bis zu 1 Million Euro pro Jahr (!) zu erwirken, mit denen bis zu 25 Prozent der Personalkosten und 15 Prozent für externe Aufwendungen finanziert werden können. Und das nicht nur für geplante Projekte, sondern auch für laufende und nach dem 2. Januar 2020 bereits durchgeführte.

 


Angelika Mühleck,
IT-Fachjournalistin

 

 

 

Illustration: © KoDi Art/shutterstock.com